Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Racheakt? Nacktfotos in der Nordstadt aufgehängt

Veröffentlicht von Renate Klink am 14.11.2017.

Hildesheim - In der Nordstadt hängt jemand Nacktfotos von einer Frau auf – bereits zum zweiten Mal. Kopierte Bilder, sorgsam in Klarsichtfolien verpackt werden mit langen Stecknadeln an den Baum gepinnt. Mehr als zehn dieser diffamierenden Exemplare sind es jedes Mal.

Gestern sind die Fotos in der Otto- und Heinrichstraße aufgetaucht. Auch in der Posthofenstraße und am Cheruskerring sollen die Aushänge schon gesichtet worden sein. „Die Polizei ist gestern vor Ort gewesen“, bestätigt Polizeisprecher Claus Kubik den Einsatz. Eine Anzeige soll in diesem Zusammenhang angekündigt worden sein, liegt aber bisher noch nicht vor.

Volkstümlich als Rufmord bezeichnet

Nach bisherigen Recherchen soll dahinter ein Racheakt stecken, der volkstümlich wohl als Rufmord bezeichnet wird. Er basiert nach Informationen dieser Zeitung auf Konflikten innerhalb einer Hildesheimer Sinti-Familie. Demnach soll eine Frau die Nacktfotos in der Öffentlichkeit aufgehängt haben. Grund ist angeblich, dass ihr Mann sie betrogen hat – und zwar mit der Frau, die jetzt öffentlich bloßgestellt werden soll. „Das macht man bei uns so“, sagt die jüngere Schwester des Opfers. Sie selbst hat auch Fotos von den Baumstämmen entfernt und sichergestellt. Sie will sie als Beweismaterial für die Polizei aufbewahren. Wie die betrogene Ehefrau an diese doch sehr privaten Fotos gekommen ist, das ist bislang nicht bekannt.

Verstoß gegen Urheberrecht

Rein rechtlich ist das Aufhängen solcher Nacktfotos ein Verstoß gegen das Urheberrecht – das Recht am eigenen Bild. Zudem müsse geprüft werden, ob der Tatbestand der Beleidigung erfüllt sei, sagt der Polizeisprecher. „Beides ist strafbar.“ rek