Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Polizei sucht im Piratensee nach Tatwaffe

Veröffentlicht von Peter Rütters am 13.03.2018.

Hildesheim - Als Jörg Strey mit seinen Polizeitauchern am Dienstagmorgen am Piratensee anrückt, um nach einer Tatwaffe zu suchen, sind die äußeren Bedingungen alles andere als einladend. Das Thermometer zeigt gerade einmal acht Grad, im Wasser sind es sogar nur vier. Kein Wunder, denn bis vor wenigen Tagen war der See noch mit einer Eisschicht bedeckt.

Zum Glück hat die Technische Einsatzeinheit der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen (ZPD) Oliver Gerve in ihren Reihen. Der 44-Jährige bezeichnet sich selbst als kälteunempfindlich, weshalb ihn Strey gern „unseren Härtetyp“ nennt.

Ein harter Typ

Gerve macht seinem Namen alle Ehre, schlüpft in einen blau-schwarzen Halbtrockentauchanzug. Er könnte sich auch einen wasserdichten Anzug überziehen, doch der ist nichts für den erfahrenen Taucher. „Meiner ist praktischer“, sagt Gerve und steigt in den Piratensee an der Bundesstraße 494. Dass ihm dabei das eiskalte Wasser den Rücken hinunterläuft, nimmt der Taucher in Kauf. Viel schlimmer ist für ihn die Sicht in Ufernähe.

Hier irgendwo soll ein Hildesheimer Schüler eine Taschenlampe mit integriertem Elektroschocker versenkt haben. Damit hatte er Ende November einen Mitschüler verletzt. Weil Hans-Werner Block vom Jugendkommissariat der Hildesheimer Polizei die Waffe als Beweismittel sucht, hat er die Taucher der ZPD an die Stelle gebeten, die der Täter dem Ermittler gezeigt hatte.

Reines Glücksspiel

Doch die Suche nach der etwa 20 Zentimeter langen Waffe ist an diesem Morgen ein reines Glücksspiel. Das Wasser in Ufernähe ist mit Baumschnitt übersät, am Grund befindet sich eine 15 Zentimeter starke Schlammschicht. Mit jeder Bewegung wirbelt der Taucher Sedimente auf.

Greve hat an seinem Anzug eine sogenannte Tauchersignalleine befestigt, die ihn mit einem Kollegen am Ufer verbindet. Über Funk berichtet der Mann im vier Meter tiefen Wasser, was er sieht: nämlich nichts. Eine Metallsonde könnte ihm theoretisch die Suche erleichtern, aber die hat er im Mannschaftswagen gelassen: „Die würde bei jedem Kronkorken anschlagen“, sagt sein Chef Strey.

Deshalb muss sich der Taucher im trüben Wasser auf seinen Tastsinn verlassen. Mit den Händen streicht er über den Grund, schiebt einen Ast nach dem anderen beiseite. Bis ihn ein Schmerz durch den Körper fährt. Der Haken eines Blinkers, mit dem Angler normalerweise Karpfen, Barsche oder Hechte aus dem See ziehen, hat sich durch den Handschuh in einen Finger des Tauchers gebohrt. Zum zweiten Mal an diesem Vormittag macht der Härtetyp seinem Namen alle Ehre, verzieht „wegen des kleinen Pieksers“ nicht mal den Mund. Die Polizeitaucher nehmen den Zufallsfund als Erinnerungsstück mit nach Hannover.

Mehr können sie an diesem Tag nicht machen, weil die Suche nach dem Elektroschocker einfach aussichtslos ist. Nach drei Stunden wird die Aktion abgebrochen: „Es war einen Versuch wert“, sagt Kommissar Block. Er will nun weiter ermitteln, um die Attacke an einer Hildesheimer Schule restlos aufzuklären.