Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Pink-Floyd-Show beim Sarstedter Lichterfest

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 11.09.2018.

Hildesheim - . Andreas Schlegel ist ein Spätzünder. Jedenfalls in Bezug auf Pink Floyd. Mit 54 Jahren ist er durchaus alt genug, um die Meister des großen Sounds live erlebt zu haben. Hat er aber nicht. Damals war Disco sein Ding. Erst viel später fiel Andreas Schlegel eine DVD der 1994er „Pulse“-Tour in die Hände und ihm wurde klar: „Das war die großartigste Live-Show aller Zeiten.“ Die Band gab es nicht mehr, der Zug schien abgefahren. Bis Andreas Schlegel, Chef von Nova, einer Firma für Veranstaltungstechnik, das Hildesheimer Tribute-Projekt Eclipsed By The Moon sah. Plötzlich hatte er einen Plan: „Ich mache es selbst.“

Dazu musste Schlegel allerdings erst die Band überzeugen, die damals, im Frühjahr 2016, noch gar keine Band war – sondern nur eine lose Ansammlung von Hildesheimer Musikern, die einfach mal ein paar Pink-Floyd-Songs nachspielen wollten. Andreas Schlegel, der bei dem Session-Abend im AWO-Musikzentrum am Mischpult stand, erkannte gleich das Potenzial: „Ich bin zu Uli gegangen und habe gesagt: Das muss groß raus.“

Uli Speicher ist der Leadgitarrist und die Triebfeder der Gruppe und für Schlegel „quasi ein 1:1-Dave-Gilmour“. Doch die Musiker brauchten noch Zeit, hatten Zweifel, ob die Herausforderung nicht einige Nummern zu groß wäre. Andreas Schlegel blieb am Ball, mittlerweile sind die Zweifel beseitigt. Schon beim ersten Konzert von Eclipsed im letzten Herbst war das Vier Linden ausverkauft, das Open Air im Mai im Bad Salzdetfurther Kurpark sahen 1500 Menschen. Am Samstag kommt die Show nach Sarstedt – mag gut sein, dass die Wellen dann noch höher schlagen.

Die „Pulse“-Show im Maßstab 1:5

Die zehnköpfige Band interpretiert die Songs von „Dark Side Of The Moon“, „Wish You Were Here“ und „The Wall“ verblüffend originalgetreu. Aber das ist nur die eine Seite. Der Name Pink Floyd war immer verbunden mit gigantischen Lichteffekten und einem opulenten Quadro-Klang. Und hier kommt Andreas Schlegel erst richtig ins Spiel.

Seine Mission ist es, die „Pulse“-Show im Maßstab 1:5 umzusetzen. Pink Floyd hatte damals 500 Scheinwerfer im Einsatz – bei Eclipsed By The Moon sind es knapp 100. Die Bühne der Briten war 26 Meter breit, in Sarstedt hat sie eine Fläche von „nur“ acht mal sechs Metern. „Es wäre natürlich total schön, wenn es noch größer wäre“, sagt Andreas Schlegel, aber dafür reicht der Platz im Innerstebad nicht.

Ansonsten fahren Schlegel und sein Mitarbeiter Dennis Otte alles auf, was das Herz eines Floyd-Fans höher schlagen lässt: Eine Quadro-Sound-Anlage mit fast 20 000 Watt, vier Laser, sieben Nebelmaschinen, sechs Flammensäulen, Konfetti-Kanonen, eine Ballon-Traverse, Videos, die auf die Floyd-typische runde Leinwand projiziert werden, und ein großes rosa-farbenes Schwein, das über den Köpfen der Zuschauer schwebt.

Monatelange Vorarbeit

„Wir versuchen, uns mit jeder Show näher ran zu basteln“, sagt Andreas Schlegel. Das Basteln ist wörtlich gemeint: Die 200 Quadratmeter seiner Firmenhalle in Himmelsthür sind zwar schon bis zum Anschlag voll mit Lautsprechern, Mischpulten, Verstärkern, Scheinwerfern, Kabeln, Stativen und Ähnlichem. Doch für die Eclipsed-Show muss vieles zusätzlich angeschafft werden, und was man nicht kaufen kann, wird halt selbst gebaut. Wie die sich drehenden 1000-Watt-Scheinwerfer, die einen Leuchtturm-Effekt erzeugen, oder die Licht-Prismen, die sich auf beiden Seiten der runden Video-Leindwand befinden.

Die Hardware ist die eine Seite – aber das Konzept muss live auch stimmig sein und funktionieren. Monatelange Vorarbeiten sind dafür nötig. Die Techniker haben Mitschnitte von allen Bandproben, sind auch oft bei den Proben zu Gast, um Musik und Show auf die Sekunde genau aufeinander abzustimmen. Andreas Schlegel hat die Quadro-Anlage bei sich in der Halle aufgebaut und eine 32-Spur-Aufnahme der Band darüber abgespielt, um den Sound für jeden Musiker optimal voreinzustellen und ins digitale Mischpult einzuspeichern. „Das lässt sich nicht simulieren, das muss ich hören.“

3-D-Animation

Anders ist es bei den optischen Effekten. Pink Floyd mietete in den 90er Jahren einen Monat lang einen Flugzeughangar, um das Lichtdesign zu perfektionieren. Heute geht das mit 3-D-Animationen am Computer. Dennis Otte, 25, ist für diesen Part zuständig. Die gelernte Fachkraft für Veranstaltungstechnik (Otte: „Eierlegende Wollmilchsau geht auch“) wollte sich eigentlich auf Tontechnik spezialisieren, doch Andreas Schlegel brauchte einen Experten fürs Licht, „denn was Computer angeht, bin ich total talentfrei“, so der Chef selbst. „Inzwischen ist es okay, dass Andreas mich ins Licht gedrückt hat“, sagt Otte. Die kreativen Freiräume seien hier deutlich größer. Die Eclipsed-Show zu programmieren, hat ihn über einen Monat gekostet.

Drei Lastwagen werden das Material nach Sarstedt bringen. Ob die Musiker das Eclipsed-Projekt nach dem Konzert fortsetzen werden, steht nicht fest, doch Andreas Schlegel hat seinen Traum noch nicht zu Ende geträumt: „In fünf Jahren haben wir sie 1:1 – die 26-Meter-Rundbogenbühne von Pulse!“

Eclipsed By The Moon spielt am Samstag, 15. September, beim Lichterfest im Innerstebad Sarstedt. Beginn ist pünklich um 19.30 Uhr. Eintritt frei.