Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Nestbauer – bitte nicht stören!

Veröffentlicht von Renate Klink am 14.04.2019.

Kemme - Sie sind das Dorfgespräch: Haben sich tatsächlich erstmals Störche in Kemme niedergelassen? „Also wir haben hier inzwischen sogar drei Vögel gesehen“, bestätigt Jens Lütge und es klingt fast ein bisschen stolz.

Allerdings: Ob die Störche sich hier niederlassen wollen, um zu brüten, das sei bislang noch völlig ungewiss. Der 50-jährige Lütge ist Vorsitzender des ortseigenen Landschaftsvereins. Und der hatte es sich Anfang des Jahres zur Aufgabe gemacht, ein Storchennest vorzubereiten. „Dass bereits nach sechs Wochen ein Storch vorbeischaut, das hätten wir überhaupt nicht für möglich gehalten.“

Stroh fürs Storchen-Nest

Auf einer alten, etwa sechs Meter hohen Straßenlaterne hat der Verein ein altes Metall-Wagenrad mit Speichen montiert. Dann haben die Mitglieder eine Halterung angebracht, so dass die Weidenzweige sich gut darum flechten ließen. „Selbst Stroh haben wir in der Mitte noch ausgebreitet“, sagt Lütge. Die Vögel sollen das so mögen.

Und ja: Das liebevoll vorbereitete Nest hat das Interesse der Störche gefunden. Sie wurden ebenso auf den umliegenden Wiesen bei der Futtersuche gesehen. Der ungewöhnliche Besuch habe sich schnell herumgesprochen – auch über die Dorfgrenzen hinaus. Und wie das dann so ist: Alle wollen die Vögel mit dem langen roten Schnabel sehen. „Die Störche sollen aber auf keinen Fall durch eine Art Nest-Tourismus gestört werden.“ Jens Lütge bittet daher eindringlich, unbedingt Rücksicht zu nehmen, den Tieren nicht zu nahe zu kommen. „Am besten erstmal abwarten. Sonst sind die schneller weg, als wir uns vorstellen können.“ Mit genügend Abstand und einem Fernglas lassen sich die Störche auch aus der Ferne beobachten. „Aber noch viel spannender wird es, wenn sie hier beginnen sollten, ihre Kinderstube einzurichten.“

Kommt das Paar aus Schellerten?

Im Dorf fragt man sich auch, ob die gesichteten Störche vielleicht die aus dem Nachbarort Schellerten sind, die nun in Kemme Zuflucht gesucht haben könnten. In Schellerten hatte vor Jahren ein Storchenpaar bereits mehrmals ein Nest auf einer alten Scheune bezogen. „Allerdings sind sie zweimal mit dem Nest abgestürzt“, weiß der Vorsitzende Lütge. Der Landschaftsgärtner hat den Verein 1994 gegründet. Mittlerweile hat er 95 Mitstreiter. Eine beachtliche Zahl für das 450-Seelen-Dorf. Sie setzen sich für mehr Grün in der Umgebung ein. Und natürlich auch für Störche.