Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Rosenhang: Pächter für Kleingärten gesucht

Veröffentlicht von Norbert Mierzowsky am 10.07.2019.

Hildesheim - Es ist das blühende Leben: blühende Sommerblumen, sehr markant die gelben Nachtkerzen, einige Rosenbüsche, in Bodennähe Lavendel – und jede Menge Insektenarten. Und doch könnte die Kleingartenkolonie Rosenhang bald vor dem Aus stehen. Denn drei von vier Mitgliedern aus dem Vorstand sind überraschend zurückgetreten. Mehr als die Hälfte der insgesamt 37 Grundstücke sind nicht verpachtet. Und am Samstag, 20. Juli, soll ein neuer Vorstand gewählt werden. Doch ob das klappt, steht in den Sternen. Wenn nicht, dürfte das Ende der einstmals blühenden Gartenkolonie besiegelt sein.

Radovin Zips hält der Kolonie Rosenhang auch nach zehn Jahren Mitgliedschaft weiter die Treue. Er ist der zweite Vorsitzende, sozusagen der letzte aus dem Quartett. Und er will weitermachen und die Gartenanlage an der Goslarschen Landstraße am Leben erhalten.

Viel Arbeit

Der Eingang selbst sieht etwas verwunschen aus, man muss schon genau hinschauen, wenn man ihn finden will – kurz vor der Zufahrt zum Ameos Klinikum. Ein schnurgerader Weg führt durch die Anlage. Rechts und links liegen die Gärten, viele wirken wild überwuchert. Nur wenige entsprechen dem klassischen Bild eines gepflegten, streng gemähten Kleingartens mit einem gehörigen Anteil an Gemüse- und Obstanbau.

„Ja, man hat sicher viel Arbeit, wenn man hier neu anfängt“, sagt Zips. Deswegen bleibt einem auch die anfängliche Pacht erlassen. Derzeit sind das rund 20 Cents pro Quadratmeter, die Parzellen sind zwischen 350 und 400 Quadratmeter groß. „Wir sind hier nicht so streng“, sagt Zips, der begeistert aufzählt, wie viele verschiedene Insektenarten mittlerweile am Rosenhang heimisch sind. Unter anderem seltene Wildbienen-Arten, viele Falter, aber auch Vögel, die reichlich Unterschlupf für ihre Nester in den Sträuchern und Hecken finden.

„Idealer Naturgarten“

„Wenn man so will, haben wir hier den idealen Naturgarten“, wirbt Zips um Interessenten. Die Auswahl ist groß. Der Verein stellt gegen eine geringe Miete benzinbetriebene Gartengeräte zur Verfügung.

Doch zuvor geht es eben um die Zukunft des Vereins der Gartenfreunde Rosenhang. Wenn gleich drei Mitglieder aus dem Vorstand zurücktreten, alle aus der gleichen Familie, wird es für Zips sicherlich nicht einfach, um Nachwuchs zu werben. Das weiß er auch selbst. Aber er ist zuversichtlich: „Wir haben hier auch Mitglieder, die nicht verpachtete Nachbargärten mitpflegen.“ Und am Ende bleiben wenige Mitglieder auf den gesamten Kosten hängen. Seit kurzem muss pro Laube zusätzlich 30 Euro Jahresbeitrag für eine spezielle Versicherung gezahlt werden. Hat eine Gartenkolonie zu wenige Mitglieder, wachsen ihr am Ende die Kosten über den Kopf.

Ohne Vorstand, kein Verein mehr

Über die Situation ist der Bezirksverband der Gartenfreunde Hildesheim, die Dachorganisation und Vertretung gegenüber der Stadt als Eigentümerin der Flächen, informiert. Vorsitzender Hans-Joachim Handelmann trifft sich regelmäßig mit Vertretern der Stadt, um über laufende Entwicklungen zu beratschlagen. In der Vergangenheit war das beispielsweise die Verlegung der Anlage Ortsschlump, deren Vereinsmitglieder nun einige Gärten der Kolonie Am Wellenteich übernommen haben. „Ohne Vorstand kann es auch keinen Verein mehr geben“, sagt Handelmann.

34 Kleingartenvereine unter einem Dach

Der Bezirksverband Gartenfreunde Hildesheim vertritt derzeit 34 Kleingärtnerverein, die rund um das Stadtgebiet Hildesheim verteilt sind. Instesamt sind es rund 4000 einzelne Gärten, von denen derzeit rund 5 Prozent leerstehen, das heißt neu verpachtet werden können – also 200 Parzellen. Das klingt wenig, kann aber trotzdem dazuführen, dass vor allem kleinere Vereine beispielsweise durch eine hohe Altersstruktur bei den Mitgliedern einen relativ hohen Leerstand haben. Die Folge: Immer weniger Kleingärtner müssen sich die Gesamtkosten teilen. Dazu zählt in Hildesheim seit kurzer Zeit eine Pauschale für eine Laubenversicherung. Die wurde eingeführt, weil es in der jüngsten Vergangenheit immer wieder Fälle von Brandstiftungen gegeben hat. Informationen über freie Parzellen, alle Vereine und die Lage der Anlagen gibt die Homepage www.hildesheimer-gartenfreunde.de. Angeboten wird auch eine Fachberatung.