Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Raubüberfälle auf Rentner: SEK überwältigt 24-Jährigen

Veröffentlicht von Christian Wolters am 14.09.2018.

Hildesheim - Mehr als ein Jahr nach drei brutalen Raubüberfällen auf ältere Menschen in der Hildesheimer Innenstadt hat die Polizei am Donnerstag einen Verdächtigen festgenommen. Es handelt sich um einen 24-Jährigen.

Nach Informationen der Redaktion wurde er durch eine DNA-Spur an einem der drei Tatorte überführt. Er streitet die Verbrechen ab. Sie hatten im vergangenen Jahr besonderes Aufsehen erregt, weil die Opfer in ihren Wohnungen bedroht, gefesselt und misshandelt wurden.

Der SEK-Einsatz

Es war noch dunkel, als die vermummten und hoch gesicherten Polizisten eines Spezial-Einsatzkommandos vor der Wohnung des Verdächtigen in der Hildesheimer Innenstadt anrückten. Sie brachen die Türen auf, alles ging so schnell, dass der 24-Jährige keinen Widerstand leisten konnte. Laut Christina Pannek, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, gingen die Beamten so vorsichtig vor, weil der mutmaßliche Räuber und seine Komplizen mindestens bei einer Tat eine Schusswaffe bei sich gehabt haben sollten. Pannek zufolge hat der Verdächtige angegeben, dass er mit den Überfällen nichts zu tun hat. Er sitzt nun wegen Fluchtgefahr in U-Haft.

Auch aus Sicht von Polizei und Anklagebehörde waren die Täter im vergangenen August ausgesprochen brutal und rücksichtslos vorgegangen. Die Tatorte: die Straße Langer Hagen, die Kardinal-Bertram-Straße und die Andreasstraße. Beim ersten Opfer handelte es sich am 6. August um eine 74-jährige Frau, die um kurz nach Mitternacht in ihre Wohnung zurückgekehrt war. Sie wurde gefesselt, bekam die Augen verbunden. Die Räuber steckten Bargeld ein, das sie bei ihr fanden und ließen die Frau gefesselt in ihrer Wohnung zurück. Erst nach zwei Stunden konnte das Opfer sich befreien.

Gefesselt und bedroht

Zu den beiden weiteren Fällen kam es im Umfeld der groß angelegten Bombenräumung und Evakuierung der Hildesheimer Innenstadt. Erstes Opfer war in den frühen Morgenstunden des 17. August ein 70-jähriger Hildesheimer, der nach der Räumung um 4.10 Uhr in seine Wohnung im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses in der Kardinal-Bertram-Straße zurückkehrte. Mindestens zwei Männer sollen ihn abgepasst und zu Boden gedrückt haben. Auch in diesem Fall wurde das Opfer gefesselt und mit verbundenen Augen in die eigene Wohnung gedrängt. Später soll der Mann mit einem Messer bedroht worden sein, und als er sagte, kein Geld im Haus zu haben, führten ihn die Täter zu einer Bank. Unter anderem drohten die Maskierten, ihn abzustechen. Mit 1000 Euro Beute suchen die Täter das Weite.

Am Abend desselben Tages wurde ein 56-jähriger Bekannter einer 74-jährigen Mieterin in der Andreasstraße vor der Wohnungstür mit einer Waffe bedroht. Die Täter sollen beide Opfer in die Wohnung gezwungen, sie dort gefesselt, bedroht und beraubt haben.

DNA-Spur führt zu Verdächtigem

An die Fersen der Räuber heftete sich eine Ermittlungsgruppe der Hildesheimer Polizei, die an allen Tatorten ausgiebig Spuren sicherte. Nach Informationen der Redaktion führten DNA-Spuren nun zu dem 24-Jährigen. Er soll im Zusammenhang mit einer kleineren Straftat eine DNA-Probe abgegeben haben und so in der Datenbank der Ermittler gelandet sein. Wer seine mutmaßlichen Komplizen waren, ist noch unklar.

Im Falle einer Anklage drohen dem 24-Jährigen für jede einzelne der Taten Mindeststrafen von fünf Jahren. Erschwerend dürfte bei einem Schuldspruch berücksichtigt werden, dass die Überfälle mindestens eine, in einem Fall sogar zwei Stunden dauerten und die Opfer enorme Ängste dabei ausgestanden haben, zum Teil auch verletzt wurden.

Wie Staatsanwältin Christina Pannek der Redaktion sagte, gibt es einen weiteren, vierten Fall, der möglicherweise auch auf das Konto der Räuber geht. Auch in diesem Zusammenhang seien die Ermittlungen allerdings noch nicht abgeschlossen.