Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Rosen für die Roses – die Cheerleader stehen kopf

Veröffentlicht von Ulrich Hempen am 15.05.2018.

Hildesheim - Zunächst gibt es etwas fürs Herz: Männer mit breiten Schultern marschieren in die Sporthalle der Renataschule. Jeder hält eine Rose in der Hand. Es sind die Erstliga-Footballer der Invaders Hildesheim. Sie übergeben die Rosen ihren Cheerleadern, die sich passend zum Blümchen-Präsent bekanntlich Roses Hildesheim nennen. Natürlich sind die Cheerleader über die Aufmerksamkeit gerührt. Ihre Schleifchen wippen in den Haaren.

Aber ohne Schleifchen

Die jungen Frauen (ein paar Männer gehören auch dazu – aber ohne Schleifchen) wollen gleich mit der öffentlichen Generalprobe für die Deutsche Cheerleading-Meisterschaft (DM) beginnen: Der Wettkampf läuft über Pfingsten in Dresden. Gleich in fünf Kategorien haben sich die Roses Hildesheim für die DM qualifiziert.

Matt LeFever, Headcoach der Invaders-Footballer, hat seinen Bundesliga-Spielern eigens trainingsfrei gegeben, damit sie während der Generalprobe ihrer Cheerleader Flagge zeigen können. Aber nicht nur sie sind gekommen. Die Tribüne der Sporthalle ist voll. Mehr als 250 Zuschauer wollen sehen, was die Roses bei der DM vorführen werden. „Ist doch immer so bei uns: Wenn wir was machen, sind die Leute da“, so Martin Gräser, stellvertretender Vorsitzender der Invaders.

„Bumm, bumm.“ Die ersten Bässe dröhnen aus den Boxen. Die Blue Crew – eine der Roses-Gruppen – zeigt, was sie kann. Group Stunt nennt sich ihre Kategorie. Atemberaubende Sprungelemente sind das Metier der Blue Crew. Auf der Tribüne werden die Smartphones gezückt. Viele filmen. Roses-Cheftrainerin Antje Besser bittet die Zuschauer aber, die Videos erst nach Pfingsten im Netz zu posten: „Sonst kann unsere Konkurrenz ja im Internet schon vorher sehen, was wir uns alles ausgedacht haben – und noch vor der Deutschen Meisterschaft darauf reagieren.“

Qualifiziert für die DM haben sich die fünf Roses-Gruppen bei der Norddeutschen Meisterschaft Mitte Februar in Lübeck. Besonders die Silver Roses überraschten damals, weil sie mit nur einem Mann im Team auftraten. Mit Jannic Mörder, der auch am Wochenende in Dresden wieder der Hahn im Korb sein wird. Der 23-Jährige spielt sonst Football – als Defensive Back bei den Invaders.

Die Kraft der Herren wird für die Hebefiguren und die Sprungelemente gebraucht. Andere Teams haben wesentlich mehr Männer dabei. „Deshalb hatten wir auch bei der Norddeutschen nicht mit Platz eins gerechnet“, sagt Antje Besser.

Der Vortrag im Februar in Lübeck muss die Wertungsrichter aber überzeugt haben. „Man kann ja vergleichen, wie viele Punkte die anderen Titelträger bei den Meisterschaften in ihren Regionen erhielten. Wir bekamen von allen die meisten“, sagt die Cheftrainerin. Sämtliche Titelträger aus dem Norden, Westen, Osten, Süden und dem Südwesten der Republik treten nun bei der DM gegeneinander an. Durch die Vorschuss-Lorbeeren gehören die Silver Roses in Dresden zu den Mit-Favoriten.

Ziemlich ausgepumpt kommt Katja Liedloff von der Matte. 2:30 Minuten hat der Auftritt der Silver Roses bei der Probe gedauert. Das sind zweieinhalb Minuten Vollgas. Dazu die Wärme in der Halle. Noch dröhnt der Applaus von der Tri- büne – Gekreische und anerkennende Pfiffe inklusive. Liedloff gehört zu den Silver Roses, die in der Kategorie Senior Coed Cheer antreten: Gezeigt werden Akrobatik, Stunts, menschliche Pyramiden, Bodenturnen und Tanz. „Für die DM haben wir noch mehr trainiert als sonst – ein paar Sonderschichten eingelegt“, erzählt Katja Liedloff. Auch der Schwierigkeitsgrad sei noch einmal erhöht worden.

Bereits am Freitag reisen alle Roses-Teams nach Dresden. „Mit den Silver Roses treten wir schon am Samstag auf“, so Liedloff. Die 22-Jährige kommt eigentlich aus Erfurt, hat auch dort bei den Cheerleadern mitgemischt. Seit eineinhalb Jahren studiert sie an der HAWK in Hildesheim – und schloss sich nach ihrem Umzug gleich den Roses an.

„Gut, dass ich bei der DM mit dem Auftritt nicht bis Sonntag warten muss. Dann feiern die ersten bereits am Samstagabend, und man selbst ist noch nervös“, sagt Liedloff. Auch der Hildesheimer Group Stunt ist bereits am Samstag an der Reihe. Die anderen drei Kategorien kämpfen erst am zweiten Wettbewerbstag in der Margon-Arena um die Medaillen und die Europameisterschafts-Qualifikation.

Mehr als 3000 Zuschauer

Mehr als 3000 Zuschauer fasst die Halle, in der sonst die Volleyballer des Dresdner SC und die Basketballer der Dresden Titans spielen. Bei vielen Ticket-Anbietern sind die Karten für das Cheerleading-Wochenende vergriffen. Es wird also mächtig laut werden in der Margon-Arena.

Aber das kennen die Roses Hildesheim. Denn laut ist es bei ihnen schon während der Generalprobe vor 250 Leuten in der Sporthalle Renataschule.