Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Jetzt fehlen auch in der Innenstadt Hausärzte

Veröffentlicht von Christian Harborth am 16.04.2018.

Hildesheim - Während sich die Situation für Patienten aus dem Norden der Stadt offenbar derzeit etwas beruhigt hat, wachsen vor allem rund um die Innenstadt die Sorgen davor, irgendwann ohne ärztliche Versorgung dazustehen. Neben Dr. Jürgen Ebel, der seine Drispenstedter Praxis wie berichtet Anfang des Jahres aufgegeben hat, wollen weitere Mediziner aufhören.

„Das Problem ist, dass derzeit mehrere Ärzte in den Startlöchern zur Rente stehen“, sagt Dr. Petra Lattmann, Vorsitzende des Bezirksausschusses Hildesheim der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Dazu zählen Dr. Hans Stöckmann im Kurzen Hagen und Dr. Edgar Gerhard im Hohen Weg. Während Stöckmann wie schon sein Berufskollege Ebel ersatzlos schließt, hat die Praxis im Hohen Weg zumindest einen vorübergehenden Ersatz gefunden. „Ich mache die Vertretung, bis ein neuer Arzt gefunden ist“, sagt Dr. Hans-Werner Kandulski. Er selbst sei inzwischen 71 Jahre alt und wolle die Praxis deshalb nicht übernehmen.

Fehlende Voraussicht als Hauptgrund?

Lattmann weiß von einem weiteren Mediziner aus der Innenstadt, der Ende des Jahres in Ruhestand gehen will. „Er sucht verzweifelt einen Nachfolger.“ Die KVN-Bezirksvorsitzende ist der Meinung, dass der derzeitige Mangel an Hausärzten fehlender Voraussicht geschuldet ist. „Es wurden zu wenig Ärzte ausgebildet.“ Andere Mediziner glauben, dass das Modell des Hausarztes vor Ort einfach nicht mehr attraktiv sei. Junge Ärzte drängten in gut bezahlte Jobs an Medizinischen Versorgungszentren oder Facharztpraxen. „Da finden sich häufig bessere Arbeitszeiten sowie eine höhere Bezahlung“, sagt Dr. Dorothea Mordeja aus der Gemeinschaftspraxis in der Ehrlicherstraße. Mordeja ist auch Vorsitzende der Hildesheimer Bezirksstelle der Ärztekammer Niedersachsen.

KVN-Chefin Lattmann rechnet damit, dass die Ärztevereinigung in den nächsten Jahren die Unterversorgung des Gebietes, zu dem die Stadt Hildesheim gehört, feststellen wird – ein Warnsignal, aber gleichzeitig ein finanzieller Anreiz für junge Mediziner auf der Suche nach einer Praxis. Ist die Unterversorgung festgestellt, entfallen die Kosten, die sie für den kassenärztlichen Sitz bezahlen müssten. In einem Gebiet wie Hildesheim sind das bis zu 140 000 Euro.

Entspannung im Norden der Stadt

Während sich die Lage rund um die Innenstadt derzeit zuspitzt, scheint sie sich im Norden der Stadt etwas zu entspannen. „Die Patienten von Dr. Ebel haben sich auf die bestehenden Praxen in der Umgebung aufgeteilt“, sagt Mordeja. Von den rund 1400 Patienten seien etwa 500 bei ihr in der Drispenstedter Ladenzeile gelandet.

Stadtweit gesehen gibt es derzeit aber offenbar hunderte Patienten, die sich verunsichert auf die Suche nach einem neuen Hausarzt machen. Das führt dazu, dass manche Praxen darüber nachdenken, keine weiteren Patienten mehr aufzunehmen. „Ich weiß nicht, wie das alles weitergehen soll“, sagt die Mitarbeiterin einer Innenstadt-Praxis, die seit fast drei Jahrzehnten für Hildesheimer Mediziner arbeitet. „Wir denken jedenfalls gerade über einen Aufnahmestopp nach.“