Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Müll in den Eimer, Flaschen in den Ring

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 10.09.2018.

Hildesheim - „Wenn hier einer eine Pfandflasche reinstellt“, sagt Bettina Lux-Schade, „dann nimmt sie ein anderer sofort mit. Deshalb sind die Pfandringe auch eigentlich fast immer leer.“ Die Bäckereiverkäuferin muss es wissen: Von ihrem Stand auf dem Bahnhofsplatz hat sie die Mülleimer samt neuer Flaschenbehälter immer im Blick.

„Gerade Reisende werfen oft aus Bequemlichkeit Flaschen weg“, sagt die Verkäuferin. „Die haben es vor allem eilig.“ Die andere Seite aber, die Sammler, die hätten es vor allem nötig.

Nun ist es drei Wochen her, dass der städtische Bauhof insgesamt fünf Pfandringe an Mülleimern am Bahnhofsvorplatz angebracht hat. „Die haben in der Anschaffung rund 1200 Euro gekostet“, sagt Stadtsprecher Helge Miethe.

Erfunden hat das Prinzip im Jahr 2012 der Berliner Produktdesigner Paul Ketz. Seit 2014 setzen Städte seine Idee in die Praxis um. Die ist eigentlich simpel. Weniger Müll, mehr Recycling und vor allem: Flaschensammler müssen nicht mehr in den Tonnen nach Flasche wühlen. „Ich möchte zu einem besseren Miteinander im öffentlichen Raum beitragen“, sagte Ketz damals.

Sammler müssen nicht mehr in den Eimer greifen

Das wollte auch das Jugendforum der Stadt Hildesheim, das im vergangenen Jahr im Zuge des Planspiels „Pimp your town“ der Stadt insgesamt 45 ausgearbeitete Ideen vorlegte. Mehr Fahrradständer waren darunter, mehr attraktive Sitzgelegenheiten in der Fußgängerzone – und eben die Pfandringe.

„Weder Pfandgeld noch verwertbare Rohstoffe gehören in den Müll, sondern in den Wirtschaftskreislauf“ – mit diesen Worten stellte Luc Oehlmann, Vorsitzender des Jugendforums, Ende letzten Jahres gemeinsam mit Tamina Wagner dem Stadtentwicklungsausschuss vor – und überzeugte ihn. Die Verwaltung wurde mit der Umsetzung beauftragt.

Und nun also sind sie an den Mülleimern angebracht. „Ich glaube, für die Sammler ist es wirklich ein Unterschied“, meint Bettina Lux-Schade. „Wenn die sich mal eben im Vorbeigehen Pfandgut rausnehmen, dann kriegt das kaum jemand mit.“

Sonst würden Sammler oft von Passanten angestarrt, während sie Flaschen aus den Mülleimern fischen. Manche, so die Verkäuferin, seien nur in den frühen Morgenstunden aufgetaucht, um unauffällig zu bleiben. Nun genügt ein Handgriff.