Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Matilda kickt mit acht Jahren schon in der U15 des VfV 06

Veröffentlicht von Thorsten Berner am 10.09.2019.

Hildesheim - Als Björn Matz seine achtjährige Tochter Matilda das erste Mal zum Fußballtraining brachte, wunderte er sich ein wenig. „Die waren alle viel größer und älter als Matilda“, erzählt er. „Na ja“, dachte ich. „Die Kleinen werden schon noch kommen. Aber es kamen keine ...“

Matilda ist mit Abstand die jüngste Spielerin bei den U15-Juniorinnen des VfV Borussia 06 Hildesheim. „Das macht aber gar nichts“, sagen die Trainer Dennis Deiterding und Ralf Ehlers. Matilda sei sehr talentiert und technisch schon besser als einige 14-Jährige.

Ihr Talent hat auch Turhan Ciblak gleich erkannt. Er ist der Chefbetreuer bei den VfV-Juniorinnen und hat eine Fußball-AG in der Grundschule Alter Markt geleitet. Da war auch Matilda dabei. Ciblak war erstaunt, was die Achtjährige technisch schon drauf hatte und lud sie zum Vereinstraining ein.

Respekt wird groß geschrieben

Björn Matz und Mutter Alexandra Gomez hatten nichts dagegen. „Man hat gleich gesehen, wie viel Spaß Matilda hatte“, erzählt der Vater. „Auch wenn die anderen viel größer waren.“ Das sei durchaus so gewollt, erklärt Turhan Ciblak. „Im Vergleich mit den älteren Spielerinnen lernen die Jüngeren, sich durchzusetzen.“ Ciblaks Tochter Elif stimmt ihm zu: „Ich habe sogar schon mit fünf Jahren bei den Großen mitgespielt.“ Heute zählt Elif zu den Leistungsträgerinnen im U15-Team, das die Gegner in der Kreisliga fast nach Belieben beherrscht. Meist geht es zweistellig aus. „Deshalb nehmen wir auch öfter an Turnieren mit stärkeren Mannschaften teil“, erzählt Turhan Ciblak. „Die Mädchen müssen schließlich auch das Verlieren lernen und jeden Gegner respektieren.“

Auch untereinander werde Respekt groß geschrieben, ergänzt Ehlers. „Wir sind eine Multi-Kulti-Truppe mit Mädchen zwischen acht und 15 Jahren sowie unterschiedlicher Herkunft.“ Trotzdem oder gerade deshalb sei das Zusammengehörigkeitsgefühl sehr ausgeprägt.

„Dieses Miteinander gefällt mir sehr“, sagt Björn Matz. Er gibt zu: „Am Anfang habe ich schon etwas gezuckt, als da plötzlich eine 15-Jährige mit Matilda in den Zweikampf ging. Aber wenn es vielleicht mal etwas zu ruppig wird, wird sie von ihren älteren Mitspielerinnen geschützt.“

Außerdem macht Matilda ihre körperliche Unterlegenheit durch ihr erstaunliches spielerisches Können wett. Das zeigt sie auch im Training. Beim Slalom durch den Stangenwald führt sie den Ball eng am Fuß. Sie ist wendig, schnell und spielt beidfüßig. „Im letzten Spiel habe ich mein erstes Tor geschossen“, erzählt sie stolz.

Zweimal in der Woche trifft sich die Mannschaft zum Training. „Auch in den Ferien bieten wir Übungen an“, berichtet Trainer Deiterding. „Auch wenn nur zwei oder drei Mädchen kommen.“ Kollege Ehlers betont: „Natürlich geht es um den Spaß, aber wir wollen die Spielerinnen auch gezielt fördern und schauen auf die Leistung.“

Der große Boom ist vorbei

„Wir haben derzeit drei Teams“, sagt Turhan Ciblak. „Eine Damenmannschaft, die A/B-Juniorinnen und die C-Juniorinnen.“ Ciblak kümmert sich seit zehn Jahren um den Frauen- und Mädchenfußball beim VfV 06. „Man muss ständig dran bleiben“, sagt er. Denn der große Boom im weiblichen Fußball sei vorbei. „Ich gehe in Schulen und zu Turnieren und halte Ausschau nach Talenten.“ Ziel sei es, mit den Kreisliga-Damen aufzusteigen und sie im Bezirk zu etablieren.

Viele Mädchen haben beim VfV 06 klein angefangen – wie Matilda. Ciblak ist überzeugt: „Wenn sie am Ball bleibt, dann wird sie eine richtig gute Fußballerin.“