Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Licht und Laser verwandeln die Andreaspassage

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 09.09.2019.

Hildesheim - Die Andreaspassage wird am Samstag nicht wiederzuerkennen sein. Schaufensterfronten und Galerien werden mit schwarzem Bühnenstoff abgehängt sein, der ganze Raum wird von Licht, Videos und Klängen erfüllt. „Kontaktlinien 2.0“ nennt das Atelier Licht.n.Stein einen Licht- und Medien-Kunstabend mit dem Untertitel „Netzwerke“, der parallel auch im WUK Theater Halle läuft. Das Internet macht’s möglich.

Seit dem Frühjahr ist das Künstlerpaar Lucy Schreiber und Lito Bürmann mit den Vorbereitungen für das ehrgeizige Projekt beschäftigt. Musiker, DJ`s, Tänzerinnen und Schauspielerinnen inspirieren einander gegenseitig, angeregt durch Schreibers und Bürmanns Lichtkreationen. Und das über eine Entfernung von 156 Kilometern Luftlinie hinweg.

Lounge-Musik und Websonate

„Es fängt ganz ruhig an mit Lounge-Musik“, sagt Lucy Schreiber – DJ T.V. Kiefer legt ab 18 Uhr auf. Auf einer großen Leinwand sind unterdessen Videos zu sehen, die Lito Bürmann mit der GoPro-Kamera bei Radtouren durch Halle und Hildesheim aufgenommen hat.

Das Hauptprogramm startet um 19.30 Uhr. Nicole Tröger, Schauspielerin und Leiterin des WUK Theaters, übernimmt die Moderation. Außerdem wirkt sie bei einer experimentellen Lesung mit: „Websonate“ ist ein Gedicht von Lucy Schreiber, dessen Text nur aus Begriffen der Programmiersprache besteht. Neben Nicole Tröger liest Samuel Beutler, der von Halle aus zugeschaltet ist.

Beutler, ein Künstler aus dem Münsterland, steuert auch eine Klavierimprovisation bei. Die Klänge aus Halle stimulieren Bürmann und Schreiber zu einer Live-Licht-Show mit Lasern, beweglichen Scheinwerfern und Videosequenzen. Die Show wird abgefilmt und nach Halle übertragen, um dort ihrerseits die Klaviermusik zu beeinflussen. Eine Art Doppel-Feedback.

Tanz-Duo auf der Leinwand

Ähnlich funktioniert eine Tanzperformance, bei der Beatrice Cordier in der Andreaspassage auftritt und Alica Khaet im WUK Theater – auf der Leinwand sollen die beiden zueinanderfinden. Der spannende Faktor dabei ist die sogenannte Latenz: Das Hildesheimer Videosignal kommt mit anderthalb bis zwei Sekunden Verzögerung in Halle an (und umgekehrt). „Wir haben viel ausprobiert“, sagt Lito Bürmann und ist mit dem Ergebnis zufrieden: „Ein Facebook-Livestream hat eine halbe Minute Versatz.“

Auf dem Programm steht auch ein gemeinsamer Auftritt von DJ Papu und Mehmet Cetik: Fluffige Electro-Sounds treffen auf Musik, die Cetik auf Instrumenten aus aller Welt spielt. Die DJ’s Extennisspieler in Halle und Bungee Music in Hildesheim komplettieren die Künstlerriege.

„Wir rennen nur offene Türen ein“

Lito Bürmann und Lucy Schreiber sind begeistert von der Unterstützung, die sie in der Andreaspassage bekommen: „Wir rennen hier nur offene Türen ein.“ Zwei leerstehende Ladenlokale dürfen sie als Garderobe und als Produktionsbüro nutzen, die Betreiberinnen benachbarter Geschäfte helfen mit oder öffnen extra zu Zeiten, in denen sie sonst geschlossen haben – wie das Café gegenüber der Galerie Licht’n’Stein. „Bei aller Technik: Sowas macht analog richtig Spaß“, freut sich Bürmann.

Die Veranstaltung am Samstag, 14. September, beginnt um 18 Uhr. Der Eingang ist nur vom Andreasplatz aus möglich. Vorverkaufstickets gibt es in der Eisboutique in der Andreaspassage für 10 bis 12 Euro, für Kinder bis zum Alter von 12 Jahren ist der Eintritt frei.