Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Ron Williams – Multitalent mit Soul

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 07.12.2017.

Hildesheim - Ron Williams ist eine Instanz im deutschen Showgeschäft. Am Samstag, 9. Dezember, ist er der Stargast bei „Swinging’ HI on Christmas“ und singt Klassiker des Soul. Im HAZ-Interview spricht er über seine vielen Talente.

Hallo, Herr Williams.
Servus!

Servus?
Ja natürlich. Ich bin a Zugroaster (Zugereister, Anm. der Red.), wie wir in Bayern sagen. Ich bin Amerikaner, aber ich lebe schon lange in München.

Sie sind Anfang der 60er Jahre nach Ihrem Militärdienst in Deutschland geblieben. Warum eigentlich, in Kalifornien ist es doch viel schöner?
Ja, aber ich habe festgestellt, dass hier meine Talente anerkannt wurden. Sonst gab es nur einen Billy Mo oder einen Roberto Blanco. Ich wollte zeigen, dass ich kein Bimbo bin, wie ich den lieben Kollegen Blanco sehe, sondern dass es auch Schwarzamerikaner gibt, die politisch etwas verstehen. Ich bin als politischer Kabarettist gestartet in Stuttgart, das war neu und sehr aufregend.

Bedauern Sie es nicht zumindest, die Hippie-Zeit in der Bay Area von San Francisco verpasst zu haben?
Oakland ist die Geburtsstadt der Black Panthers, ich ging mit dem Gründer der Black Panthers zur Hochschule. Wenn ich in der Bay Area geblieben wäre, wäre ich bestimmt kein Hippie geworden, sondern ein Black Panther. Ich hatte bei der Armee in Georgia und Virginia sehr üble und unangenehme Situationen erlebt. Ich habe meine Meinung immer kundgetan, obwohl das nicht erlaubt war, und ich hatte Glück, dass ich nicht hinter Gittern landete oder ausgeschaltet wurde von irgendeinem einem Weißen. Es wurde mir mit einem Bajonett am Hals gedroht, mit Schlägereien. Ich wollte nicht zurück in ein Land, das so rassistisch war – und bis heute ist.

Sie sind schon unglaublich Vieles gewesen: Moderator, Schauspieler, Sänger, Synchronsprecher, Kabarettist, Musicalautor…
Streichen Sie das Musical. Ich habe nie in einem Musical gespielt außer als Gast bei den Blues Brothers, und das war kein Musical, sondern eine Show. Musical ist nicht mein Ding.

Auf Ihrer eigenen Homepage steht: „2007, eigenes Musical Martin Luther King“
Ja, okay, das war das einzige. Aber es war auch kein klassisches Musical, eher ein Ensemble mit Tanz. Aber zurück zu Ihrer Frage: Ich hatte Glück, dass ich mich auf mehreren Bühnen austoben konnte und dass es anerkannt wurde. Es gab keinen anderen schwarzen Amerikaner hier, der das konnte, ich war – in Gänsefüßchen – einmalig.

Bei all diesen Bühnen: Wo schlägt denn das Herz am meisten?
Es schlägt überall gleich, wenn ich dabei bin. Ob singe oder eine Rolle spiele, ich bin voll dabei. Ich unterhalte die Leute gerne. Und ich möchte gerne, dass die Leute auch ein bisschen verstehen, wo der Blues und Soul herkommen. Warum sind Schwarze so drauf? Warum Rassismus und Vorurteile? Amis haben hier zur Zeit und – mit Trump sowieso – keinen guten Ruf. Auf meinen kleinen Bühnen kann ich ein bisschen dagegen halten, auf meine Art und Weise zeigen, dass nicht alle Amis blöd sind.

In Hildesheim werden sie Soulklassiker singen. Was fasziniert Sie an dieser Musik?
Dass es authentische amerikanische Musik ist. Wenn man sich damit auskennt, weiß man, dass alle amerikanische Musik aus der schwarzen Erfahrung kommt: Blues ist das Fundament für Country, Pop, Jazz sowieso, R&B, Boogie, für alle Genres. Und Soul ist ein Soundtrack der Erfahrungen Schwarzer in Amerika. Musik war für lange Zeit eines der einzigen Fenster, die die Schwarzen noch öffnen konnten. Mit Musik haben die Schwarzen überhaupt erst Freunde gewonnen.

Muss man schwarz sein, um Soul zu singen?
Nein, aber es hilft. (lacht) Es gibt natürlich immer wieder einige Ausnahmen: Michael Bolton ist ein weißer Wahnsinnssänger, even George Michael – ein geiler Sänger, und er hatte Soul. Aber die meisten hatten Erfahrungen mit Schwarzen, wie ja übrigens auch Elvis. Die Weißen haben schwarze Musik weiter getragen, nur eben weiß geschminkt. Auf der anderen Seite muss ich sagen: Es gibt auch Schwarze, die auf die Eins und Drei klatschen.

Karten für das Konzert am 9. Dezember um 20 Uhr im Vier Linden gibt es im TicketShop der HAZ an der Rathausstraße und telefonisch unter 0175-5677163. Sie kosten 25 Euro, an der Abendkasse 29 Euro. Außer Ron Williams treten Kussi Weiss, Klaus Spencker, Britta Rex, Gunnar Hofmann und Shereen Adam als Solisten auf, sie werden von den Swingin’ Hi Allstars begleitet.