Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Kinderpornografische Fotos auf Handy: 50-Jährigen verurteilt

Veröffentlicht von Renate Klink am 13.11.2017.

Hildesheim - Er ist einschlägig vorbestraft und wegen seiner pädophilen Störung bereits in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht gewesen. Dennoch hat er sich als Freigänger heimlich Fotos in einem Internetcafé beschafft. Darauf sind nicht nur Kinder in eindeutigen Posen zu sehen, sondern auch Vergewaltigungen. An die 600 solcher Bilder hat die Polizei im Februar 2016 auf seinem Handy und auf zwei USB-Sticks gefunden.

„Harte Bilder von teilweise noch sehr kleinen Kindern – da bleibt mir persönlich die Spucke weg“, sagt die Vorsitzende Richterin Astrid Brönstrup am Dienstag. Das Entsetzen ist ihr anzumerken. Diese Dateien hat sich der Mann angeschaut, sie aber nicht weiterverbreitet. Verurteilt wird der 50-Jährige zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten – auf Bewährung fünf Jahre lang. „Mit vielen Bauchschmerzen“, macht die Richterin deutlich. Eine Weisung, sich Kindern nicht nähern zu dürfen, hat der Mann ohnehin in den Führungsauflagen.

Als Kind im Heim missbraucht worden

Der kleine, auffallend hagere Angeklagte hat die Straftat unumwunden eingeräumt – zu erdrückend ist die Beweislast. Er ist in einem Heim aufgewachsen. Dort wurde er von einem älteren Schüler missbraucht. Aus dem Opfer ist dann ein Täter geworden, der sich ebenfalls an Mitschülern vergriff. Er sagt, früh gemerkt zu haben, dass er pädophil veranlagt sei – es auf kleine Jungen abgesehen habe.

Viermal ist der Mann inzwischen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt worden. Fast 13 Jahre hat er deswegen in einer geschlossenen Klinik im Maßregelvollzug verbracht, darunter auch im Ameos Klinikum in Hildesheim. Kurz vor seiner Entlassung war die Sache mit den kinderpornografischen Dateien aufgeflogen.

Er verbüßt derzeit Reststrafe

Der Mann mit Sonderschulabschluss weiß, dass er sich mitunter nicht im Griff hatte. Noch im Knast – er verbüßt derzeit noch eine andere Reststrafe – hat er sich eine persönliche Notbremse entworfen. Am ausgestreckten Arm präsentiert er sie der Kammer: eine Art Visitenkarte, sauber einlaminiert. Er nennt sie „Antischeißebau-Karte“. Darauf steht, was er nicht machen darf – und auch die Folgen für ihn. Die hält er sich vor Augen, wenn es ihn überkommt.

Pädophilie kann man nicht heilen, nur unter Kontrolle bekommen, verdeutlicht Psychiater Johannes Pallenberg. Ob das Betrachten von kinderpornografischen Bildern eher den Trieb kompensiere oder aber eine Vorlage für eigenes Handeln sei, das lasse sich nicht vorhersagen. In seinem Gutachten bescheinigt er dem 50-Jährigen eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit. Er halte auch Medikamente zur Triebminderung für einen möglichen Weg.

Urteil sofort angenommen

Das sei wegen seiner HIV-Infektion nicht möglich, entgegnet der Angeklagte. „Ich will sauber bleiben, ehrlich.“ Seine Entlassung aus dem Gefängnis ist bald, einen Job und ein Zimmer hat er in Aussicht. Das Urteil hat er sofort angenommen.