Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Kirchen sehen keinen Bedarf für Reform der Kirchensteuer

Veröffentlicht von dpa am 19.04.2019.

Hildesheim/Osnabrück - Im Gegensatz zum Bischof von Eichstätt sehen die katholischen Bistümer in Niedersachsen keinen Bedarf für eine Diskussion über die Kirchensteuer. „Das Kirchensteuersystem hat sich bewährt bei uns, und ich sehe nicht, dass wir ein besseres System der Kirchenfinanzierung bekommen können“, sagte der Finanzdirektor des Bistums Osnabrück, Joachim Schnieders.

„Aus Sicht des Bistums Hildesheim gibt es im Moment keine tragfähige Alternative zur Kirchensteuer“, sagte der Sprecher des Bistums Hildesheim, Volker Bauerfeld. Angesichts des demografischen Wandels und der Kirchenaustritte bestehe aber die Notwendigkeit, künftig die Ausgaben an die Einnahmen anzupassen. Das Bistum Hildesheim müsse sich daher von Immobilien trennen, weil nicht mehr alle Gebäude für die Seelsorge benötigt würden. Das betreffe Kirchen, Pfarrhäuser und Pfarrheime.

Aufgaben straffen

Auch Schnieders sagte, die Kirche müsse sich auf schrumpfende Mitgliederzahlen einstellen und darüber nachdenken, welche Aufgaben man straffen könne. „Das stellt aber nicht das Kirchensteuersystem grundsätzlich infrage“, betonte er. Dank der Kirchensteuer übernehme die Kirche auch viele Aufgaben für den Staat – als Betreiber von Schulen, Kindertagesstätten oder sozialen Beratungsstellen. Ohne Kirchensteuern müssten diese Dienste kirchlicherseits deutlich abgebaut werden. Auch wenn sich der Staat an der Finanzierung dieser Einrichtungen beteilige, übernehme die Kirche mit Hilfe der Kirchensteuer doch einen Großteil der Kosten.

Für die Evangelische Kirche in Deutschland sagte Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm, dass niemand unterschätzen sollte, wie viele segensreiche Aktivitäten für Kirche und Gemeinwesen insgesamt aufgrund der Kirchensteuer möglich seien. „Die Kirchensteuer ist eine historisch gewachsene Form des Mitgliedsbeitrags, für deren Einzug der Staat angemessen entlohnt wird“, sagte Bedford-Strohm. Mit der Kirchensteuer geschehe viel Segensreiches. „Und deswegen nutze ich jede Gelegenheit, um denen, die das mit ihrer Kirchensteuer ermöglichen, von Herzen Dank dafür zu sagen.“

168,7 Millionen Euro

Das Bistum Hildesheim nahm 2017 rund 168,7 Millionen Euro Kirchensteuern ein, die damit um 2,8 Prozent höher lagen als 2016. Das Bistum rechnet allerdings damit, dass sich die Zahl der Katholiken von derzeit 610 000 auf etwa 350 000 im Jahr 2050 verringern wird. Das Bistum Osnabrück kalkuliert in diesem Jahr mit Kirchensteuereinnahmen von rund 155 Millionen Euro. Derzeit hat das Bistum 550 000 Mitglieder, rechnet aber auch mit einem spürbaren Rückgang in den kommenden Jahrzehnten.

Der Bischof von Eichstätt, Gregor Maria Hanke, hatte kürzlich eine Debatte über die Zukunft der Kirchensteuer gefordert, weil spätestens in zehn Jahren die Kirchensteuereinnahmen einbrechen würden. Hanke brgündete dies mit einer großen Zahl der Kirchenaustritte und dem Bevölkerungsrückgang.