Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Razzia: Hat Hildesheimer Flüchtlinge abgezockt?

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 13.06.2018.

Hildesheim - Sie kamen am frühen Morgen, und sie trugen kistenweise mögliches Beweismaterial in ihre Fahrzeuge. Mit einem Großaufgebot sind am Mittwoch gegen 6 Uhr in einem Haus an der Golarschen Straße Polizisten angerückt. Im Fokus ihrer Aktion: ein 53-jähriger Hildesheimer. Der gebürtige Iraker steht im Verdacht, sich als Doktor und Rechtsanwalt ausgegeben und Flüchtlinge hereingelegt zu haben. Der Mann, der für Polizei und Justiz kein Unbekannter ist, weist diese Vorwürfe jedoch weit von sich: „Ich bin nicht kriminell, ich bekämpfe Kriminalität.“

Nach eigenem Bekunden nur in Unterhose gekleidet, wurde der Mann zu Boden gebracht, nachdem die Polizisten die Tür zu seiner Wohnung aufgebrochen hatten. Der Iraker wurde mit Kabelbindern gefesselt. Dass die Beamten trotz des vergleichsweise harmlosen Tatverdachts mit mehren Mannschaftswagen in der Goslarschen Straße und an der Gartenstraße vorfuhren, hatte laut Staatsanwältin Christina Pannek einen Grund: Es sei nicht auszuschließen gewesen, dass Personen aus dem Umfeld des Verdächtigen Widerstand leisteten.

Der Sprecherin der Hildesheimer Staatsanwaltschaft zufolge besteht gegen den 53-Jährigen der Anfangsverdacht von Vergehen nach dem Aufenthaltsgesetz und dem Missbrauch von Titeln. Konkret soll er Flüchtlingen angeboten haben, ihnen einen legalen Aufenthaltsstatus zu verschaffen. In mindestens drei Fällen soll er 100 Euro dafür bekommen haben, Kontakte zu einem Rechtsanwalt herzustellen – die er angeblich nie einfädelte.

Der Anfangsverdacht

Um mögliches Beweismaterial sicherzustellen, haben die Polizisten zum Beispiel Telefone und schriftliche Unterlagen aus dem Haus getragen. Die Durchsuchungsaktion dauerte bis 11.45 Uhr an. Der Verdächtige blieb danach auf freiem Fuß. „Es geht hier um einen Anfangsverdacht“, sagte Pannek: „Nun müssen wir prüfen, ob er sich bestätigt.“

Der 53-Jährige gab der Redaktion gegenüber an, dass er sich nicht als Täter, sondern als Opfer sieht. Er vermutet, von einer Libanesin angeschwärzt worden zu sein, der er zu einem syrischen Pass verhelfen sollte, was er aber ablehnte. Seinen Doktortitel führe er völlig legitim, er habe ihn 2013 an der Universität in Bagdad erworben.

Der Mann arbeitet als Übersetzer, in der Vergangenheit hat er sich den Behörden wiederholt als Vermittler angeboten, wenn es um Konflikte mit oder unter arabischsprechenden Familien ging. Beim Sarstedter Ampel-Mord-Prozess 2012 trat er als Zeuge auf, verhedderte sich in Widersprüche und bekam am Ende Ärger mit der Justiz. Für ihn erklärt das auch die Durchsuchung: „Seitdem hasst man mich!“

Weitere Informationen folgen.