Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Kulturfabrik sieht erleichtert in die Zukunft

Veröffentlicht von Martina Prante am 10.09.2019.

Hildesheim - Die finanzielle Grundausstattung der Kulturfabrik – wie auch anderer Initiativen innerhalb der Freien Kulturszene – hat einen gehörigen Nachholbedarf. „Hier geht es nicht um einige Euros mehr – es geht um eine Verdoppelung der Förderungen beziehungsweise einem Anteil von zehn Prozent des städtischen Kulturhaushaltes – also um eine Neubewertung der Freien Szene insgesamt“, formuliert Stefan Könneke, mit Stefan Wehner Geschäftsführer der Kulturfabrik Löseke. Deshalb ist er erleichtert, in der Sparkasse Hildesheim Goslar Peine einen Unterstützer aus der Wirtschaft gefunden zu haben: 20 000 Euro fließen jetzt in die Strukturen der Kulturfabrik.

Dank der 20 000 Euro-Spende „kommen wir dieses Jahr über die Runden“, erklärt Könneke. Das Geld von der Sparkasse ist nicht projektorientiert, sondern dient „zur Sicherung des kreativen Grundrauschens“, wie Vorstandsvorsitzender Jürgen Twardzik formuliert. „Die Lebendigkeit einer Stadt definiert sich nicht nur über eine große Anzahl von Events und Festivitäten, es braucht dieses kreative Grundrauschen, an dem viele Menschen beteiligt werden, das sich sichtbar und erlebbar im Alltag zeigt“, formuliert Twardzik.

Motivation erwünscht

Mit der Spende hat die Kulturfabrik insgesamt – wie ursprünglich beantragt – in diesem Jahr 250 000 Euro zur Verfügung. Die Mitarbeiter „leistungsgerecht zu vergüten und damit zu motivieren“, wie es sich Stefan Wehner gewünscht hat, „das klappt aber auch in diesem Jahr noch nicht“.

Seit 1992 bietet das ehemalige Papierlager am Langen Garten Theater, Musik, Workshops und soziokulturellen Projekten eine Heimat. Sechs Jahr später hat die Stadt Hildesheim angefangen, die Arbeit der Kufa finanziell zu unterstützen, damals mit 50 000 Mark. Bis Ende vergangenen Jahres war der Investitionskostenzuschuss auf 200 000 Euro angestiegen.

Doch auch das reichte nicht und der Kufa drohte zum Jahreswechsel die Insolvenz. Dank der Verhandlungen mit dem Land, innerhalb des Zukunftsvertrags bei einem Jahresüberschuss von zwei Millionen Euro weitere 500 000 Euro an freiwilligen Mitteln ausschütten zu dürfen, hat sich der Betrag Ende 2018 dann (anteilig) um 30 000 Euro erhöht. „Niedriger als erhofft“, gesteht Könneke. Deshalb ist er froh über die Hilfe aus dem Bereich der Wirtschaft. Aber weil der Zukunftsvertrag noch bis 2023 gelte, „bleibt das eine Zitterpartie“. Mit Politik und Verwaltung laufen allerdings aktuell konstruktive Gespräche in dieser Richtung.

Personal größter Kostenfaktor

Das Haushaltsvolumen der Kufa beträgt jährlich fast eine Million Euro, das Personal stellt den weitaus größten Kostenfaktor dar. 60 000 bis 65 000 Besucher zwischen 14 und 82 Jahren – rechnet man Kindertheater und den Computerkurs 60+ mit – besuchen rund 800 Kufa-Veranstaltungen pro Jahr. 15 Festangestellte und 30 bis 35 freie Mitarbeiter kümmern sich um den reibungslosen Ablauf im soziokulturellen Zentrum.

Könneke ist erleichtert über die neuen Perspektiven: „Wir wollen 2025, also wollen wir mehr miteinander reden“, bezieht er sich auf die Bewerbung Hildesheims zur Kulturhauptstadt Europas 2025. Und es gebe klare Zeichen aus Politik und Verwaltung „dass da was passiert“.

Stefan Könneke ist überzeugt: „Die Kulturlandschaft wird sich verändern.“ Als erstes müsse die gesamte Freie Szene neu bewertet werden: Wozu wird sie gebraucht? „Wir übernehmen gesellschaftsrelevante Aufgaben und erwirtschaften kein Geld, sondern gesellschaftliche Effekte“, formuliert er für die Kufa. Die Freie Szene und die Kulturfabrik werden mit Blick auf die Kulturhauptstadt-Bewerbung „eine richtig wichtige Rolle spielen“, ist der Geschäftsführer überzeugt. Es gehe um Bürgerbeteiligung und aktive Einbindung von Menschen. „Die Freie Szene verfügt über die Kontakte, um solche Beteiligungsformate zu erstellen.“

Zum Beispiel, um Hildesheim zu einem Ort zu machen „wo es Spaß macht zu leben“, findet Sparkassen-Vorstand Jürgen Twardzik. Er versteht die Kufa als Ort für Kreativität, „das überträgt sich auf die Stadt“. Mit der Spende wolle man der Institution sowohl Anerkennung zollen als auch ein Signal setzen.