Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Quälix-Magath-Methode: So macht sich der VfL Sehlem fit

Veröffentlicht von Ulrich Hempen am 11.07.2019.

Bad Salzdetfurth - Olaf Nützsche kann sich quälen – das hat er bei etlichen Radrennen bewiesen. Der Chef des Bad Salzdetfurther Mountainbike-Lizenzteams Focus Rapiro Racing kann aber genauso gut anderen zuschauen, die sich gerade quälen. Nützsche grinst, als er während der Drei-Kilometer-Laufrunde über steile Anstiege und schmale Trails im Bike- und Outdoor-Park Bad Salzdetfurth (BOP) langsam mit einem E-Bike vorweg fährt. Hinter ihm her rennt die komplette Fußball-Mannschaft des VfL Sehlem. Die meisten Kicker haben bereits ziemlich rote Wangen.

Hat das Ganze eingefädelt: Olaf Nützsche

Die Sehlemer spielen in der 1. Kreisklasse B und stecken in der Vorbereitung auf die kommende Saison. Am Montag veranstaltet ihr Klub außerdem die legendäre Pokalwoche auf dem Sportplatz am Rosengarten – auch dafür will das Team Energie tanken (siehe Artikel rechts). Die Mannschaft ist einer Einladung von Radsportler Nützsche in den Bike-Park gefolgt. Er hat dort verschiedene Trainingsparcours aufgebaut, damit die Fußballer eine eineinhalbstündige Fitness-Einheit absolvieren können.

Mit dabei sind auch die Mountainbiker Lovis Büchel und Niklas Storm aus dem Salzdetfurther Klub Bike-Sport, die Nützsche unter seinen Fittichen hat. Sie mischen sich unter die Kicker und geben auf der Laufrunde Gas – man könnte auch sagen: Die Radfahrer machen den Fußballern Beine.

Hat „da was am Fußgelenk“: VfL-Trainer Mirco Weiß

Ganz hinten dran an der Gruppe hängt Sehlems Trainer Mirco Weiß. Wie Nützsche tritt er ebenfalls gemütlich in die Pedalen eines E-Bikes. „Ich hab’ da was am Fußgelenk und kann nicht mitrennen – muss wohl erst mal ein MRT machen. Sonst mag ich ja Ausdauertraining gern“, sagt er. „Ja, nee, ist klar“, meint einer seiner Spieler, der keuchend vor seinem Coach joggt.

Nach der Laufrunde machen alle Trinkpause. „Mann, da war so eine langgezogene Steigung, die hätte auch keine zehn Meter weitergehen dürfen“, stöhnt Christopher Peter, einer der Sehlemer Kicker. Aber es wartet schon die nächste Überraschung auf die Truppe: der sogenannte Sandbunker.

Ein Hügel im Bike-Park ist komplett bedeckt mit tiefem, weißem Sand. Dort kämpfen sich sonst die Cyclocrosser (Querfeldeinfahrer) mit ihren Rädern hinauf. Olaf Nützsche hat vor der Anhöhe zwei Autoreifen abgelegt. Das Fußball-Team soll zwei Gruppen bilden, die in einer Art Staffellauf gegeneinander antreten.

Wie beim VfL Wolfsburg

Zwei Kicker rennen los, schnappen sich jeweils den Reifen, schleppen ihn rennend den Hügel hoch, wieder runter, um ihn dann an den nächsten zu übergeben. Sie prusten, verzerren die Gesichter, der eine oder andere stolpert – aber alle ziehen es durch. Es sieht aus wie ein Training von Felix Magath, als er früher noch Chefcoach des VfL Wolfsburg war – der Mann wurde nicht umsonst Quälix genannt.

Olaf Nützsche freut sich, dass die Fußballer mitmachen und Spaß haben. Er veranstaltet das Ganze nicht ohne Eigeninteresse. Neben seinem Job als Chef des Radsportteams Rapiro Racing ist er noch bei der Stadt Bad Salzdetfurth angestellt: mit dem Auftrag, sich um den Bike-Park zu kümmern. „Ich hoffe, durch solche Aktionen mehr Leben in den BOP zu bekommen“, sagt er. Der 47-Jährige wohnt im Salzdetfurther Nachbarort Sehlem, sein Sohn Noah spielt beim VfL. „Vielleicht nehmen es andere Fußballer oder Handballer zum Anlass, hier auch mal zu trainieren.“

Laufrunde durch den Bike-Park.

