Hildesheimer Allgemeine Zeitung

OS steigt aus Finanzierung Marktplatz Musiktage aus

Veröffentlicht von Martina Prante am 29.04.2019.

Hildesheim - Wenn Maria Crohn Witze erzählt, dann lacht sich der Marktplatz schlapp. Deshalb hat die Veranstaltungsagentur Univent den Travestiekünstler aus Elze am 27. Juli wieder einmal zu den Markplatz Musiktagen nach Hildesheim eingeladen.

Doch nun droht nicht nur der Auftritt des Mannes im feinen Fummel den Bach runter zu gehen, sondern gleich die ganzen Marktplatz Musiktage. Grund: Einer der drei Gastronomen, die die sommerlichen Events auf dem Marktplatz mit je 6000 Euro finanzieren, ist aus dem Vertrag ausgestiegen. „Und das ganz überraschend“, stellt Matti Müller von Univent fest.

Bisher hat das OS im Knochenhauer-Amtshaus sich an der Finanzierung der „Markplatzbelebung“ beteiligt. „Eine gute Aktion, die Gäste haben das begrüßt“, sagt Sascha Fixar, der seit drei Jahren im OS arbeitet und gestern die Restaurantleitung übernommen hat. Für ihn wie für die anderen Gastronomen kam das Nein vom OS-Betreiber Cellerar GmbH mit Sitz im Harz überraschend. Dessen Geschäftsführer Klaus Emmelmann war allerdings für eine Erklärung nicht zu erreichen.

Toten Marktplatz beleben

Gestartet ist das Format vor 18 Jahren auf Initiative von Christian Mädler, Sänger und Musiker und damals noch am Stadttheater engagiert, und Salvatore Gigante, Chef der Eisdiele Venezia. „Der Marktplatz war damals sehr tot, wir wollten ihn beleben“, erinnert sich Gigante. Mit dem Weggang Mädlers nach Braunschweig hat die Hildesheimer Agentur Univent die Organisation übernommen.

„Wir suchen Künstler, die bereit sind, für kleine Gage unter schwierigen Bedingungen zu spielen“, erklärt Musiker und Uni-Dozent Matti Müller, der die Agentur mit Hanni Borchert leitet. Die Künstler müssen auf einer vier mal vier Meter kleinen Bühne spielen und sind vom Wetter abhängig. „Wenn die Konzerte wetterbedingt ausfallen, gibt es auch kein Geld“, erklärt Müller, der mit Borchert auch die Mittsommernacht der Uni, den Tweed-Ride und das Schmeckfest auf die Beine stellt.

800 bis 1000 Menschen können im Juli und August auf dem Marktplatz jeweils freitags und samstags 16 Konzerte genießen. Das Programm ist vielfältig und reicht vom Shanty-Chor und der Feuerwehrkapelle aus der Region bis zur Funkband B.K. and the Trailblazers: „Da geht die Post ab“, freut sich Matti Müller.

Es geht um das Ambiente

„Es geht nicht um mehr Umsatz, sondern um Service für unsere Gäste“, beschreibt Salvatore Gigante die Idee, dem Publikum an lauen Sommerabenden das Wochenende kostenlos mit Musik und Show zu versüßen. Am Anfang teilten sich die vier Gastronomien am Marktplatz – Van der Valk, Ratskeller, Venezia und das Restaurant im Knochenhauer-Amtshaus – Kosten von rund 18 000 Euro. „Zuerst fiel der Ratskeller aus - und nun auch noch das OS“, ärgert sich Gigante.

Der Gesamtetat von 22 000 Euro fließt in Künstlergagen, Auf- und Abbau der Bühnen, Technik, Werbung, Programmheft und Flyer. „Natürlich bleibt auch ein Teil bei uns“, sagt Matti Müller. Aber andere Eventagenturen verlangten das Fünffache: „Wir investieren viel Engagement, weil wir ein Faible dafür haben, dass was stattfindet.“

Das sieht auch Martin Luiten vom Van der Valk-Hotel so: „Univent steckt da so viel Zeit und Energie rein.“ Gern habe sich das Familienunternehmen mit 6000 Euro an den Markplatz Musiktagen beteiligt: „Aber 9000 sind einfach zu viel“, sagt Geschäftsführer Martin Luiten. „Das ist good will und schlägt sich nicht wirklich im Umsatz nieder.“ Martin Luiten hofft auf eine Lösung.

Jedes Jahr neuer Vertrag

Jedes Jahr müssen die Gastronomen den Vertrag neu unterschreiben. Bisher haben das alle gern getan. „Ich kann ja verstehen, dass man darüber redet, ob man mitmachen will“, sagt Matti Müller. „Aber den Vertrag nicht zu unterschreiben, nachdem das ganze Programm steht, das ist doch absurd.“

Nun ist guter Rat teuer: „Wenn wir keinen Sponsor für die 6000 Euro finden, müssen wir das Programm abspecken.“ Eine Lösung wäre, die Künstler nur freitags oder nur samstags auftreten zu lassen: „Darauf kann sich das Publikum dann aber verlassen.“

Besonders ärgerlich findet Matti Müller, dass in diesem Jahr mehr als die Hälfte der Künstler noch nie da gewesen sind und man zudem allerlei Neues im Programm habe: zum Beispiel einen Bingoabend, „der von schrägen Kuwis moderiert wird“ oder den Singer/Songwriter und Filmkomponist Spottiswoode aus New York: „Der kommt nur, weil ich mit ihm befreundet bin.“

Was Matti Müller zusätzlich frustriert: „Dass die Gäste im OS natürlich trotzdem alles sehen und hören können, ohne dass sich das Haus an den Kosten beteiligt.“ Allerdings Maßnahmen wie den Zuschauern mit Bierwagen vor dem Knochenhauer-Amtshaus die Sicht zu versperren, sind ihm dann doch zu hart.