Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Nach Überfall – 82-Jähriger geht es wieder besser

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 12.02.2018.

Hildesheim - Es war am ersten Weihnachtsfeiertag, kurz nach 20 Uhr. Nachdem sie ihren Sohn besucht hatte, ging Gerda Busch zur Bushaltestelle in der Richthofenstraße, um von dort aus nach Hause Richtung Hohnsen zu fahren.

„Plötzlich“, erzählt die 82-Jährige, „hab ich was hinter mir gespürt. Wie einen Schatten. Da war jemand.“ Noch bevor die alte Dame sich umdrehen konnte, riss ihr ein Mann den roten Stoffbeutel weg, den sie in der rechten Hand trug. Sie stürzte, der Mann lief davon und ließ Gerda Busch allein auf der Straße liegen.

Die hatte sich schwere Verletzungen zugezogen, unter anderem einen Bruch der Schulter. „Aber das wusste ich ja in dem Moment noch nicht“, erzählt sie rückblickend. „In dem Moment hatte ich einfach nur wahnsinnige Schmerzen.“ Allein, sagt sie, wäre sie nicht wieder auf die Beine gekommen.

Hilfe – aber die Straßen waren menschenleer

Also rief sie laut um Hilfe. „Aber am Weihnachtsabend waren die Straßen leer“, sagt sie. Mehr als zehn Minuten musste sie warten, bis jemand sie hörte. Dann ging es ganz schnell: Ein Ehepaar kam ihr zu Hilfe. Der 53-jährige Mann und seine Frau hatten sich nicht einmal die Zeit genommen, Schuhe anzuziehen, nachdem sie Buschs Rufe gehört hatten. „Die kamen auf Strümpfen angelaufen“, erinnert sich Busch. „Oder barfuß?“

In jedem Fall riefen sie Polizei und Krankenwagen. Gerda Busch wurde sofort ins Krankenhaus gebracht. „Da wurde ich dann gleich geröntgt und alles, und vor allem bekam ich Schmerzmittel.“ Von der Klinik aus rief sie auch ihren Sohn an: „Der sagte zu mir, Mama, um Gottes Willen, ich hätte dich doch nach Hause gefahren.“

Doch sie sei eben Bewegung und Selbstständigkeit gewohnt, sagt Busch. „Das war ich immer. Ich hab immer viel gearbeitet, war viel unterwegs.“ Noch heute, sagt sie, tanze sie regelmäßig in einer kleinen Damengruppe. „Folkloretanz, sowas macht mir Spaß.“

Der Täter ist bislang noch nicht gefasst

Nach insgesamt sechs Wochen Klinik und anschließender Reha in Bad Salzdetfurth ist der Sport auch wieder möglich. „Dank der Menschen, die mir in der letzten Zeit geholfen haben“, sagt Busch. „Und bei denen möchte ich mich von Herzen bedanken.“ So wie das Ehepaar ohne Schuhe, das lieber anonym bleiben möchte.

Nein, sagt Gerda Busch, sie habe keine Angst, auf die Straße zu gehen, auch nach diesem Erlebnis nicht. „Da war ein Mensch wirklich böse zu mir“, sagt sie, „Aber so viele andere waren toll. Also muss ich mir doch keine Sorgen machen.“

Momentan gehe sie nicht davon aus, dass der Täter gefasst werde, sagt sie. Nur sie selbst konnte ihn vage beschreiben, sonst hat ihn offenbar niemand gesehen. „Aber was hat er von seiner Tat“, meint Busche. „Nur ein paar Lebensmittel waren in dem Beutel, mehr nicht.“