Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Nele Stauske: Auch als Lehrerin viel Herz für Kunst und Kultur

Veröffentlicht von Martina Prante am 09.10.2019.

Hildesheim - Wenn man sie fragt, auf welchem kulturellen Gebiet sie sich nicht getummelt hat, dann runzelt Nele Stauske nachdenklich die Stirn: Sie war Schauspielerin und Sängerin, hat Geige und Gitarre gespielt, komponiert, getanzt, Ausstellungen kreiert, Bühnenbilder geschaffen, Kostüme entworfen und genäht, Regie geführt, theaterpädagogisch gearbeitet, Produktionen auf die Beine gestellt und Veranstaltungen gemanagt.

20 Jahre lang hat die 47-Jährige sich mit, während und nach dem Studium Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis kulturell ganz breit aufgestellt. „Eine echte Berufung“, blickt sie ein bisschen stolz auf ihr „inspirierendes Leben“ zurück. Denn inzwischen arbeitet Stauske als Lehrerin an der Renata Realschule. Ein bisschen auch wegen der finanziellen Sicherheit, vor allem aber, „weil ich jetzt Menschen kontinuierlich auf ihrem Lebensweg begleiten kann“.

Kunst- und Kulturarbeit

Eigentlich hatte die Wolfsburgerin mit ihren Eltern den Lehrerberuf vor Augen. „Aber ich war in der Kunst- und Kulturarbeit verankert.“ Deshalb auch das Studium, „aus dem alles weitere entstanden ist“ und das sie „als eine der schönsten Zeiten meines Lebens“ bezeichnet. Zwischen 1992 und 2001 hat Nele Stauske begeistert alles mitgenommen, was sich ihr anbot. „Deshalb hat das Studium auch so lange gedauert“, sagt sie lachend. „Für Menschen Kunst produzieren, um ihnen eine gute Zeit zu bereiten“ – so lautete ihr Ziel.

Besonders happy ist sie, dass sie sich dank der Kommilitonen Suse Wessel, Florian Brandhorst und Andrea Fester für die Arbeit in der freien Szene entschieden hat: „Die haben mich geprägt.“ So hat Stauske bei Theater Aspik und Mahagoni mitgespielt, hat im weiblichen „Boxen Team“ zugeschlagen. Sie hat dem Chor „Die Zuckermusen“ zehn Jahre ihren Sopran geliehen, im Stadttheater als Gast im „Macbeth“ auf der Bühne gestanden.

Gartenzwerg als Walkact

Mit Jörg Haßmann hat sie die XXS-Company_tanztheater gegründet, das Format Gartenzwerge als Walkact und Bühnenshow initiiert und es mit ihm und einem Tango-Workshop und Kontaktimprovisation bis in die USA geschafft. „Über Theater eine Gemeinschaft zu entwickeln, das finde ich toll.“

Parallel zum Spielen und Musizieren und Singen hat Stauske Theaterstücke in Herford und Göttingen ausgestattet und Kostüme für Karo Acht und Matz für Kinder genäht. „Das hab ich mir alles selber beigebracht.“ Sie hat die Hildesheimer Wallungen mit organisiert, das Kultur-Programm der Langen Nacht zusammengestellt, den Zwergenalarm im Ehrlicher Park initiiert und die Stadtführer Hille und Huck mit entwickelt.

100 Prozent Leidenschaft

Letztlich hätten sich die vielen „extrem unterschiedlichen Sachen einfach gefügt“. Sie sei oft gefragt worden, „wahrscheinlich weil alle wissen, dass ich 100 Prozent Leidenschaft gebe, wenn ich etwas mache“. Ihr Leben und Studium finanziert habe sie „von allem und nichts“. Die Selbstständigkeit sei eine Herausforderung, „der Ausgleich dafür sehr hoch“.

Wichtig war Stauske aber auch die künstlerische und persönliche Weiterentwicklung. Mit der Geburt von Tochter Solveig vor 14 Jahren wählte sie den Schritt in die Theaterpädagogik. Und erlebte zum Beispiel 2009/10 im TPZ-Projekt „Wildnis-Training“ ein Jahr lang mit 18 Grundschulklassen ein experimentelles Theater-Naturerlebnis.

Raus aus dem Schulalltag

In der Martinus-Schule inszenierte sie ein Musiktheater zum Thema Müll, in Achtum den Lebenszyklus der Wespen. Sie habe viel Lob bekommen, dass sie so kreativ mit Kindern arbeite und sie befähige, ihr eigenes Theater auf die Beine zu stellen, erzählt Stauske. Aber auch sie war zufrieden: „Soziale Prozesse schweißen zusammen. Raus aus dem Schulalltag, rein in die eigene Persönlichkeit“, beschreibt sie die Sehnsucht nicht nur der Kinder nach dem bewertungsfreien Raum.

Aus diesen positiven Erfahrungen und dem Interesse an beruflicher Weiterentwicklung ergab sich die Idee, Lehramt zu studieren. Von 20011 bis 2015 studierte sie Musik und Englisch, gründete während des Referendariats an der Mauritius-Schule eine Musikklasse und an der Renataschule einen Darstellenden Spielkurs. „Eine Schule mit Herz, die in Bewegung ist“, beschreibt sie ihr multikulturelles Arbeitsfeld in Ochtersum.

Lehrerin in Hildesheim

Seit August ist die 47-Jährige verbeamtet und unterrichtet 200 Kinder in Englisch, Musik, Kunst und Darstellendem Spiel. 50-Stunden-Wochen sind nicht selten: „Wenn Du zu Hause bist, bist Du noch lange nicht fertig“, straft sie alle Klischees über den Beruf Lügen.

Lehrerin zu sein, sei eine schöne Aufgabe mit Spaß und viel sozialer Verantwortung, aber auch herausfordernd und anstrengend. Um ihr Handwerkszeug für die Kommunikation mit Eltern und Schülern zu verbessern, lässt Stauske sich zum kontextuellen Coach ausbilden. „Das vermittelt mir neue Lebensvision und Lebensqualität.“

Wenig Zeit für die Kunst

Denn der Beruf lässt wenig Zeit für die künstlerische Arbeit und die Musik. Um hier nach dem Studium ein bisschen aufzuholen, hat sich Nele Stauske eine Loop-Station gekauft. Die soll neben E-Piano, Gitarre, Ukulele und allerlei Percussion-Instrumenten im Musikzimmer daran erinnern, was die Grundlage all ihres Strebens ist: „Kunst und Kultur sind mein Lebensweg.“