Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Messerattacke als Rache für Schläge im Bordell?

Veröffentlicht von Jan Fuhrhop am 15.04.2019.

Hildesheim - Als die Polizei am 6. Februar gegen 16.20 Uhr zu einem Einsatz am Bismarckplatz gerufen wurde, war den Beamten zunächst nur klar, dass es um eine Gewalttat und zwei Verletzte gehen würde. Wer aber die Täter waren, welchen Auslöser es für die Auseinandersetzung gab – alles völlig unklar.

In den folgenden Wochen brachten die Ermittler schließlich nach und nach Licht ins Dunkel – und jetzt ist die Staatsanwaltschaft Hildesheim so weit, dass sie Anklage gegen zwei 27- und 36-jährige Männer erhoben hat. Der Ältere der beiden soll einem 28-Jährigen ein Messer mit 30 Zentimeter langer Klinge in beide Oberschenkel gerammt und sein Opfer dadurch lebensgefährlich verletzt haben. Der Angeschuldigte, der derzeit in Untersuchungshaft sitzt, bestreitet die Tat bislang. Der jüngere Komplize des mutmaßlichen Angreifers soll dem Vater des Schwerverletzten mit einem Teleskopschlagstock zugesetzt haben, so dass der 56-Jährige eine Platzwunde davontrug. Der 27-Jährige schweigt bislang zu den Vorwürfen.

Vorgeschichte im Bordell

Wie Polizei und Staatsanwaltschaft im Zuge der Ermittlungen herausgefunden haben, begann die Vorgeschichte der gewalttätigen Auseinandersetzung offensichtlich drei Tage zuvor, nämlich am 3. Februar in einem Bordell in der Nähe des Hildesheimer Flugplatzes. Dabei soll das spätere Opfer des Messerangriffs zusammen mit einem Freund einen 37-Jährigen geschlagen haben – einen Bruder des nun angeklagten 36-Jährigen. Der wollte zusammen mit weiteren Familienmitgliedern offensichtlich für die Schläge im Rotlicht-Club Rache nehmen. Das legen diverse Sprachnachrichten nahe, die der Bordell-Schläger nach Angaben der Staatsanwaltschafts-Sprecherin Christina Pannek im Nachgang zu der Auseinandersetzung auf sein Handy bekommen haben soll.

Die Absender beleidigten den 28-Jährigen demnach massiv und bedrohten ihn. Als der so Bedrängte schließlich ein Treffen in seiner Wohnung am Bismarckplatz vorschlug, um den Streit beizulegen, ging der 36-Jährige darauf ein – hatte aber sechs weitere Männer dabei. Die warteten zwar zunächst draußen vor dem Haus – als aber der Bruder des bedrohten 28-Jährigen dort auftauchte und dem Messerträger einen Kopfstoß verpasste, eskalierte die Lage. Als sich der 28-Jährige und dessen Vater einmischten, attackierten die Angreifer sie – und machten sich anschließend aus dem Staub. Hinweise der Opfer brachten die Ermittler schließlich auf die Spur der Flüchtigen.

Wann die Angeklagten sich vor Gericht verantworten müssen, steht noch nicht fest.

Der der Messerattacke vorausgegangene Angriff vom 3. Februar, bei dem der drei Tage später lebensbedrohlich verletzte 28-Jährige Täter gewesen sein soll, wird gesondert aufgerollt.