Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Nach Rechten-Auftritt: Keine Angst bei Pulse of Europe

Veröffentlicht von Rainer Breda am 11.02.2019.

Hildesheim - Die Sprecher der Hildesheimer Anhänger von „Pulse of Europe“ gehen davon aus, dass die Störer aus dem rechten Lager nicht zufällig ausgerechnet an diesem Sonntag auf ihrer Kundgebung aufgetaucht sind. Denn an diesem Tag wollte die Bürgerbewegung eigentlich einen Werbefilm für die Europa-Wahl am 26. Mai drehen, der demnächst in den Hildesheimer Kinos laufen soll. „Wir haben auf unserer Facebook-Seite dazu aufgerufen, dass möglichst viele Menschen kommen“, sagt der Hildesheimer „Pulse of Europe“-Sprecher Konstantin Gerbrich.

Der Appell fand zwar Gehör, es kamen 85 Europa-Anhänger. Doch wie berichtet tauchten auf dem Andreasplatz auch Vertreter der rechtsextremen Identitären Bewegung auf, die wohl durch den Facebook-Hinweis Wind von dem Clip-Dreh bekommen hatten und diesen verderben wollten. Davon jedenfalls gehen Gerbrich und seine Mitstreiter aus. Sie zählten zehn bis 15 junge Männer im Alter von 20 bis 30, ausgestattet mit Schildern, auf denen Parolen wie „Heute Europa und morgen die ganze Welt“ standen – eine Formulierung, die nicht nur Gerbrich an die NS-Zeit erinnert.

„Wir lassen uns doch von denen nicht einschüchtern“

„Die Störer haben uns kalt erwischt“, räumt der 21-jährige Student ein. Der reagierte gleichwohl nach Angaben von Beobachtern besonnen und brach die Kundgebung nach einigen Minuten des vergeblichen Verhandelns wie von der Polizei empfohlen ab. Aber verärgert. „Die Identitären haben ihr Ziel erreicht, wir mussten aufhören.“ Weshalb Gerbrich sich von den Beamten allein gelassen fühlt: „Ich hatte erwartet, dass sie die Störer entfernen.“ Doch das sei rechtlich nicht möglich, musste sich der „Pulse of Europe“-Sprecher auch in einem Telefonat mit der Polizei am Montag noch einmal anhören – allerdings verbunden mit der Zusage, bei der nächsten Veranstaltung besser gewappnet zu sein.

Denn dass es (wie seit März 2017) weiter monatliche Kundgebungen gibt und im EU-Wahl-Monat Mai sogar wöchentliche, steht für Gerbrich außer Frage: „Wir lassen uns doch von denen nicht einschüchtern.“ Diese Position kündigt die Bürgerbewegung auch in einem Rundbrief an, in dem sie auf die Ereignisse eingeht. Es war die erste Störung dieser Art bei einer „Pulse of Europe“-Veranstaltung in Deutschland. Dass dennoch alle Teilnehmer noch 45 Minuten auf dem Platz ausharrten und ihn nicht den Identitären überließen, wertet Gerbrich „als starkes Signal“. Die Polizei kündigte auf Anfrage an, sich am Dienstag gegenüber der HAZ zu dem Vorfall zu äußern.