Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Neuer Besitzer für ehemalige Islamisten-Moschee

Veröffentlicht von Tarek Abu Ajamieh am 11.07.2018.

Hildesheim - Wo einst hunderte den Predigten radikaler Islamisten lauschten und zumindest mutmaßlich Kämpfer für die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) geworben wurden, soll es künftig Schulungen, betreute Arbeitsplätze und Theaterkurse geben. Das Land Niedersachsen überträgt der Lebenshilfe Hildesheim per Schenkung die ehemalige Moschee des verbotenen Deutschsprachigen Islamkreises (DIK) in der Martin-Luther-Straße.

Der Verein, der sich vor allem die für die Integration von Menschen mit Behinderungen in die Arbeitswelt einsetzt, hat zusammen mit dem Theaterpädogischen Zentrum (TPZ) Hildesheim ein Konzept für die künftige Immobilie vorgelegt und sich damit gegen vier weitere Bewerber durchgesetzt, wie die Polizeidirektion Göttingen am Mittwoch erklärte. „Wir wollen eine Institution unterstützen, deren Arbeit dem gesamten Stadtteil zu Gute kommt und im besten Fall zur Kriminalprävention beiträgt.“

Im März 2017 beschlagnahmt

Die Polizei hatte die Immobilie – die Räume im Erdgeschoss und Keller des Gebäudes umfassen insgesamt rund 500 Quadratmeter – im März 2017 beschlagnahmt, nachdem das Land den DIK verboten hatte. Die Moschee hatte regelmäßig Besucher aus dem gesamten Bundesgebiet angelockt, die vor allem ihren inzwischen vor Gericht stehenden früheren Hauptprediger Abu Walaa hören wollten. Auch Pläne für Anschläge in Deutschland – Berlin-Attentäter Anis Amri besuchte die Einrichtung mindestens einmal – sollen dort geschmiedet worden sein.

„Wir nähern uns dem Gebäude mit Respekt“, drückt es der stellvertretende Lebenshilfe-Vorstand Hans Grupe-Hübner aus. „Es war, bei allem anderen, auch ein Gebetsraum, viele frühere Besucher wohnen noch im Umfeld.“

Bevor allerdings Lebenshilfe-Mitarbeiter und Theaterleute die ehemalige Moschee bevölkern, rücken erst einmal die Bauarbeiter an. Nach dem Zustand des Gebäudes gefragt, will Lebenshilfe-Vize Grupe-Hübner zwar nicht ins Detail gehen. Doch nach Informationen dieser Zeitung hat vor allem die letzte große Razzia der Polizei ihre Spuren hinterlassen. Teilweise zertrümmerte Küchen, aufgeschnittene Boxsäcke und Kabelschächte im Keller sind wohl nur einige Beispiele für die dort angerichteten Zerstörungen. Dazu passt auch, dass die Lebenshilfe zwar bald mit den Sanierungsarbeiten beginnen will, mit einer Eröffnung aber erst im Frühjahr nächsten Jahres rechnet.

Ein bisschen Dorfgemeinschaftshaus

Unter anderem sollen bis dahin Arbeitsplätze für „Beschäftigte mit Unterstützungsbedarf“, wie sie bei der Lebenshilfe heißen entstehen. Sie sollen dort anwenden können, was sie zuvor in anderen Lebenshilfe-Einrichtungen in Hildesheim gelernt haben. Dabei geht es um Handwerkliches ebenso wie um Veranstaltungstechnik und leichte Verwaltungsarbeiten, auch den Empfang sollen Lebenshilfler besetzen. „Wir können mit dieser Immobilie Dinge umsetzen, die wir uns zwar gewünscht haben, für die uns bislang aber die Infrastruktur fehlte“, sagt Grupe-Hübner und verweist auf eine stetig steigende Nachfrage nach Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderungen.

Die Idee, mit dem Theaterpädagogischen Zentrum zusammen ein Konzept vorzulegen, könnte am Ende den Ausschlag gegeben haben. Beide Institutionen planen gemeinsame Kulturprojekte für Behinderte und Nichtbehinderte, wollen damit auch Nordstadt-Bewohner ansprechen. Ohnehin kann sich Grupe-Hübner vorstellen, dass die ehemalige DIK-Moschee zumindest ein Stück weit auch den Charakter eines Dorfgemeinschaftshauses bekommt: „Da können von mir aus auch mal Nachbarn eine Familienfeier machen."