Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Mehr Güterzüge in der Region: Lärm nimmt zu

Veröffentlicht von Alexander Raths am 03.06.2019.

Kreis Hildesheim - Die Lärmbelastung der Nachbarn von Bahnanlagen in Nordstemmen, Sarstedt, Elze und im Raum Alfeld wird vorübergehend deutlich größer. Darauf weist die Deutsche Bahn (DB) hin. Grund sind Sanierungen der Schnellfahrstrecke im Leinetal im ersten Halbjahr. Zudem schwillt der Zugverkehr an.

Die Arbeiten sind durchgehend und beginnen nach Bahnangaben am 11. Juni um 5 Uhr früh und sollen am 14. Dezember kurz vor Mitternacht abgeschlossen werden. Die Anwohner der Schienenstrecke müssen also sechs Monate mit deutlich mehr Zügen leben, weil diese ins Leinetal ausweichen. Das hat Folgen: Statt wie gewohnt rund 230 Züge fahren dann täglich 290 Bahnen über die Leinetal-Strecke von Hannover in Richtung Göttingen und weiter in den Süden. Was besonderen Lärm macht, das sind dabei die Gütertransporte. Sie werden laut Bahn etwa die Hälfte der passierenden Züge ausmachen, also rund 150.

Es schleift, quietscht und klappert

Tagsüber werden vor allem ICE auf diesem Abschnitt fahren, abends und nachts verstärkt Cargo-Züge. Diese sind mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde unterwegs und maximal 740 Meter lang – unüberhörbar: Es schleift, quietscht und klappert schon von weitem. Dann donnern hunderte Tonnen von Stahl vorbei. Wer etwa in Sarstedt abends auf dem Bahnsteig auf einen Personenzug wartet, der kann den Lärm der Güterzüge hautnah spüren.

Manche Menschen müssen mit solch einem Geräuschpegel täglich leben. „Man steht schon jetzt in der Nacht senkrecht im Bett, wenn die Züge vorbeifahren. Man will uns wohl hier systematisch von unseren Grundstücken vertreiben. Es ist einfach nicht auszuhalten“, beklagt sich etwa Michael Hennies, der seit 54 Jahren in der Hauptstraße in Nordstemmen wohnt.

Pfeifen in den Ohren

Ihm gehen besonders die Bremsgeräusche auf die Nerven. Hintergrund: Ältere Güterzug-Modelle sind mit Bremsen aus Gusseisen ausgerüstet, die großen Lärm machen. Das Quietschen empfindet Hennies „als sehr anstrengend“, es verursache ein Pfeifen in den Ohren.

Bahnkrach gewöhnt ist auch Martina Schmull. Sie wohnt ebenfalls in der Nordstemmer Hauptstraße – und will trotz der Lautstärke nicht wegziehen. „Wir haben hier eine Eigentumswohnung. Und müssen wohl in den sauren Apfel beißen und halt weiter mit dem Krach leben.“ Laut Schmull fährt zumindest gefühlt alle zehn Minuten ein Zug an den Wohnhäusern vorbei. Die Anwohner beklagen sich unisono über immer mehr Lärm durch den Schienenverkehr und fordern daher eine Schutzwand. Denn auch neue Fenster würden nur wenig nützen, um den Schall einzudämmen. „Das ist hier schon eine große Belastung.“

Ausblick: Flüsterbremsen

Die Erneuerung der Schnellfahrstrecke und die Umleitung der Züge sind nach Angaben der Bahn zwingend notwendig. Denn der Gleisabschnitt muss nach 30 Jahren modernisiert werden.

Der Bahn zufolge fuhren im Jahr 1970 im Durchschnitt täglich 340 Züge von Hannover über Alfeld nach Göttingen. 1979 waren es mit 382 nur unwesentlich mehr. 2018 lag die Zahl bei rund 230. Ein Ende des Lärms ist für die Menschen, die an den Gleisen in der Region leben, aber absehbar. Dafür sprechen zumindest die Pläne des Konzerns. Die rund 63 000 Güterwagen der DB-Cargoflotte sollen bis Ende 2020 mit sogenannten Flüsterbremsen ausgerüstet werden, die einen speziellen Belag haben.