Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Mit heißem Wasser überschüttet – aus Rache?

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 10.09.2018.

Hildesheim - Es ist eine grauenvolle Szene, die sich am 2. Januar in einer Nordstadt-Wohnung abgespielt haben soll: Eine nichts Böses ahnende Frau wird absichtlich von einer vermeintlichen Freundin mit mehreren Litern kochend heißem Wasser übergossen, erleidet schwerste Verbrühungen, durch den Hitzeschock versagt ihre Lunge. Ärzte retten ihr Leben, doch sie wird für immer gezeichnet sein, entstellende Narben ziehen sich über ihren Oberkörper.

War es ein perfider Plan, den die mutmaßliche Täterin, eine 28-jährige Hildesheimerin, ausgeheckt hatte, um sich an ihrer Bekannten zu rächen? Um es der 25-Jährigen heimzuzahlen, dass sie im August 2017 ihren kleinen Chihuahua regelrecht massakriert hatte? Die Staatsanwaltschaft Hildesheim geht davon aus und hat jetzt Anklage gegen die 28-Jährige erhoben. Der Vorwurf: absichtliche schwere Körperverletzung. Die Strafe bei einer Verurteilung: drei bis fünf Jahre Haft.

Die Angeklagte, davon gehen die Ermittler aus, hatte die Tötung ihres Hundes nicht vergessen und nicht vergeben.

So soll die Chihuahua-Besitzerin den Plan geschmiedet haben, die Bekannte, die sie seit Ende 2016 kannte, mit heißem Fett oder heißem Wasser zu übergießen, um ihr einen Denkzettel zu verpassen. Am 2. Januar dieses Jahres hatte sie die 25-Jährige in ihre Wohnung eingeladen, während die beiden sich unterhielten, sollen bereits zwei große Kochtöpfe mit heißem Wasser auf dem Herd gestanden haben. Als sich die Gelegenheit bot, so die Anklageschrift, hat die 28-Jährige erst einen Topf über dem Opfer gelehrt. Wegen der starken Schmerzen soll die geschockte Frau wie gelähmt und nicht fähig zur Flucht gewesen sein. Das soll die Angeklagte ausgenutzt haben, um den zweiten Kochtopf zu holen und auch diesen über der Verletzten auszuschütten.

Nach Angaben des Gerichtsmediziners, der das Opfer untersuchte, waren die Folgen der Attacke „konkret lebensbedrohlich“. Die 28-Jährige, die in ihrer Vernehmung von einem „Unfall“ gesprochen hatte, ist aber nicht wegen einer versuchten Tötung angeklagt – zur Überzeugung der Staatsanwaltschaft ist sie nicht davon ausgegangen, dass das Opfer hätte sterben können. jan