Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Länder-Ticket gibt’s ab Sonntag im Bus

Veröffentlicht von Tarek Abu Ajamieh am 06.12.2018.

Hildesheim - Ab Sonntag soll es in Stadt- und Regionalbussen in und um Hildesheim zu vielen kleinen Premieren kommen: Erstmals verkaufen die Fahrer Niedersachsentickets sowie Fahrkarten des Niedersachsentarifs. Diese Neuerung soll den Fahrgästen Geld und Aufwand ersparen und zugleich die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs erhöhen. Wie kam es dazu, und wie soll das ganze funktionieren?

Öffis werden günstiger

Wer in Stadt und Landkreis Hildesheim zunächst mit dem Bus zu einem Bahnhof fährt und dann von dort mit einem Nahverkehrs-Zug innerhalb Niedersachsens weiterreist, spart sich künftig die Busfahrkarte. Jedenfalls dann, wenn er innerhalb seiner Stadt oder Gemeinde den Bus nutzt.

Also zum Beispiel in Hildesheim mit Stadtverkehrs-Bussen zum Beispiel aus Itzum, Neuhof oder Ochtersum zum Hauptbahnhof fährt und dort in einen Regionalzug nach Wolfsburg, Lüneburg oder anderswo in Niedersachsen steigt. Weitere Beispiele: Busfahrten innerhalb der Samtgemeinde Leinebergland zum Bahnhof Banteln, von einem Sarstedter Ortsteil zum dortigen Bahnhof oder von Giesen nach Emmerke.

Die sogenannte Anschlussmobilität gilt wie gesagt für eine Busfahrt innerhalb einer Kommune zu einem Bahnhof. Da es im Landkreis in 13 von 18 Kommunen Bahnhöfe gibt (In Hildesheim und der Gemeinde Nordstemmen sogar zwei), kann ein Großteil der Bürger des Landkreises diese Option nutzen. Nur in der Stadt Bockenem sowie den Gemeinden Diekholzen, Lamspringe, Schellerten und Sibbesse gibt es keinen aktiven Bahnhof.

Endlich Teil Niedersachsens

Niedersachsenticket und Niedersachsentarif gibt es schon länger. Nun werden beide Fahrscheine auch auf allen Buslinien des Stadtverkehrs (SVHI) und des Regionalverkehrs (RVHI) anerkannt – auch von Auftrags-Unternehmern.

Das Niedersachsenticket - kostet ab Sonntag einen Festpreis von 24 (bisher 23) Euro für eine Person, die damit den ganzen Tag über Nahverkehrs-Züge in Niedersachsen und vielerorts auch Busse nutzen kann. Bis zu vier Erwachsene können für je 5 Euro (bisher 4 Euro) Aufpreis mitfahren – im besten Fall fahren also fünf Erwachsene für je 8,80 Euro durchs Land. Bis zu drei Kinder oder Jugendliche bis 14 Jahren können zudem kostenlos dabei sein. Der Geltungsbereich wird nicht nur auf den Landkreis Hildesheim, sondern auch auf 17 weitere Kreise in Niedersachsen ausgeweitet. „Weiße Flecken“ bilden dann nur noch die Landkreise Schaumburg, Osnabrück und im Emsland. Dafür gilt das Ticket auch in Bremen und Hamburg (außer Schnellbusse).

Der Niedersachsentarif - ist ein Bahn-Tarif, der ebenfalls im Nahverkehr gilt und dessen Preis sich nach der Fahrtstrecke richtet. Für einzelne Fahrgäste ist er gerade bei geringeren Entfernungen günstiger als das Niedersachsenticket. So kostet eine Hin- und Rückfahrt von Hildesheim nach Braunschweig im Niedersachsentarif 20,40 Euro.