In der Tat bietet das Areal längst nicht nur etwas für Mountain- und Dirt-Biker oder Cyclocrosser. „Du kannst hier joggen, Parcours aufbauen – und auch einfach nur Spazieren gehen. Oft wissen die Leute gar nicht, was man im Park alles machen kann“, meint Olaf Nützsche. Viele aus den Nachbarorten Sehlem und Bodenburg, Almstedt und Sibbesse fahren zwar täglich mit dem Auto am BOP vorbei – sie waren aber noch nie auf dem Riesen-Gelände. Sehlems Trainer Mirco Weiß bestätigt es: „Ich bin das erste Mal hier.“ Auch die VfL-Kicker Christopher Peter und Florian Wiese sind erstaunt. „Ich hätte nicht gedacht, dass jeder den Park einfach so zum Sport nutzen darf“, sagt Wiese.

Die aufgebauten Parcours will Nützsche für andere erst einmal stehenlassen. Der drei Kilometer lange Laufkursus ist mit rosa Fähnchen gekennzeichnet, die Station mit den Holzstämmen zum in die Luft Wuchten liegt direkt an der Runde und auch die Reifen vor dem Sandhügel stehen bereit.

Nach Dehnen, Joggen und Gummischleppen widmen sich die Jungs des VfL Sehlem gegen Ende der Einheit wieder ihrem eigentlichen Metier: dem Fußball. Dafür hat Nützsche auf einer ebenen Fläche ein Spielfeld abgesteckt und Mini-Tore aufgestellt. Nun übernimmt auch wieder VfL-Trainer Weiß das Kommando: „So Jungs, zwei Mannschaften bilden, Leibchen verteilen!“ Statt Sandhügel hochrennen, stehen jetzt Spielzüge und schnelle Angriffe auf dem Programm – schließlich will das Team während der Pokalwoche in Sehlem nicht bloß konditionell fit sein, sondern auch Tore schießen.

Und so wird während der Pokalwoche gespielt

Es ist bereits die 54. Auflage der Sehlemer Pokalwoche. Für die ersten vier Teams gibt es wieder lukrative Geldpreise zu gewinnen. Von Montag, 15. Juli, bis Sonntag, 21. Juli, nehmen insgesamt sechs Mannschaften teil, dabei kommt es zu äußerst interessanten Derbys. VfL-Vorsitzender Herbert Bruns zeigt sich daher auch optimistisch, dass erneut viele Zuschauer kommen: „Das hat in Sehlem schon Tradition.“

Topfavorit ist Vorjahressieger und Landesliga-Absteiger MTV Almstedt. Der MTV spielt in der Gruppe A gemeinsam mit dem TuSpo Lamspringe und VfB Bodenburg. In Gruppe B treffen die SG Wehrstedt/Bad Salzdetfurth, der FC Ambergau/Volkersheim und der VfL Sehlem aufeinander. Eröffnet wird das Turnier am Montag, 15. Juli, mit der Partie Lamspringe gegen Almstedt.

Am Dienstag, 16. Juli, tritt Sehlem gegen Wehrstedt/Salzdetfurth an, und Mittwoch, 17. Juli, trifft Bodenburg auf Lamspringe. Am Donnerstag, 18. Juli, stehen sich Ambergau/Volkersheim und Sehlem gegenüber, am Freitag, 19. Juli, heißt die Paarung Almstedt gegen Bodenburg (alle diese Spiele beginnen um 19 Uhr), und am Samstag, 22. Juli, kommt es ab 17 Uhr zur Begegnung zwischen Ambergau/Volkersheim und Wehrstedt/Bad Salzdetfurth.

Am Endspieltag (Sonntag, 21. Juli) bestreiten die Gruppenzweiten um 15 Uhr das Spiel um Platz drei, während die Gruppenersten anschließend (17 Uhr) im Finale aufeinandertreffen.

Ausgepowert und zufrieden: der VfL Sehlem.