Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Eintrachts Trainer kritisiert Schiris harsch

Veröffentlicht von Ulrich Hempen am 19.04.2019.

Hildesheim - Gerald Oberbeck, Trainer des Handball-Drittligisten Eintracht Hildesheim, wollte nach dem Rostock-Drama eigentlich nicht so viel sagen. Dann platzte es doch aus ihm heraus. Der Chefcoach ärgerte sich über die Schiedsrichter, die seiner Ansicht nach besonders in der Schlussphase die Partie maßgeblich beeinflusst hätten – zum Nachteil für die Hildesheimer.

Im vorangegangenen Spitzenspiel war es um alles gegangen. Der Tabellenzweite Eintracht empfing den Spitzenreiter HC Empor Rostock. Die Hildesheimer hätten bekanntlich gewinnen müssen, um die Ostsee-Städter von Platz eins zu verdrängen. Das 27:27-Unentschieden nach 60 dramatischen Minuten in der überhitzten Atmosphäre der ausverkauften Volksbank-Arena hilft aber nur dem HC Empor. Weil die Rostocker im direkten Vergleich zwischen den beiden Teams besser dastehen, bleiben sie zwei Spieltage vor Saisonende weiter oben mit den besseren Aussichten auf den Titelgewinn und Aufstieg.

Gegen seinen Willen behandelt

Besonders ärgerte sich Oberbeck, dass sein Rückraummann Lukas Schieb quasi zwangsweise behandelt werden musste. Der Spielmacher war mit dem Rostocker Torwart zusammengeprallt, stand aber schnell wieder auf und wollte gleich weitermachen. „Ich habe auch nicht signalisiert, dass ich behandelt werden wollte“, sagte Schieb. Die Unparteiischen Oliver Frankholz und Philipp Frankholz holten trotzdem die Eintracht-Betreuer auf die Platte, die Schieb dann behandeln mussten, der aber augenscheinlich gar nicht verletzt war.

Das mag zunächst amüsant klingen, hat aber Konsequenzen. Wenn ein Handballer behandelt wird, darf er anschließend für drei Angriffe seines Teams nicht mehr zurück auf das Feld. Die Regel ist eingeführt worden, um absichtliche Spielverzögerungen gerade in der Schlussphase einer Partie zu unterbinden. Schieb fehlte seinem Team ganze vier Minuten lang. Er ist einer der Leistungsträger.

Lukas Schieb (am Ball)

Zudem kassierten die Hildesheimer in dieser entscheidenden Phase gleich drei Zeitstrafen und agierten mitunter mit zwei Mann weniger – Fynn Wiebe, Adam Papadopoulos und Matteo Ehlers erhielten ab der 54. Minute jeweils zwei Minuten aufgebrummt. „Obendrein wurden uns noch zwei Tore wegen angeblichen Schrittfehlern aberkannt“, schimpfte Eintrachts Trainer Gerald Oberbeck.

„Ich bin echt sauer“

Und er legte nach: „Man schickt uns zu dieser Partie mit diesen Unparteiischen zwar das Top-Gespann der 3. Ligen. Die brauchten aber anscheinend noch eine Beurteilung, um in die nächste Kategorie zu klettern – es waren ja auch Schiri-Beobachter und Spielaufsicht in der Halle. Warum kann man zu so einer wichtigen Begegnung nicht einfach mal Schiedsrichter aus der 1. und 2. Liga abstellen? Ich bin echt sauer.“

Eigentlich sah es in der Schlussphase so aus, als hätten die Einträchtler eine schon fast verloren geglaubte Partie noch gedreht. Nach zum Teil Sechs-Tore-Rückständen in der ersten und zweiten Hälfte mit einer anschließenden irren Aufholjagd führten sie in der 53. Minute mit 25:23 und der 54. Minute mit 26:24. Die Halle stand kopf. Mehr als 2400 Zuschauer feuerten die Mannschaft frenetisch an. Doch das Team gab den Sieg wieder aus der Hand.

Die eigenartige Zwangsbehandlungspause von Lukas Schieb und die Zeitstrafen waren das eine. Auch die Hildesheimer selbst taten in den letzten Minuten ihr Teil dazu bei, dass statt dem Sieg am Ende nur ein Unentschieden heraussprang. „Bei der Rostocker Manndeckung in Unterzahl schmeißen wir einfach planlos den Ball weg“, kritisierte Oberbeck. „Außerdem führen wir einen Freiwurf nicht schnell genug aus, weil wir auf irgendeinen Pfiff des Schiris warten. Das darf einem Spitzenteam nicht passieren.“

So kamen die Rostocker in den besagten letzten Minuten wieder auf 27:26 heran und konnten durch Janos Steidtmann zum 27:27 ausgleichen. Sie feierten das Unentschieden wie einen Sieg.

Frust bei Eintrachts Fynn Wiebe nach dem Abpfiff.

„Ich will die Leistung des Gegners durch meine Schiedsrichter-Kritik nicht schmälern“, so Oberbeck weiter. Rostock habe stark gespielt. Mit seiner Mannschaft sei der Eintracht-Trainer in der zweiten Hälfte zufrieden gewesen. „Kämpferisch sowieso, aber auch spielerisch.“

Die mögliche Tabellenführung vermasselten sich die Hildesheimer insbesondere in der ersten Hälfte. Da ging das Torwartduell klar zugunsten des HC Empor aus. Dessen Keeper Leon Mehler hielt in den ersten 30 Minuten phasenweise alles – Eintrachts Paul Twarz und Jakub Lefan bekamen dagegen überhaupt keinen Ball zu fassen. „Das war echt nicht gut vor der Pause. Im zweiten Abschnitt wurde es aber klar besser“, sagte Twarz.

Auch die Trefferquote aus dem Rückraum sowie die Abstimmung in der Deckung war bei den Gastgebern in den ersten 30 Minuten schlecht.

Im Gegensatz zu Eintrachts Coach Oberbeck war Rostocks Trainer Till Wichers während der Pressekonferenz selig: „Vor der Saison hätte niemand erwartet, dass wir um den Aufstieg mitspielen und hier so ein Finale bekommen. Das war an Spannung kaum zu überbieten.“

Aus eigener Kraft können die Einträchtler nun nicht mehr Meister werden. Sie müssen auf einen Ausrutscher der Rostocker hoffen, die am 27. April noch einen schweren Gang zum abstiegsbedrohten MTV Braunschweig vor sich haben. Zudem müssen die Hildesheimer selbst erst einmal ihre beiden verbleibenden Begegnungen gewinnen.