Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Infotage zur Sicherheit im Internet

Veröffentlicht von Norbert Mierzowsky am 09.10.2019.

Hildesheim - Erlaubt ist, was Spaß macht – so gehen viele Nutzer mit Angeboten im Internet um. Doch der Spaß hört spätestens dann auf, wenn man merkt, dass persönliche Daten plötzlich bei Dritten im Internet auftauchen.

„Pech“, sagt der Informationswissenschaftler Professor Joachim Griesbaum von der Universität Hildesheim, „wenn die Daten erstmal im Internet kursieren, hat man keine Kontrolle mehr“. Zwar kann man zum Beispiel bei Facebook den Zugang zu eigenen Dateien wie zum Beispiel Fotos beschränken. Doch niemand weiß, was die anderen damit anfangen. „Das gibt den berühmten Schneeball-Effekt“, sagt Griesbaum.

Cookies nerven

Das Internet nutzen, heiße noch lange nicht, damit kompetent umgehen zu können. Auch nicht bei der Suche nach Informationen. Deswegen hat Griesbaum mit anderen Hochschulwissenschaftlern dazu eine öffentliche Tagung sowie eine Ringvorlesung auf die Beine gestellt (nebenstehender Text).

Es passiert fast alltäglich. Man lädt eine neue App auf das Smartphone, und der Anbieter fragt, ob man den Zugriff auf die Dateien auf dem Handy zulässt. Die meisten stimmen einfach zu, sagt Griesbaum: „Das ist Privatheit paradox. Zum einen sind einem die eigenen Daten wichtig, zum anderen lassen wir den Zugriff von fremden Diensten zu.“

China als Überwachungsstaat

Eine kritische Betrachtungsweise, die nicht überall auf der Erde so verbreitet ist, weiß der Informationswissenschaftler. Zum Beispiel in Asien: „Dort gibt es generell einen anderen Umgang mit den digitalen Technologien.“ Am weitesten habe es zurzeit wahrscheinlich China getrieben, das den Überwachungsstaat technisch perfektioniert.

Doch auch in Europa oder beispielsweise den USA sehe es mit dem Datenfluss nicht viel anders aus: „Google weiß nicht nur, wo ich, sondern auch, wer ich bin.“ Nur, dass hier die meisten Nutzer ihre Daten eben freiwillig freigeben würden. Mit Hilfe des sogenannten Online-Trackings, also darüber, welche Angebote im Internet wie genutzt werden, könnten Anbieter leicht ermitteln, wie sich Kunden verhalten und ob entsprechende Werbemaßnahmen oder Angebote funktionieren.

Soziale Netzwerke

Allerdings gebe es auf EU-Ebene starke Bestrebungen, die Online-Sicherheit ihrer Bürger zu erhöhen: „Das hat weltweit Vorreiterfunktion.“ Griesbaum ist unter anderem Mitglied im Vorstand des Zentrums für Digitalen Wandel an der Uni Hildesheim. Der 48-Jährige forscht zum Informationsverhalten von Menschen in Online-Medien, speziell in den sozialen Netzwerken. Das Niedersächsische Wissenschaftsministerium fördert sein Projekt „Informationskompetenz und Demokratie“.