Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Kastration gegen das Elend

Veröffentlicht von Andrea Hempen am 12.02.2018.

Kreis Hildesheim - Nicht selten hat die Hildesheimer Tierheimveterinärin Anja Beschorner-Schulze 650 bis 700 Katzen im Jahr kastriert. 2017 waren es 500 Eingriffe – offenbar eine Auswirkung der Kastrations- und Kennzeichnungspflicht. Daran beteiligen sich jedoch nicht alle Gemeinden im Landkreis. Hildesheim, Sarstedt, Schellerten, Söhlde und Algermissen haben diese Pflicht in ihre Satzungen aufgenommen. Wer dagegen verstößt, muss mit einem Bußgeld rechnen.

Der Tierschutz Hildesheim schreibt in den nächsten Tagen die Gemeinden des Landkreises an und bittet die Verwaltungen um Unterstützung, wenn es um die Aufklärung über Katzenkastration geht. „Es kommt immer wieder vor, das Tierschutzmitarbeiter auf das Übelste beschimpft werden, wenn sie freilaufende Katzen zur Kastration einfangen“, berichtet Martina Dechant, Vorsitzende des Hildesheimer Tierschutzvereins. Sie hofft, dass die Gemeinden den Tierschutz unterstützen und die Einwohner sensibilisieren. Denn, die Kastration von Katern und Katzen sei im Sinne des Tierschutzes, um Inzucht, dadurch bedingte Krankheiten und Katzenelend zu verhindern.

Nach der OP wieder ins Revier

„Die Tierschützer haben uns überzeugt, dass das der richtige Weg ist“, sagt Axel Witte, Gemeindebürgermeister von Schellerten. In der Satzung der Gemeinde steht, dass Katzen, die draußen ihre Runde gehen dürfen, kastriert und gekennzeichnet werden müssen. „Als Katzenhalter im vorstehenden Sinne gilt auch, wer freilaufenden Katzen regelmäßig Futter zur Verfügung stellt“, steht ebenfalls in der Satzung. Damit übernehmen auch diejenigen eine Verantwortung, die herrenlose Tiere versorgen. Solche Menschen sucht der Tierschutz übrigens auch, wie Martina Dechant berichtet. Denn die Vierbeiner werden nach dem Eingriff wieder in ihr altes Revier gebracht. „Es wäre schön, wenn die Tiere dort versorgt würden, denn die wollen auch leben“, sagt Dechant. Die oft sehr wilden Katzen werden von Tierschützern in Lebendfallen gelockt. „Dafür sind Mitarbeiter eigens geschult worden. Privatleute dürfen keine Fallen aufstellen“, erklärt Martina Dechant.

Nach der Operation, die beim Weibchen 20 Minuten und beim Männchen 15 Minuten dauert, bleiben die Tiere noch einen Tag im Tierheim, um sich zu erholen. Entwurmt und gechipt werden sie wieder entlassen. Die Kosten dafür trägt das Tierheim. „Für den Eingriff der eigenen Hauskatze zahlt allerdings der Besitzer“, so Anja Beschorner-Schulze.

Kostenloses Angebot

Doch längst sei das kostenlose Angebot und der Appell des Tierschutzes noch nicht überall angekommen, bedauert die Tierärztin. So heißt es nicht selten, dass doch immer Mäusefänger gebraucht werden würden und einige Tiere sowieso nicht lange lebten, weil sie überfahren würden. Und die Katzenjungen, die nicht willkommen sind, werden auch heute manchmal noch ersäuft oder totgeschlagen. „Es ist frustrierend, dass sich solche veralteten Ansichten so lange halten“, klagt Beschorner-Schulze.

Auch das Land Niedersachsen sieht die Notwendigkeit, zu handeln. Die Zahl heimatloser und verwilderter Katzen hat erheblich zugenommen. Tierschützer gehen bundesweit von rund zwei Millionen streunenden Katzen aus. Niedersachsen will das Katzenelend mit einem Förderprojekt in Höhe von 100.000 Euro lindern. Maximal 10.000 Euro soll ein Tierheim bekommen können.

Um die Zahl der wildgeborenen Katzenjungen in diesem Jahr zu verringern, bittet der Tierschutz die Gemeinden jetzt um Hilfe. Nach nur 63 Tagen Tragzeit, könnte sonst schon die nächste Generation verwilderter Streuner auf die Welt kommen.

Meldungen und Termine für Kastrationen, sowie weitere Informationen gibt es im Hildesheimer Tierheim unter der Rufnummer 0 51 21 / 5 27 34.