Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Neun Baupläne für Hildesheim, die scheiterten

Veröffentlicht von Manuel Lauterborn am 15.05.2019.

Hildesheim - Ein Turm am Hindenburgplatz, ein Großkino am Bahnhof, ein Ärztehaus an der Zingel – an großen Bau-Plänen mangelte es in den vergangenen Jahren in Hildesheim keineswegs. Eins haben all diese Pläne gemeinsam: Sie wurden nie verwirklicht.

1. Eine Sport- und Freizeitarena am Flugplatz

Im Januar 2004 teilt das Münchner Consulting-Unternehmen „FußballArena Deutschland GmbH“ mit, dass es bundesweit 50 Freizeitzentren bauen möchte – eins davon in Hildesheim. Der Plan: Am Rande des Flugplatzes im Gewerbegebiet Nord sollen zwei Sporthallen gebaut werden, außerdem eine Spiel-Aktiv-Welt für Kinder. Gesamtgröße des Komplexes: 70.000 Quadratmeter. Erste Verhandlungen mit Stadt und Banken haben bereits begonnen, hieß es. Und: Der Entwurf des Hamburger Architekten für den Komplex sei ein „architektonisches Dampfhämmerchen.“

Während in der größeren Halle für rund 6000 Zuschauer Sport-Events und Konzerte stattfinden sollten („Wir holen Stars nach Hildesheim“), sollte die zweite Halle mit 2500 Zuschauern für den Breitensport da sein. Darüber hinaus waren ein Fitnessbereich, Gastronomie und eine Sportakademie im Gespräch. Zehn Monate später war die Arena noch immer Thema: Zwei führende Mitarbeiter der „Fußballarena Deutschland GmbH“ stellten das Projekt im Rathaus vor. Der offizielle Name: „Arena World Hildesheim – Family Entertainment Center“. Wenig später stand fest: Das Center wird es nicht geben.

2. Ein Ärztehaus mit gebogener Glasfassade

Im Mai 2006 sprach man in der Stadt von einem architektonischen Quantensprung an der Zingel. Denn die Firma Alpha Immobilien wollte auf dem Parkplatz zwischen Osterstraße, Zingel und Theaterstraße ein viergeschossiges Ärztehaus bauen. Es sollte 3000 Quadratmeter Fläche für Arztpraxen oder Büros haben sowie 80 Parkplätze auf zwei Ebenen. Besonderes Bonbon: Eine dreidimensional gebogene Glasfassade sollte sich über den Fußgängerweg an der Zingel wölben. Alpha-Geschäftsführer Bernd Ebeling wollte ab Anfang 2007 bauen, nur mit den Nachbarn und der Stadt müsse man sich noch einigen.

Knapp ein Jahr später zeigte sich: Das Interesse von Medizinern an einem Einzug in das Gebäude hielt sich in Grenzen. Alpha Immobilien erstellte einen abgespeckten Entwurf, der nur etwa sechs statt der zunächst vorgesehenen zehn Praxen vorsah. Kurze Zeit später war auch der abgespeckte Plan vom Tisch. Die Firma gab das Grundstück an die Stadt zurück.

3. Ein Großkino am Bahnhof

Im Juni 1998 herrschte bei Film-Freunden große Vorfreude: Kinobetreiber Karl-Heinz Brinkmann kündigte an, zusammen mit dem Lübecker Kino-Konzern Kieft & Kieft ein Großkino am Hildesheimer Bahnhof bauen zu wollen. Kostenpunkt: 35 Millionen Mark. Im Jahr 2000 sollte alles fertig sein.

Doch letztlich zogen sich die Verhandlungen bis 2002 hin. Erst sollte das Kino 2000 Plätze haben, dann nur noch 1500. Anfang 2003 teilte die Stadt mit: Sie ist offen für andere Lösungen – zum Beispiel ein Einkaufszentrum. Sie schmiedete daher mit fünf anderen Investoren neue Pläne – mit und ohne Kino. Kinochef Karl-Heinz Brinkmann sprach von schwierigen Zeiten und verwies auf die erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten in seiner Branche. „Wir können aber nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag warten“, sagte der damalige Oberstadtdirektor Dr. Konrad Deufel. Im März 2004 zog der Rat der Stadt schließlich die Notbremse und erklärte das Projekt Großkino für gescheitert.

4. Die Bahnhofs-Arkaden

Nachdem das Großkino am Bahnhof vom Tisch war, wurden im Rathaus diverse Einkaufs-Galerien in der Stadt diskutiert. Die Timon-Gruppe stellte einen Plan zur „Bahnhofspassage Hildesheim“ vor. Die Stadt brauche für die Bahn ein neues Entree, außerdem ein Einkaufszentrum mit bis zu 460 Parkplätzen. Das alles wollte das Unternehmen mit der Passage bieten.

Das „Hildesheimer Bahnhofsbündnis“ protestierte im Folgenden gegen das geplante Einkaufszentrum – denn es falle viel zu groß aus, ruiniere Kaufleute und verschandele mit einer „08/15-Billigarchitektur“ das Stadtbild. Nachdem zwei andere bereits ausgestiegen waren, wollte die Stuttgarter LBBW Immobilien GmbH, eine 100-prozentige Tochter der Landesbank Baden-Württemberg, als Investor einsteigen. 2007 hieß es: Im Herbst 2010 soll das Einkaufszentrum „Bahnhofsarkaden“ eingeweiht werden. Doch statt der Eröffnung gab es im Oktober 2010 den Schlussstrich: Das Millionenprojekt „Bahnhofsarkaden Hildesheim“ war tot, die LBBW zog sich zurück.

