Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Park-Posse in Hildesheim: Ist dieser Strafzettel gerecht?

Veröffentlicht von Rainer Breda am 10.09.2019.

Hildesheim - Die Sache ist verzwickt: Eigentlich gilt vor dem Haus mit der Nummer 30 in der Sedanstraße absolutes Halteverbot. Das hat die Stadt allerdings vor einiger Zeit vorübergehend aufgehoben und die Verkehrsschilder verhüllen lassen – Parken ist also erlaubt. Aber irgendwie auch nicht, wie dieser Tage ein Autofahrer erleben musste: Weil die Hülle über den Schildern verrutscht war, verpasste der Stadtordnungsdienst ihm einen Strafzettel – da nutzten auch die eindeutigen Hinweise eines aufmerksamen Anwohners nichts.

Die Sedanstraße gilt als begehrte Wohngegend, in dem Bereich gibt es das eine oder andere stattliche Haus. Zu dieser Kategorie zählte einst auch die Nummer 30, ein absolutes Halteverbot sollte die Zufahrt zum Gebäude sichern. Das steht inzwischen seit längerem leer, was sich irgendwann bis zur Stadtverwaltung herumsprach: Sie setzte das Verbot Anfang Mai außer Kraft. Seither gibt es in der Sedanstraße zwei zusätzliche Parkplätze. Das aber nur so lange, bis das Haus wieder genutzt werde, betont Rathaussprecher Helge Miethe. Die Parkerlaubnis gilt also nur vorübergehend; die Verwaltung findet es daher zu aufwendig, die Verbotsschilder abzubauen. Statt dessen stülpte ihnen der Bauhof blaue Tüten über.

15-Euro-Ticket

Doch die waren am Montagmorgen auf den Boden gerutscht, als der Stadtordnungsdienst in der Sedanstraße unterwegs war und einen Wagen auf der Fläche zwischen den beiden Schildern ausmachte. Für den Trupp aus dem Rathaus ein klarer Fall von Parkvergehen – prompt landete ein 15-Euro-Ticket hinter dem Scheibenwischer. Das könne doch nicht wahr sein, intervenierte ein Nachbar: Schließlich habe die Stadt das Parken doch gestattet!

Doch der Ordnungsdienst blieb hart: Die Schilder seien zu sehen, das Halteverbot damit in Kraft. Der Halter könne sich ja beschweren, erklärten die Stadt-Mitarbeiter. Der Nachbar ließ die Sache jedoch nicht auf sich beruhen: Er wandte sich an die HAZ-Redaktion. Die erkundigte sich bei Rathaussprecher Miethe, der nur Minuten später den Rückzug der Verwaltung verkündete: „Der Strafzettel ist gelöscht worden, er hätte nicht geschrieben werden dürfen.“ Die Stadt bedauere den Fehler. Das Verhalten des Ordnungsdienstes wollte Miethe auf Nachfrage nicht bewerten: Er sei in der Situation nicht dabei gewesen. Der Chef des Ordnungsdienstes habe aber mehr Fingerspitzengefühl angemahnt.

Nachbar wundert sich über Stadt

Zurecht, findet der Nachbar: Er staunt noch immer über das Vorgehen der Ordnungshüter. Zumal die doch über die Lage im Bilde gewesen sein müssten. „Oder weiß bei der Stadt die eine Hand nicht, was die andere tut?“ Zudem hätten die Tüten ja noch an den Schilder-Pfosten gehangen. Inzwischen hängen sie sogar wieder darüber: Der Bauhof hat sie in die ursprüngliche Position gebracht.

Kommentar: Fehlverhalten

Von Rainer Breda

Da hat die Stadtverwaltung aber gerade noch einmal die Kurve gekriegt. Wir alle machen Fehler, Journalisten inbegriffen – aber dass der Ordnungsdienst einen offenkundig irregulären Strafzettel schreibt und verkündet, der Empfänger könne sich ja dagegen wehren, ist kein Fehler, sondern Fehlverhalten. Dass das für den betroffenen Autofahrer ohne Folgen bleibt, hat dieser nur dem wachen Nachbarn zu verdanken.