Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Krisenherd Europa

Veröffentlicht von Norbert Mierzowsky am 09.09.2018.

Hildesheim - Es ist die Spezialität des Hildesheimer Uni-Professors Michael Gehler Europas Probleme anschaulich zu machen. Und eine Herzensangelegenheit. Der gebürtige Österreicher richtet eine neue Reihe der Europagespräche aus, die Themen wie Brexit, das amerikanisch-europäische Verhältnis, den Terrorismus, aber auch die im Mai 2019 anstehende EU-Parlamentswahl in den Fokus nimmt.

Dass die Themen dabei auf den ersten Blick eine scheinbar willkürliche Reihenfolge haben, liegt vor allem daran, dass Gehler bei der Auswahl der Referenten zum einen auf Insider Wert legt. Wie am 14. Januar, wenn Ralph Thiele über Deutschland und Europa im Fokus des internationalen Terrorismus spricht. Er ist unter anderem Leiter der Politisch-Militärischen Gesellschaft Berlin. Dazu passt auch der Vortrag von Gunther Hauser von der Landesverteidigungsakademie in Wien, der am 3. Dezember über die Frage einer Verteidigungs-Union für Europa spricht. Eine Frage, die gerade auch der US-Präsident Donald Trump durch seine Politik enorm anheizt.

Probleme mit dem Euro

Aber auch die Machtspiele hinter den Kulissen der EU sowie der Euro zählen zu den heißen Eisen, die Gehler in den Diskussionen zu den Vorträgen aufgreifen wird. Bevor im Mai 2019 europaweit neu gewählt wird, werden bereits hinter den Kulissen zentrale Positionen neu verteilt. Und das mitten in den Brexit-Verhandlungen, deren Abschluss bevorsteht. Mit allen Folgeproblemen. Am 4. Februar wird der britische Kenner der Materie Ian King, wenige Wochen vor der Brexitentscheidung, einen Ausblick in Hildesheim vornehmen.

Den Auftakt der Europagespräche übernimmt wiederum ein Finanzexperte. Hans Reckers spricht am 8. Oktober über „Probleme mit dem Euro“. Reckers war unter anderem Finanzstaatssekretär und im Vorstand der Deutschen Bundesbank. „Wir haben etwa alle zehn Jahren eine schwere Finanzkrise“, sagt Gehler. „1987 hat es gekracht, 1998 kam der Immobilien-Crash, 2008 die Bankenkrise, was passiert 2018/19?“, fragt der Historiker.

Ende der Imperien

Dass die Probleme der europäischen Gemeinschaft auch geschichtliche Ursachen haben, ist für ihn klar. Welche, will er dem mittlerweile gewachsenen Zuhörerkreis der Europagespräche vermitteln. Dazu gibt es eine Reihe von Vorträgen, die die Übergangszeiten vor und nach dem Ersten Weltkrieg beleuchten. „Mit dem zaristischen Russland, dem deutschen Kaiserreich, den Habsburgern und dem osmanishen Reich sind gleich vier Imperien zusammengestürzt“, sagt Gehler. Was unter anderem auch zur Ausbreitung von Nationalismen geführt habe.

Und internationalen Terrorbewegungen. Was Europa beispielsweise zur Rettung des zerstörten afghanischen Kulturerbes beitragen kann, erläutert die Leiterin des Roemer- und Pelizaeus-Museums (RPM) am 5. November. Dieser Vortrag steht auch im Rahmen einer Ausstellungsreihe des RPM „Weltkulturerbe in Gefahr“, die mit dem Fokus auf Afghanistan am Freitag, 21. September eröffnet wird.

Programm online

Insgesamt sind es dieses Mal 17 Veranstaltungen, in der Regel montags Abends um 18 Uhr im Riedelsaal der VHS. Aber es gibt einige Ausnahmen. Das Programm wird in Kürze unter www.uni-hildesheim.de stehen. Beginn ist am 8. Oktober im Kennedydamm.