5. Die Bernward-Galerie

Im September 2007 wollte eine Entwicklungsgesellschaft aus der Nähe von München aus dem „Multistore“-Gebäude am Bahnhof die „Bernward-Galerie“ machen. Auf etwa 7000 Quadratmetern Verkaufsfläche sollten ab Herbst 2008 unter anderem der Bekleidungs-Discounter Kik, die Drogerie Rossmann und eine Tochter der Schuh-Kette Reno zu finden sein.

Im Januar 2009 war von der Bernward-Galerie noch immer nichts zu sehen. Es hieß: Die Hängepartie am Bahnhof gegenüber blockiere das Projekt. Denn auch das Center „Bahnhofs-Arkaden“ war in der Planung. So lange nicht klar sei, ob es wirklich komme, tun sich potenzielle Mieter schwer mit der Frage, in welches der beiden Häuser sie einziehen wollen, hieß es. Bis November sollte eine Entscheidung fallen. Und sie fiel: Die Bernward-Galerie wird es nicht geben.

6. Ärztehaus am Kennedydamm

Im März 2006 kündigte die Firma „Bauwerk“ des Hildesheimer Projektentwicklers Rainer Bormann an, auf dem Parkplatz gegenüber der Justiz am Kennedydamm ein „Medizinisches Versorgungszentrum“ (MVZ) zu bauen. Kostenpunkt: 17 Millionen Euro. Der Rat hatte beschlossen, dem Unternehmen das Gelände für 1,3 Millionen Euro zu verkaufen. Die Arbeiten sollten noch im selben Jahr beginnen, die Eröffnung war für Ende 2007 geplant.

Nachdem es eine Weile still geworden war um das Projekt, ließ Bormann im August 2007 das Bodenprofil des Geländes untersuchen. Geprüft wurde, ob der Boden als Baugrund für das geplante vierstöckige Gebäude geeignet ist. Im März 2008 war das „Medizinische Versorgungszentrum“ noch immer in Wartestellung. Die Stadt hatte eine Bauvoranfrage positiv beschieden. Der Bauantrag hätte jederzeit gestellt werden können. Kurze Zeit später platzte das Projekt.

7. Der „Hi Tower“ am Hindenburgplatz

Im Oktober 2005 verkündete das Architekten-Duo Thomas Seidler und Carmen Moreno: Es will aus dem Hindenburgplatz einen Hingucker machen – mit einem zwölfstöckigen gläsernen Bürohaus an der Zingel als Blickfang. Der Turm sollte 36 Meter hoch werden. Einen Namen hatte das Duo bereits gefunden: „Hi Tower“ – was für Hildesheim Innovations Tower stehen könnte. Was fehlte, war lediglich ein Investor. Und: Die AWO müsste mit ihrer Begegnungsstätte an der Zingel dem „Hi Tower“ Platz machen.

Nur eine Woche später machte die benachbarte AWO dem Plan einen Strich durch die Rechnung: Sie wollte das Grundstück nicht verkaufen. Das Projekt war damit vom Tisch.

8. Die Hildesheimer „Südsee“

Zu Beginn der 80er Jahre schlug die SPD vor, südlich des Hohnsensees eine um ein Vielfaches größere Wasserfläche entstehen zu lassen. Im September 1981 gab es sogar schon einen einmütigen Ratsbeschluss dazu. Ähnlich wie beim Hohnsensee sollte sich das Ausbaggern des Sees selbst finanzieren, indem die Kiesabbaurechte dagegen verrechnet werden. Das Thema „Südsee“ zwischen Marienburg und Egenstedt wurde zum Dauerbrenner über rund 25 Jahre und wird immer und immer wieder diskutiert.

Zum Beispiel 1989, doch damals scheiterte das Vorhaben nicht zuletzt daran, dass große Teile des geplanten Geländes verpachtet waren. Im August 2004 war das Thema erneut im Gespräch. Denn das Land wollte die Domäne Marienburg mit 480 Hektor Größe an die Stadt verkaufen. Doch im Juli 2008 war das Projekt endgültig gestorben. Denn: Ein Gutachten ergab, dass der Kies am Fuße Itzums nicht der erforderlichen Qualität entspricht. Und damit fehlten rund vier Millionen Euro.

9. Circle-Tower am Berliner Kreisel

Im Juli 2011 kündigte Unternehmer Delf Neumann von der Gastro&Soul-Kette an, seine Deutschlandzentrale für 1400 Mitarbeiter am Berliner Kreisel zu erweitern. Neben Büros sollte der rundum verglaste, 18-geschossige Circle-Tower Büros für ein neues Software-Unternehmen bieten und Gästen als Design-Hotel einen einzigartigen Blick über die Stadt eröffnen. Der Turm sollte 56 Meter hoch sein, für den 18. Stock war eine „Sky Bar“ in Planung. Neumann wollte 2011 den Bauantrag bei der Stadt einreichen und 2012 mit den Arbeiten beginnen. Grünes Licht gab auch Hans-Joachim Handelmann. Die Kleingartenanlage, die für den Tower weichen müsse, sei eindeutig verzichtbar, sagte der Vorsitzende des Bezirksverbandes Hildesheimer Gartenfreunde.

Zwei Monate später geriet der Plan bereits ins Wanken. Denn die gbg kündigte an, an der Zingel ein „Boutique-Design-Hotel“ mit 100 Zimmern und öffentlicher Tiefgarage bauen zu wollen. Im April 2012 stand fest: Hildesheim bleibt ohne Circle-Tower. Gastro & Soul will zwar weiterhin die Deutschlandzentrale erweitern – allerdings ohne Hotel. Seit 2018 steht die neue Zentrale, die rein optisch nichts mehr mit den einstigen Tower-Plänen gemein hat.