Hildesheimer Allgemeine Zeitung

In Dingelbe gedeiht Soja

Veröffentlicht von Andrea Hempen am 10.09.2018.

Dingelbe - Der Braunkohl braucht noch etwas Zeit, die Tomaten haben ihre Hochzeit schon hinter sich – die Sojabohnen im Garten von Marlis und Heinrich Leinemann sind jetzt reif. Das Landwirtspaar aus Dingelbe hat am Projekt 1000 Gärten teilgenommen. Wie 2000 andere Teilnehmer säten die Leinemanns zwölf verschiedene Sojapflanzen auf ihrem Land aus. Sie beteiligen sich damit an der Forschung eines großen deutschen Tofu-Produzenten und der Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim. Ein Ziel ist es, die proteeinreiche, nicht genmanipulierte Pflanze auch in kühleren Regionen des Landes anzubauen und damit auch die Transportwege zu minimieren.

Urbohnen keimen kaum

„Deutschland hat fünf Klimazonen und das Ziel ist es, in jeder Soja anzubauen“, erklärt Heinrich Leinemann. Zwölf Sorten gedeihen mehr oder weniger gut im Dingelber Garten. Zwei davon sind in Deutschland schon etabliert. Die rankenden Urbohnen machen in der Reihe den schlechtesten Eindruck. „Von 50 Samen sind nur drei aufgegangen“, erzählt Marlis Leinemann.

Genaue Beobachtung

Über den Projektzeitraum führen die Leinemanns genau Buch, tragen alle Werte in eine Excel-Tabelle ein. Welche Sorte kam wann in die Erde, keimte nach wie vielen Tagen? Platzen die Schoten unter Stress, wie etwa Hitze? Wie viele Schotenansätze hat eine Pflanze? Wie weit entfernt ist der Schotenansatz von der Erde? Letzteres ist wichtig für die Ernte mit dem Trecker, erklärt Bauer Leinemann. Die Versuchsteilnehmer bekamen Thermometer für das Projekt gestellt. Bei Leinemanns wird die Temperatur direkt am Beet gemessen. „51,7 Grad zeigte das Thermometer am heißesten Tag an“, berichtet Marlis Leinemann beeindruckt. Schließlich geht es bei diesem Projekt auch um den Klimawandel.

Für sie, die regelmäßig Besucher im Rahmen der offenen Gartentür durch den Garten führt, ist der Anbau von Soja eigentlich nichts Besonderes. In ihrem Bauerngarten, den sie nach dem Vorbild Karls des Großen angelegt hat, gedeihen nicht nur Zuckererbsen und Kohlrabi, sondern auch Linsen, Kicher- oder Spargelerbsen. Allerdings nur in kleinen Mengen. „Ich will einfach nur zeigen, dass das hier auch wächst“, sagt die Dingelberin. Als sie in diesem Sommer wieder Gäste durch ihren Garten führte, stellte sich ein Braunschweiger vor, der sich ebenfalls am 1000-Gärten-Projekt beteiligt. „Bei ihm sind die Urbohnen auch kaum aufgegangen“, erzählt Leinemann. Diese Pflanze wird sich wohl nicht für den weiteren Anbau eignen.

Proben eintüten

Die Leinemanns werden in Kürze Proben eintüten und zur Auswertung an die Uni nach Hohenheim schicken. Und die beiden werden demnächst mal Tofu probieren. „Haben wir bisher noch nicht“, sagt Marlis Leinemann und legt zwei Rezeptbüchlein Taifun-Tofu auf den Tisch. Sie stippt auf das eine Heft und sagt: „Das mit der Mayonnaise klingt ganz lecker.“

Dass im Winter auf den Leinemannschen Tisch neben dem Braunkohl aus dem Garten nur noch Tofu-Wurst auf den Teller kommt – das darf bezweifelt werden.