Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Jo-Beach öffnet still und heimlich – der Anwohner wegen

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 15.05.2018.

Hildesheim - „Silent Opening“, so steht es auf der Facebook-Seite des Jo-Beachs – also stille Eröffnung. Am Freitag, 25. Mai, feiert Betreiber Matthias Mehler den ersten Tag des Strandes am Hohnsensee – heimlich, still und leise. Obwohl das eignetlich ein Grund zum Feiern ist, hält sich der Veranstalter vornehm zurück. Ein Entgegenkommen an die klagenden Anwohner.

Seitdem sich der Sommer in Hildesheim mit voller Wucht gezeigt hat und die Bürger das Weinfest und die Automeile gefeiert haben, kommt die frühe Eröffnung des Jo-Beachs vielen zupass. Endlich die Füße in den See halten, bei einem kühlen Getränk den Feierabend genießen und die Kinder nebenbei im Sand spielen lassen. Für einen Geschäftsmann wie Mehler kann es eigentlich keinen besseren Zeitpunkt für die Eröffnung geben, die man auf sämtlichen Kanälen bewerben könnte.

Aber der Hildesheimer Veranstalter eröffnet seinen Strand am Hohnsen mit angezogener Handbremse. „Wir wollen kein Öl ins Feuer gießen“, antwortet der Betreiber auf die Frage nach dem Grund für seine Zurückhaltung.

Lautstärke-Klagen sind Stadtgespräch

Die Klage gegen die Lautstärke der Veranstaltungen rund um den Hohnsen ist seit Wochen Stadtgespräch. Einige Weinberg-Anwohner fühlen sich durch Fußball- und Footballspiele, Events wie See- oder Ritterfest und Public Viewing, aber auch den Lärm durch die Gäste des Jo-Beachs gestört.

„Endlich ist in Hildesheim richtig was los und jetzt soll die Atmosphäre in meiner Heimatstadt durch wenige Anwohner getrübt werden“, sagt Geschäftsmann Manuel Vazquez, der selbst in der Struckmannstraße in unmittelbarer Nähe zum Hohnsensee wohnt. „Für mich gehört das Leben, das seit einigen Jahren hier herrscht, zu unserer neuen Kultur.“

Auch Harald Fleischer kann die Klagen nicht nachvollziehen. Schließlich müsse man wissen, dass man am Weinberg mitten in der Stadt am Rand eines Schwimmbades und in der Nähe von Hildesheims Stadion wohnt, meint der gebürtige Hildesheimer. Er lebt mit seiner Familie in Lechstedt: „Ich wohne dort auch erst seit kurzem und fange doch jetzt nicht an, mich über den Autobahnlärm aufzuregen.“

„Halte mich an alle Auflagen.“

Mehler selbst hält den Ball flach und tut alles Mögliche, um niemandem auf den Schlips zu treten: „Ich halte mich selbstverständlich an alle Auflagen.“ Auch darüber hinaus engagiert er sich. Für ihn gehöre der Weg zum Strand auch zur Veranstaltung. Diesen halte er stets sauber und gegen eventuelle Krawallmacher hat er einen Sicherheitsdienst inklusive Nachtwache.

Für außergewöhnliche Veranstaltungen wie das Public Viewing benötigt Mehler ohnehin Genehmigungen. Und diese sind an Auflagen wie Lautstärkepegel, Zuschauerkapazität und Schlusszeiten geknüpft. Derzeit prüft die Stadt diese noch abschließend. Dazu sagt Stadtsprecher Helge Miethe, dass mit Auflagen, wie vor zwei Jahren zu rechnen seien. Dementsprechend dürften Mehler und sein Team also nicht überrascht werden.

Beim Public Viewing gelten ohnehin andere Gesetzte. Damit Fußball- Übertragungen auf Großleinwänden auch nach 22 Uhr und in Ausnahmefällen auch nach Mitternacht erlaubt sind, hat die Bundesregierung dafür ein Sonderrecht geschaffen. Das Bundesimmissionsschutzgesetz legt grundsätzlich fest, dass bei öffentlichen Veranstaltungen nach 22 Uhr in allgemeinen Wohngebieten der Geräuschpegel 40 Dezibel nicht überschritten werden darf. Beim Public Viewing wird es in der Regel lauter – dank des Gesetztes ist das geduldet.

Hohnsensee noch nicht freigegeben

Aber auch während der Weltmeisterschaft kommt Mehler den Weinberg-Anwohnern entgegen. Die Fußball-Fans werden nicht über den üblichen Jo-Beach-Eingang aufs Gelände gelassen, sondern durch das Olympia-Camp-Tor beim DLRG-Häuschen auf der anderen Seeseite. Auf Weinberg-Seite wird es somit ruhiger sein.

Mehlers Mitarbeiter haben am Dienstag mit den Aufbauarbeiten für den Jo-Beach begonnen. Das sei zwar ein „sportliches Vorhaben“, aber der Unternhemer ist zuversichtlich, am 25. Mai, um 18 Uhr fertig zu sein. Und dann lädt er zum „Chillen und Grillen“ein. Ganz ohne DJ und Musik.

Auf das Baden müssen die Gäste dann allerdings noch verzichten. Der Hohnsensee wird erst Anfang Juni zum Schwimmen freigegeben.

Alle Spiele mit deutscher Beteiligung

Geplant ist, am Jo-Beach alle Spiele mit deutscher Beteiligung zu zeigen. Dementsprechend wären die Partien gegen Mexiko (17. Juni, 17 Uhr), Schweden (23. Juni, 20 Uhr) und Südkorea (27 Juni, 16 Uhr) fix. Alle Spiele kosten dann, wie bei der EM 2016, 4 Euro Eintritt. Das Eröffnungsspiel Russland gegen Saudi-Arabien am Donnerstag, 14. Juni, um 17 Uhr soll kostenlos gezeigt werden.