Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Landkreis fordert Abriss von privatem Pferdestall

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 13.03.2018.

Heisede - Es schien gut anzulaufen im Spätsommer 2014. Jürgen Abraham und Martin Schneider kaufen zwei Pferde, Peggy und Danilo, beide etwa 20 Jahre alt. „Damit die Kinder nicht nur drinnen sind, sondern etwas lernen: Verantwortung, Tierliebe und Stallpflege“, sagt Abraham. Damit Peggy und Danilo nicht im Regen stehen, planen die beiden Männer den Bau eines Stalls. Das Grundstück von Abraham scheint prädestiniert: Mit fast 1000 Quadratmetern Fläche haben die Pferde genug Auslauf, und da es ein Endgrundstück am Rande des Dorfes ist, kann sich eigentlich niemand gestört fühlen. Ein Anruf beim damaligen stellvertretenden Bauamtsleiter der Stadt Sarstedt, Reiner Oppermann, der grundsätzlich sein Einvernehmen erklärt, genügt ihnen: Sie reichen den Antrag beim Landkreis ein und beginnen mit dem Bau. 11 000 Euro für Material sowie mehrere Freunde und Bekannte aus dem Dorf sind nötig, um den Holzstall innerhalb einiger Wochen hochzuziehen.

Entwertet die benachbarten Grundstücke

Dann der Rückschlag: Der Kreis spricht sich gegen den Bau aus. Abraham und Schneider sollen keine Pferde halten, das würde die benachbarten Grundstücke entwerten. Abraham lässt den Stall im aktuellen Baustadium. Nach aktuellem Stand muss er abgerissen werden. Als im Frühjahr 2015 im Ort ein Transformationshaus ersetzt wurde, entdeckten Prüfer bei der Ortsbegehung den halbfertigen Stall – kurze Zeit später flatterte die Aufforderung zum Abriss ins Haus. Durch die folgenden Monate und Jahre ziehen sich Schreiben, Aufforderungen und Mahnungen. Schneider und Abraham starten eine Umfrage unter den Nachbarn, holen Unterschriften und Einverständniserklärungen ein. Das Ergebnis: Niemand im näheren Umkreis des Hauses hat etwas gegen den Stall einzuwenden, im Gegenteil. Einige Kinder aus der Gegend nutzen sogar den Stall und die Pferde mit, reiten und spielen dort.

Auf Nachfrage gibt der Landkreis als Grund nur noch eine Verletzung des Bebauungsplanes an und die Verfehlungen bezüglich der Planung, da keine offizielle Baugenehmigung eingeholt wurde.

Frist bist zum 31. August

Mit dieser Entscheidung haben sich auch Abraham und Schneider inzwischen weitgehend abgefunden. Über 800 Euro Mahngebühren haben sie schon bezahlt. Auch ihr Anwalt rät, auf die Forderungen des Kreises einzugehen und den Stall zu entfernen. Tun sie das nicht bis zum 31. August, schickt die Stadt ein Abrissunternehmen – und die Rechnung an die Eigentümer. Um weiteren Strafen zu entgehen, haben sie dem zugestimmt, wenn auch nur schweren Herzens: „Kein Mensch hat etwas dagegen, außer den Behörden in einer anderen Stadt.“