Weil ab Sonntag Niedersachsenticket und Niedersachsentarif auch in den Bussen in Stadt und Landkreis gelten, sparen sich Reisende künftig die Busfahrkarte. Sie können also zu Hause im Internet ihre Fahrkarte buchen und müssen sie im Bus nur noch vorzeigen. Oder sogar …

Hildesheimer Spezialität

… die Fahrkarte zum Niedersachsentarifs oder das Niedersachsenticket direkt beim Busfahrer kaufen und dann den Fahrschein für die komplette Reise bereits in der Tasche haben. „Das gibt es landesweit im Moment nur im Landkreis Hildesheim, das ist unsere große Besonderheit“, sagt die Erste Kreisrätin Evelin Wißmann. In ihrer Rolle als Aufsichtsrats-Vorsitzende des RVHI hat sie die Beteiligung der hiesigen Busunternehmen intensiv vorangetrieben. Allerdings gibt es nur Einzel- und Rückfahrkarten des Niedersachsentarifs. Wer Zeitkarten haben möchte, muss diese weiterhin in Reisezentren oder Verkaufsautomaten der Deutschen Bahn oder im Internet erwerben.

Der Ticketkauf im Bus ist möglich, weil RVHI und SVHI im Vorgriff auf den schon lange geplanten Tarifverbund innerhalb des Landkreises neue Fahrkarten-Drucker angeschafft haben, auf die sich für Niedersachsenticket und Niedersachsentarif nötigen Daten aufspielen ließen.

Rabatt bei Dauerkarten

Wer zum Beispiel eine Monatskarte des Niedersachsentarifs für eine bestimmte Strecke hat, bekommt die Anschluss-Zeitkarte für die Tour zum Bahnhof innerhalb seiner Wohn-Gemeinde zwar nicht kostenlos, aber zum halben Preis – allerdings nur über die Bahn, nicht bei SVHI und RVHI. Das gilt, wenn die sogenannte Anschlussmobilität auch am Zielort gilt, auch für das Bus- oder Straßenbahn-Ticket dort.

Sonderfall Hannover

Wer mit dem Zug nach Hannover fährt, kann bei Einzelfahrten den Niedersachsentarif nutzen und damit auch die kostenlose Anfahrt mit dem Bus innerhalb der Kommune. Für Pendler und andere Inhaber von Dauerkarten des Großraumverkehrs Hannover (GVH) bleiben diese aber günstiger, dann gilt die sogenannte Anschlussmobilität nicht. Auch auf der Lammetalbahn gilt anstelle des Niedersachsentarifs weiter der bekannte Kombitarif.

SVHI und RVHI sind finanziell bekanntlich nicht auf Rosen gebettet und können sich die Einnahmeausfälle durch die künftigen kostenlosen Busfahrten zum Zug eigentlich nicht leisten. Deshalb finanziert das Land, das durch das neue Konzept die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs anstelle des Autos fördern will, einen Ausgleich für die Busunternehmen, wie Kai Henning Schmidt, Geschäftsführer beider Hildesheimer Busunternehmen, erläutert.

Und der Tarifverbund innerhalb des Landkreises?

Seit Jahrzehnten wird die Einführung immer wieder verschoben, Wißmann und Schmidt wollen sich deshalb nicht auf einen Starttermin festlegen. Beide zeigen sich aber optimistisch, dass der Verbund bald umgesetzt werden kann.

Infos in Kundencentern

Beratung zu Niedersachsentarif und Niedersachsentickets sowie die Fahrkarten selbst gibt es nach dem Fahrplanwechsel auch im Kundencenter von SCHI und RVHI in der Schuhstraße 40 in Hildesheim, Telefon 0 51 21 / 6 66 66. Dort können Fahrgäste auch die Fahrkarten kaufen.

Informationen und die Fahrkarten gibt es ab Montag auch in der Mobilitäts-Zentrale Leinebergland in Alfeld am Bahnhof, Telefon 0 51 81 / 8 52 62 98. Die Mobilitäts-Zentrale wirbt mit dem Beispiel eines Einwohners, der von Duingen nach Hannover-Vahrenwald will und künftig nur noch das Bahn-Ticket von Banteln (liegt wie Duingen in der Samtgemeinde Leinebergland) zum Hauptbahnhof Hannover bezahlen muss, während der Bus von Duingen nach Banteln sowie die Straßenbahn vom Hauptbahnhof nach Vahrenwald frei sind.