Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Lebensgefahr für Kinder? Appell sorgt für Aufsehen

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 16.05.2018.

Hildesheim - Sultan Alikaan ist aufgebracht. Der 37-jährige Hildesheimer schaut von seinem Arbeitsplatz in einem Imbiss an der Steuerwalder Straße direkt auf die Querungshilfe vor dem Eingang zum Friedrich-Nämsch-Park. „Ich sehe täglich, wie Kinder knapp am Tod vorbeischlittern“, sagt er. Mehrere 100 Kinder seien hier jeden Tag unterwegs, berichtet er. Direkt am Eingang zum Park liegt das Kinder-und Jugendhaus der Stadt, dahinter ein Spielplatz, auf der anderen Seite die Kita St. Johannes. Am vergangenen Wochenende sei hier an der Steuerwalder Straße ein radfahrendes Kind von einem Auto angefahren worden, ein anderes überquerte zu Fuß die Straße, als es von einem Auto touchiert wurde. Die Polizei wurde in beiden Fällen nicht gerufen, Alikaan kann aber beide Unfälle mit Videos dokumentieren.

Am Montag machte sich Alikaan, selbst Vater von fünf Kindern, in einem Facebook-Post Luft und forderte einen Zebrastreifen für diese neuralgische Stelle oder wenigstens ein Hinweisschild auf querende Kinder. Er bekam viel Zuspruch, eine Online-Petition wurde von mehr als 200 Menschen unterstützt.

So reagiert die Stadt

„Ich versuche schon lange, auf dieses Thema aufmerksam zu machen“, sagt Alikaan. Er habe der Stadt sogar angeboten, auf eigene Kosten Warnschilder aufzustellen, aber dies dürfe er nicht, das sei ein Eingriff in den Straßenverkehr.

Diesmal hat die Stadt schnell reagiert: Bereits am Mittwoch schaute die kleine Verkehrskommission, bestehend aus Mitarbeitern der Stadt und der Polizei, auf ihrer wöchentlichen Tour dort vorbei. „Es ist uns nicht bekannt, dass es sich um einen Gefährdungsschwerpunkt handelt“, sagt Polizeipressesprecher Christoph Rohrmann danach, es seien in letzter Zeit keine Unfälle dort gemeldet worden. „Gleichwohl wird die geschilderte Situation von der Stadt ernst genommen“, ergänzt Dr. Helge Miethe, Sprecher der Stadt. Man werde Fahrradbügel in direkter Nachbarschaft der Querungshilfe aufstellen. Damit wolle man verhindern, dass auf einem Streifen an der Steuerwalder Straße Autos parken, die die Sicht auf die Straße behindern.

„Ich bin enttäuscht“

Auf die Frage nach Hinweisschildern verweist Miethe auf die Plakataktion des Radiosenders ffn, an der die Stadt sich beteiligen wolle. Man prüfe, wo vor Ort ein solches Schild mit der Aufschrift „Achtung Kinder“ aufgehängt werden könne.

„Ich bin enttäuscht“, sagt Sultan Alikaan, als er vom Ergebnis der Prüfung erfährt. „Damit ist das Problem nicht gelöst“, meint der Nordstadt-Bewohner. Besonders schade findet er, dass die Kommission nicht mit ihm gesprochen hat. „Es hieß, sie kommen ab halb 9, ich habe gewartet“, sagt er. Getroffen haben sich die Behörden und der Anlieger am Mittwochmorgen aber nicht.

Zebrastreifen, Tempo drosseln – was kann man für die Sicherheit tun?

Für die Errichtung eines Zebrastreifens ist laut der Stadt Hildesheim eine gewisse Frequenz von Fußgängern und Autofahrern erforderlich, die an der Steuerwalder Straße nicht erreicht werde.

Das Verkehrszeichen „Kinder“ dürfe nur aufgestellt werden, wenn die Gefahr besteht, dass Kinder häufig auf die Fahrbahn laufen. An der Steuerwalder Straße seien Metallstangen auf dem Weg aus dem Park und der Querungshilfe Sicherungen vorhanden, die ein ungesichertes Betreten der Fahrbahn verhindern können.

Eine Geschwindigkeitsreduzierung komme nur bei einer außergewöhnlichen Gefahrenlage in Betracht, die hier nicht vorliege. Die Zahl der Unfälle sei seit Jahren unauffällig.