Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Ostend macht das Rennen – trotz Kritik

Veröffentlicht von Rainer Breda am 14.11.2017.

Hildesheim - Das Wohngebiet, das auf dem Gelände der früheren Mackensen-Kaserne entsteht, soll den Namen Ostend tragen: Dafür hat sich am Montagabend der Rat mit großer Mehrheit ausgesprochen. Die Politiker folgten der Empfehlung einer Jury, in der Vertreter aus fünf Fraktionen und der Verwaltung saßen. Trotz der Einmütigkeit gab es Kritik, vor allem vom Unabhängigen Erdinc Parlak: Er vermisste alternative Vorschläge der Juroren und forderte, den Punkt zu vertagen. Parlak stand mit diesem Verlangen allerdings allein – wie später auch mit dem Antrag, das Viertel Europa-Quartier zu nennen.

Die AfD sprach sich grundsätzlich gegen einen neuen Namen aus: Ihr Sprecher Ralf Kriesinger warb dafür, „Mackensen“ zu behalten. Hinter dem Wunsch, den bei den Bürgern eingeführten Namen zu ändern, stecke die politische Ansicht, sich profilieren zu wollen, sagte Kriesinger.

Kritische Stimmen gegen Ostend

Grundlage der Namensfindung war ein Wettbewerb, zu dem die Stadt aufgerufen hatte. Dabei gingen 172 Vorschläge ein. „Das spricht für ein großes öffentliches Interesse“, freute sich Dennis Münter, der in der Jury saß. Der Christdemokrat aus der Oststadt lobte das Verfahren als „sehr, sehr positiv“, räumte aber ein, mit Kritik gerechnet zu haben: Es sei eben klar, wenn ein Name gewinne, dass 171 andere Vorschläge nicht zum Zuge kämen. Der Idee, „Mackensen“ als Begriff für das Viertel beizubehalten, konnte Münter nichts abgewinnen: Auch andere Kasernenflächen dienten inzwischen neuen Zwecken, „ihre früheren Namen spielen keine Rolle mehr.“ Der Rat solle angesichts des bevorstehenden Vermarktungs-Auftaktes ein „starkes, geschlossenes Votum“ abgeben.

Der Wunsch fand zwar Gehör – gegen Ostend stimmten am Ende nur Parlak und die AfD. Gleichwohl waren auch einige kritische Töne zu hören – unter anderem von zwei Parteifreunden Münters, die beide aus der Oststadt kommen. So bezeichnete Mirco Weiß Ostend als beliebigen Namen, der weder identitätsstiftend sei noch einen lokalen Bezug habe. „Der Begriff ist sehr technokratisch, wir werden damit die Herzen der Bürger nicht erreichen“, befürchtet Weiß, der sich enthielt. Zwar habe auch er im Rat dafür gestimmt, eine Jury einzusetzen. Doch das sei falsch gewesen: „Das Viertel gehört zur Oststadt, ein neuer Name wäre gar nicht nötig.“ Auch der frühere Ortsbürgermeister Ekkehard Palandt, ebenfalls ein Christdemokrat, wirkte nicht zufrieden: Er bedauerte, dass nicht der Ortsrat zuständig war. „Da gab es romantischere Vorstellungen, die den Geschmack der Bürger vielleicht eher getroffen hätten.“ Zuspruch für Ostend bekundeten beide FDP-Ratsvertreter und Grünen-Chef Ulrich Räbiger. Er betonte, das von den Unabhängigen favorisierte „Europa“ sei kein einfacher Name – könne er doch bei einer daraus abgeleiteten Straßenbenennung zu Problemen führen, weil nicht klar sei, was alles zu Europa gehöre. Die Links-Partei enthielt sich: Er hätte sich gewünscht, dass der Rat über den Anteil der Sozialwohnungen ebenso energisch diskutiert hätte wie über den Namen, sagte Maik Brückner.

Die Stadt ehrt die sieben Bürger, deren Namens-Vorschläge in die engere Wahl gekommen waren, am 21. November im Rathaus. Gleich danach ist eine Info-Veranstaltung zur Vermarktung geplant.