Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Lastenrad wird zum Transporter für Schokolade

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 19.04.2019.

Hildesheim - Vor erst zwei Wochen hat der Lastenrad-Verleih „Hilde” des ADFC Hildesheim den Betrieb aufgenommen – und ist in dieser Zeit schon zu einer kleinen Erfolgsgeschichte geworden. An vier Stationen in der Stadt können Lastenräder mit und ohne Elektro-Antrieb kostenlos ausgeliehen werden, zwei weitere Räder sollen in den nächsten Wochen dazukommen.

Viele Hildesheimer hätten offenbar auf ein solches Angebot gewartet, berichtet Tinka Dittrich, Initiatorin und Leiterin des Projekts. „Seit wir gestartet sind, haben sich über 100 neue Nutzerinnen und Nutzer angemeldet.” Besonders die Räder mit E-Antrieb seien beliebt und für die kommenden Wochen fast restlos ausgebucht. „Ich freue mich natürlich und bin auch ein bisschen überrascht”, so Dittrich. Schließlich sei die Anschaffung von gleich sechs Lastenrädern „sportlich” gewesen. Doch der Bedarf scheint groß zu sein.

Passanten sind begeistert

Martina Latus-Menekse hat ein Lastenrad mit E-Antrieb für zwei Tage ergattert und ausgiebig getestet – zusammen mit ihren beiden kleinen Töchtern. Die zweijährige Leyla sitzt angeschnallt neben ihrem Stoffhasen auf der Bank in der Lastenkiste des Rads. Ihr gegenüber ist eine Babyschale befestigt, in der ihre kleine Schwester Alva schläft. „Beim Fahren schlafen die Kinder abwechselnd ein”, berichtet Latus-Menekse schmunzelnd. Zwei Tage lang war sie mit dem Lastenrad unterwegs, hat Einkäufe transportiert und Ausflüge in die Umgebung unternommen. „Den E-Antrieb habe ich ein bisschen überschätzt” gibt sie zu. „Das ist schließlich kein Moped.” Längere Touren mit voller Beladung könnten schon anstrengend werden. „Aber ich finde das Angebot super und werde es bestimmt noch öfter nutzen.” Für sie sei der Verleih eine gute Alternative zum eigenen Lastenrad.

Zu den ersten Nutzern des Verleihs gehört auch Jannik Mundhenk. Er hat das E-Lastenrad mit dem Namen „Hildegard” ausgeliehen, um Einkäufe beim Baumarkt und im Supermarkt zu unternehmen. Blumenerde, Pflanzen und Getränkekisten hat er mit dem Fahrrad transportiert. „Das hat gut funktioniert. Aber ein bisschen ungewohnt ist es am Anfang schon, weil das Vorderrad so weit entfernt ist”, berichtet er. Auch Schlaglöcher und zugeparkte Radwege seien mit dem großen Fahrrad besonders störend. Dafür sind „Hildegard” und die anderen Lastenräder offenbar echte Publikumsmagnete auf der Straße. „Besonders ältere Leute haben mich oft auf das Fahrrad angesprochen.”

Anmeldungen sind hier möglich

Den Verleih der Lastenräder organisieren Einzelhändler, die sich als Ausleihstation angeboten haben. Die vier Räder, die schon in Betrieb sind, können bei den Edeka-Märkten in der Frankenstraße und am Marienburger Platz, bei Denn’s Biomarkt in der Alfelder Straße und im Naturkostladen „Knolle” in der Goschenstraße ausgeliehen werden. Knolle-Inhaber Thomas Räbiger hat sich schon früh bereiterklärt, ein Lastenfahrrad zu betreuen. „So etwas passt zu unserem Thema als Ökoladen”, findet er. So hat das Lastenrad mit dem Namen „Irmhilde” bei ihm ein Zuhause gefunden. „Wird das Rad abgeholt, gehe ich mit raus und gebe noch ein paar Tipps zum Fahren”, erzählt Räbiger. Fast jeden Tag werde das Lastenrad ausgeliehen. Trotzdem sieht er noch Potenzial für mehr Nutzer. Denn momentan können die Lastenräder nur tageweise reserviert werden. Tinka Dittrich hat sich bewusst dazu entschieden, kein stundenweises Ausleihen zu ermöglichen. „Das würde die Ausleihstationen überlasten”, glaubt sie. Dafür sollen noch zwei weitere Stationen dazukommen. Das Café Kunterbunt in der Küsthardtstraße will den Verleih in den kommenden Wochen testen.

Neue Nutzer können sich über das Portal hilde-lastenrad.de anmelden und Lastenräder reservieren. Der Verleih ist kostenlos, die Nutzer werden um Spenden gebeten.

Lastenrad auf Schokofahrt

In der kommenden Woche geht Tinka Dittrich mit dem Lastenrad „Hildegard” auf eine ganz besondere Fahrt: Sie holt eine Ladung Schokolade aus Hameln nach Hildesheim. Damit übernimmt sie eine Etappe der „Schokofahrt”, die seit 2017 privat von Fahrrad-Enthusiasten organisiert wird. Der Kakao der transportierten Schokolade wird in der Karibik ökologisch angebaut und dann emissionsfrei mit einem Segelschiff nach Amsterdam gebracht. Dort wird er zu Schokolade verarbeitet und mit Lastenrädern bis nach Berlin und Wien gefahren. Mit der riesigen Tour wollen die Lastenradfahrer für nachhaltige Mobilität werben. Als Projektleiterin des Lastenrad-Verleihs „Hilde” will Dittrich nun die besondere Schokolade auch nach Hildesheim bringen und fährt auf der Etappe Hameln-Wolfenbüttel mit. „Als ich 2017 von der Schokofahrt gehört habe, hat mich das in Hochstimmung versetzt”, erinnert sie sich. „Nun freue ich mich sehr darauf, erstmals mitzufahren.” Die „Schokofahrer” werden am Mittwoch, 24. April, zwischen 11 Uhr und 11.30 Uhr am Naturkostladen „Knolle” in der Goschenstraße eintreffen und Schokolade direkt vom Lastenrad verkaufen.