Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Rattenplage in Hildesheim?

Veröffentlicht von Rainer Breda am 06.12.2018.

Hildesheim - Aus mehreren Stadtteilen gibt es Hinweise auf das vermehrte Auftreten von Ratten. Die Tiere übertragen Krankheiten, die für Menschen gefährlich werden können, darunter Typhus. Die Stadtentwässerung (Sehi) registriert zudem eine Zunahme der Schädlinge in ihren Kanälen. Das Unternehmen hat ein Info-Blatt für Bürger erstellt – mit Tipps, wo diese Ratten melden können, aber auch, wie sie dazu beitragen können, dass diese sich nicht verbreiten. Die Sehi geht davon aus, dass es etwa 100 000 Ratten in der Stadt gibt – so viele wie Einwohner.

Das Thema hat auch die Kommunalpolitik erreicht: Im Stadtentwicklungsausschuss berichtete Grünen-Fraktionschef Ulrich Räbiger am Mittwochabend von mehreren Hinweisen. Er selbst habe am helllichten Tag eine Ratte in der Zingel gesehen, sagte der Grünen-Politiker der HAZ. Räbigers Parteifreund Ekkehard Doming hat in der Nordstadt, wo er Ortsbürgermeister ist, sogar eine Plage ausgemacht: Die Tiere arbeiteten sich von Grundstück zu Grundstück vor, beschreibt Domning gegenüber Räbiger die Lage. Auch in Himmelsthür seien tagsüber Ratten zu sehen, sagte CDU-Ratsherr Martin Eggers.

Stadtbaurätin Andrea Döring erklärte, sie habe von Ratten in der Oststadt und auf dem Moritzberg gehört. Die Antwort auf die Frage Räbigers, ob man stadtweit von einer Plage sprechen könne, blieb die Baudezernenentin dem Politiker schuldig. Zuständig für die Bekämpfung der Tiere seien die Grundstückseigentümer: „Sie müssen sich kümmern, das ist leider so.“

Geregelt ist dies in einer Verordnung des Landes zum Thema Rattenbekämpfung. Die enthält allerdings auch einen Passus, nach dem unter bestimmten Voraussetzungen auch die Kommune tätig werden muss. Darin heißt es sinngemäß: Werde in einem Gebiet ein Rattenbestand festgestellt, der die Gesundheit der Bevölkerung gefährden könne und lasse sich dies nicht durch die Bekämpfung auf einzelnen Grundstücken beheben, müsse die Gemeinde eingreifen und auch einem neuen Befall vorbeugen.

Dieser Fall liege nicht vor, betont Rathaussprecher Helge Miethe. Es komme zwar in einigen Stadtteilen offenbar vermehrt zu Rattenbefall. Von einer Plage könne aber mit Blick auf die ganze Stadt keine Rede sein. Das sieht Sehi-Experte Christoph Oeltze ganz genauso. Er führt den Zuwachs auf den heißen Sommer zurück und damit letztlich auf das Verhalten der Menschen: Sie hätten viel Essbares in der Natur, aber auch in der Stadt, hinterlassen, anstatt es in Mülleimer zu werfen.