Hildesheimer Allgemeine Zeitung

In die Villa Steinberg sollen Senioren ziehen

Veröffentlicht von Rebecca Hürter am 14.03.2019.

Sarstedt - Leben im Schloss – für viele Menschen eine verlockende Vorstellung. Für Senioren aus Sarstedt könnte sie bald Wirklichkeit werden. Denn in der schlossähnlichen Villa Steinberg, die an das Wohngebiet Sonnenkamp angrenzt, sollen Wohnungen für Senioren entstehen. Darüber wurde schon spekuliert (die HAZ berichtete), jetzt hat die zuständige Architektin Simone Welge in der gestrigen Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung die konkreten Pläne vorgestellt.

„Es ist ein wunderschönes, ein denkmalgeschützes Gebäude“, sagte Welge. Die Villa müsse genutzt werden, damit sie nicht verfalle. Zurzeit steht das Gebäude leer. Letzter Nutzer war die Universität Hannover. Die Eigentümer des Gebäudes, für die Welge arbeitet, wollen als erstes die Villa selber und das danebenliegende ehemalige Hörsaalgebäude beleben.

Tagespflege statt Vorlesung

Der Plan: In der Villa entstehen acht Wohneinheiten für Senioren, die sich noch selbstständig versorgen können. Sowohl alleinstehende Senioren als auch Paare sollen dort ein neues Zuhause finden. Insgesamt bis zu zwölf Personen sollen in den Ein- und Zweipersonenappartements leben können. Zudem sind laut Welge Gemeinschaftsräume geplant. Auch eine Gemeinschaftsküche für einige Parteien sei denkbar.

Im angrenzenden ehemaligen Hörsaalgebäude ist laut Welge eine Tagespflege für Senioren vorgesehen. „Wir haben hierfür immer mehr Bedarf“, sagt die Architektin. Denn viele Familien hätten nicht mehr genügend Zeit, um ihre Angehörigen rund um die Uhr zu versorgen. Die Eigentümer des Geländes stehen laut Welge für die Betreibung der Tagespflege bereits mit Interessenten im Gespräch, konkrete Pläne gebe es aber noch nicht. Flächen für Rollatoren, Ruhezonen und wohnzimmerähnlich gestaltete Räume gehören zu den Plänen der Eigentümer.

Was sagt der Denkmalschutz?

Eine zentrale Frage bei der Entwicklung des Konzepts war laut Welge: Welche Nutzung stört die Umgebung wenig? Schließlich werden die Autos der neuen Bewohner durch das angrenzende Wohngebiet fahren. „Wir wollen den Sonnenkamp nicht beeinträchtigen“, sagt Welge. Wenn Senioren in der Villa wohnen, falle weniger Verkehr an, als wenn junge Familien mit Kindern einziehen. Der Wirtschaftsweg, der von der Villa auf die Bundesstraße 6 führt und in der Vergangenheit von Uni-Mitarbeitern genutzt wurde, bleibt laut Welge verschlossen. Eine Verkehrsumgehung entlang der B 6 sei nicht praktikabel.

Die Mitglieder des Ausschusses reagierten weitestgehend positiv auf die Pläne für die Belebung der Villa. Bei einigen Punkten kamen jedoch Fragen auf: Ist zum Beispiel der notwendige Einbau eines Fahrstuhls mit dem Denkmalschutz vereinbar? „Der Denkmalschutz ist ganz kritisch zu prüfen“, sagt Welge. Bisher sei das jedoch noch nicht geschehen. Der Zeitplan sehe vor, dass die Eigentümer nach den ersten Gesprächen mit der Stadt Kontakt mit dem Landkreis und der zuständigen Denkmalschutzbehörde aufnehmen. Sie müssen mit dem Landkreis prüfen, ob die Pläne zum Beispiel wegen der Anforderungen an Brandschutz und Rettungswege möglich sind. Der Rat der Stadt muss über eine nötige Änderung des Flächennutzungsplanes abstimmen.

Baubeginn 2021?

Ratsherr Wolfgang Jäckel (CDU) zeigte sich in der Sitzung zudem besorgt, dass sich Altlasten im Boden befinden. Schließlich befinden sich dort alte Bunkeranlagen. Zudem habe die Uni in Laboren experimentiert. Auch dieser Punkt muss laut Welge überprüft werden. „Wir wollen erst einmal ein positives Signal bekommen, dass das Projekt überhaupt unterstützt wird“, sagt sie. Was künftig mit den Bunkeranlagen geschehen soll, sei noch ungewiss.

Frühestens im Jahre 2021 kann laut Welge mit den Baumaßnahmen auf dem Gelände begonnen werden. Ob die Wohnungen vermietet oder verkauft werden, stehe noch nicht fest. Wahrscheinlicher sei eine Vermietung. Auch über die Preise der geplanten Wohnbereiche kann Welge noch nichts Genaues sagen: „Das Projekt gibt aber keine Low-Budget-Option her.“

Weitere Themen aus der Sitzung:

Seniorengerechtes Wohnen - war in der Sitzung noch unter einem anderen Tagesordnungspunkt Thema. Und zwar in Bezug auf eine Änderung des Be - bauungsplanes südlich der Straße Am Boksberg - . Die Änderung soll es möglich machen, dass auf der Fläche Seniorenwohnungen entstehen. Auf dem Gelände des ehemaligen Getränkemarktes sollen zum Beispiel eingeschossige Wohnungen für Senioren stehen – ein Schwerpunkt soll auf Wohnungen für Menschen mit Demenz - liegen. Der Ausschuss stimmte der Änderung einstimmig zu.

Auch bei einer Änderung des Bebauungsplans für das Baugebiet Sonnenkamp - fiel die Abstimmung einstimmig positiv aus. Die Änderung soll im südlichen Bereich der freien Fläche an der Ingeborg-Bachmann-Straße eine Bebauung mit Einfamilien- und Doppelhäusern - möglich machen. Zuvor war der Bau eines großen Gebäudes vorgesehen.

Der Umweltbeauftragte der Stadt, Peter Plein, teilte in der Sitzung zudem mit, dass das Unternehmen Holcim um die Erlaubnis gebeten hat, den K - iesabbau im Bereich Seekamp, westlich der ICE-Trasse, um zweieinhalb Jahre zu verlängern - .

In der Einwohnerfragestunde kam die Frage auf, wie es beim Innerstebad - weitergeht. Laut Bauamtsleiter Rembert Andermann sieht der aktuelle Plan vor, dass der Wintergarten Ende März oder Anfang April wieder genutzt werden kann. Es werde zudem darüber nachgedacht, das Freibad zu beheizen. Die Pläne können aber voraussichtlich erst in der Saison 2020 umgesetzt werden