Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Meteor und Ex-Student ringen weiter um Geld

Veröffentlicht von Tarek Abu Ajamieh am 16.04.2018.

Bockenem/Hannover - Immer öfter studieren junge Menschen direkt in Unternehmen. Sie finanzieren sich damit ihre Hochschul-Ausbildung und können in der Praxis forschen, die Firmen wiederum binden junge Talente – etwa angehende Ingenieure oder Betriebswirtschaftler – an sich. Doch welche gegenseitigen Rechte und Pflichten sich aus dieser Art Arbeitsverhältnis ergeben, ist strittig. Um Grundsatzfragen dazu geht es Mitte Mai vor dem Landesarbeitsgericht in Hannover: Dort wird ein Fall aus dem Landkreis Hildesheim neu aufgerollt.

Dabei geht es um einen Rechtsstreit zwischen dem Bockenemer Automobilzulieferer Toyoda Gosei Meteor und einem ehemaligen Dualstudenten des Unternehmens. Der junge Mann hatte im Jahr 2011 in dem Bockenemer Unternehmen angefangen, dort zunächst den Bachelor- und dann auch den Masterabschluss als Ingenieur erreicht.

Klage und Gegenklage

Danach verließ er Meteor – und die Firma verklagte ihn: Weil er nicht wie vereinbart nach seinem Abschluss mindestens drei Jahre lang für die Firma arbeite, müsse er Ausbildungsvergütung und Studienkosten zurückzahlen.

Der junge Mann reagierte mit einer Gegenklage: Meteor habe ihm keine seinem Studium angemessene Beschäftigung angeboten, sondern lediglich einen Sachbearbeiter-Posten – mit entsprechend geringem Gehalt. Er forderte nun seinerseits, das Unternehmen müsse ihm die Gehaltsdifferenz zwischen dem angebotenen Job und der Entgeltgruppe, die ihm eigentlich zugestanden hätte, für drei Jahre bezahlen.

Keiner ist zufrieden

Das Hildesheimer Arbeitsgericht fällte dazu im Juni ein vermeintlich salomonisches Urteil und wies beide Klagen ab. Meteor habe dadurch, dass es ein Vertragsangebot unterhalb der Qualifikation des Studenten gemacht habe, den Anspruch verwirkt, dass dieser als Gegenleistung für die Finanzierung des Studiums noch mindestens drei Jahre im Unternehmen bleibe. Allerdings könne dieser nicht verlangen, dass die Firma ihm nach seinem Weggang noch etwas bezahlt.

Dass es die Forderung von Meteor zumindest bedenkenswerter fand als die des Studenten, machte das Gericht mit der Aufteilung der Prozesskosten deutlich: Der junge Mann sollte 88 Prozent tragen, das Unternehmen zwölf.

Doch offenbar waren beide Seiten mit diesem Urteil nicht zufrieden, legten unabhängig von einander Berufung dagegen ein. Nun soll das Landesarbeitsgericht am Mittwoch, 16. Mai, um 11.30 Uhr (Leonhardtstraße 15 in Hannover, Sitzungssaal 14) entscheiden.