Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Jazztime: Zur Krönung am Samstag eine Legende am Saxofon

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 08.06.2019.

Hildesheim - Stürmischer Auftakt: Der Wind lässt Cowboyhüte abheben und schubst LED-Leuchter um. Doch das Publikum kann er nicht davon wehen: Bei vorwiegendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen dürfen sich die Zuhörer am ersten Jazztime-Tag durch verschiedene Genres hören. Programmplaner Achim Mennecke hat ein geschicktes Händchen bewiesen:

Australierin Lauren Lucille lebt in London, dort hat sie auch Matti Müller kennen gelernt, mit dem sie Samstag die Jazztime eröffnet hat.

Mit den Hildesheimer Swing-Experten The Milltones und dank Lauren Lucilles schöner Stimme wird die Stimmung schon am frühen Nachmittag angenehm aufgewärmt und so manches Lindyhop-Tanzpaar zeigt seinen wunderbar weichen Tanzstil.

Bildergalerie: Jazztime 2019 -

Das ändert sich schlagartig mit der neunköpfigen Reggae- und Dancehallband Banda Senderos aus Essen.

Tanzen mit Banda Senderos

Banda Senderos

Full Power: Banda Senderos überträgt die Energie von der Bühne auf die Zuhörer. Für die neun Musiker aus Essen ist di ebühne technisch aufgerüstet worden, wie Jazztime-Organisator Waldemar Lorenz ankündigt. Und das kann man auch hören.

Übersicht: Wer spielt wann bei der Jazztime? -

Dancehall, Reggae und HipHop gehen einen kraftvollen Pakt miteinander ein. Die Menge vor der Bühne fängt sofort an zu tanzen. Ein satter Bläsersound unterstützt die beiden Sänger Sebastian Campos-Schwermann und Dan Brown, die auch während der Songs zwischen den Sprachen wechseln: deutsch, spanisch, englisch, französisch und sogar die afrikanische Sprache Lingála sind zu hören. Ein ungewohnter Sound zur Jazztime - doch er funktioniert. Rhythmus pur. Das Publikum tobt.

Zum Open-Air-Schluss wird’s draußen rockig

Und noch ein radikaler Stilwechsel: Zum Abschluss betreten die Salty Mountain Boys mit Cowboyhüten und Krokostiefeln die Bühne. Das Publikum wechselt, so manche Zuhörerin erweist sich als Fan und absolut textsicher. Und auch Countrymusik mit Blues-, Soul- und Rock’n’Roll-Elementen hat ausreichend Fans: Der Raum vor der Bühne bleibt voll. Und die Salty Mountain Boys um Frontman Armin Balkenholl können überzeugen: satter Sound. Vor allem „Blue days – dark nights“ und „Don’t let me go“ von der neuen Scheibe des Quintetts bleiben im Ohr.

Gala Nummer 1: „Wie auch immer…

Stehender, tosender Applaus, anhaltender Jubel, einfach restlose Begeisterung – so ging die erste Jazztime-Gala im Stadttheater zu Ende. Vorher hatten die deutsche Musikikone Klaus Doldinger und seine Band „Passport“ gut 120 Minuten lang hervorragenden, zeitlosen Rockjazz serviert. Aber nicht nur in Sachen Handwerk gab es nichts auszusetzen an diesem Konzert, auch die Unterhaltung kam nicht zu kurz.

Saxofonist und Bandleader Doldinger selbst sorgte mit in Erzählungen abdriftenden Moderationen ein ums andere mal für gute Stimmung, bevor es mit einem regelmäßigen „wie auch immer…“ in die nächste Nummer ging. Der sympathische, mittlerweile 83-Jährige hatte das Publikum voll im Griff, glänzte selbst an seinen Blasinstrumenten und stellte seine fantastische Band immer wieder selbstlos und unaufgeregt in den Mittelpunkt. Ein uneingeschränkt großartiger Abend.