Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Irritation über Mauer, die keine Mauer sein soll

Veröffentlicht von Ulrike Kohrs am 12.01.2018.

Bad Salzdetfurth - Stück für Stück wächst an der Bodenburger Straße das neue Bürogebäude für die Energieversorger EVI und Stadtwerke Bad Salzdetfurth. Am Ende des Grundstücks, auf dem in Kürze auch noch acht Bungalows errichtet werden sollen, ist eine Betonmauer entstanden - nahe des Lamme-Ufers, über die gesamte Grundstücksbreite. Das verwundert und verärgert andere Lamme-Anrainer. Denn sie vermuten eine Hochwasserschutzmaßnahme. Das verantwortliche Bauunternehmen Schaper winkt ab, es handele sich nicht um eine Hochwasserschutzmaßnahme.

Nach den verheerenden Fluten im Juli vergangenen Jahres hatten etliche Bürger beispielsweise in Bad Salzdetfurth oder Klein Düngen den Wunsch geäußert, zum Schutz vor künftigen Hochwassern einen Wall oder eine Mauer an ihren Grundstücken ziehen zu wollen. Doch Umweltdezernent Helfried Basse hatte dann regelmäßig daran erinnert, dass das nicht erlaubt sei. Aus gutem Grund: Wer sein Haus mit einer Mauer schützt, leitet das Wasser im schlimmsten Fall seinem Nachbarn in den Keller. Auf diese Absage beziehen sich die Kritiker und wundern sich, warum auf dem Schaper-Grundstück eine Mauer gezogen werden durfte.

Angelegenheit nicht ganz eindeutig

Bad Salzdetfurths Bauamtsleiter Hans-Joachim Kamrowski verweist auf den Landkreis, der sei die genehmigende Behörde. Er räumt aber ein, dass die Angelegenheit nicht ganz eindeutig ist.

„Die Frage ist, wozu ist die Mauer da?“, so Kamrowski. Denn davon abhängig sei, ob sie überhaupt genehmigungspflichtig sei. Als Einfriedung des Grundstückes beispielsweise brauchen Mauern unter zwei Metern Höhe baurechtlich kein grünes Licht vom Landkreis. Anders sei es, wenn das Wasserrecht betroffen sein könnte, zum Beispiel in einem Überschwemmungsgebiet. „Dann muss wasserrechtlich geklärt werden, ob der Bau zulässig wäre“, sagt der Bauamtsleiter.

„Die Stützmauer ist aber keine Hochwasserschutzmaßnahme“, stellt Hartmut Meyer von Firma Schaper klar. Zum einen stehe sie gar nicht unmittelbar am Lamme-Ufer, sondern sei bis zu 1,80 Meter auf das Grundstück eingerückt. Zum anderen seien die Beton-Winkelstützen zum Sichern des Erdreichs gesetzt worden.

Was passiert bei Hochwasser?

„Wir haben eine Genehmigung vom Landkreis, das zur Lamme hin stark abfallende Grundstück auf Straßenniveau zu begradigen“, erklärt Meyer. Ob das Erdreich dafür mit Winkelstützen oder einem angeschütteten Erdhang gesichert würde, spiele keine Rolle. Im Zweifel seien Stützen sogar besser, weil ein Erdhang immer die Gefahr berge, das Gewässer zu verschlammen, gibt Meyer zu bedenken.

Er räumt aber ein, dass zum jetzigen Zeitpunkt der Bauarbeiten tatsächlich der Eindruck entstehen könnte, dass dort eine Mauer errichtet wurde. „Aber die wird von Seiten der Lamme noch mit Erde angeschüttet, dann wird sie nicht mehr so hoch wirken“, erklärt Meyer. Da das Grundstück in Richtung Rewe stärker abfalle, als zur anderen Seite hin, seien später nur noch 25 bis 50 Zentimeter sichtbar.

Es bleibt aber dennoch hinter der angehäuften Erde eine massive Betonwand, die im Falle von Hochwasser nicht weggeschwemmt würde, sondern sich der Fluten standhaft erwehren würde. Spielt das Wasserrecht dann doch eine Rolle? „Die Wasserbehörde prüft die Angelegenheit zurzeit“, erklärt ein Sprecher der Pressestelle des Landkreises. Das Verfahren sei noch nicht abgeschlossen.