Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Schuhhaus Reno schließt in Hildesheim

Veröffentlicht von Tarek Abu Ajamieh am 09.02.2017.

Hildesheim - Die Schuhgeschäfte-Kette Reno schließt ihre Hildesheimer Filiale im August. Das hat die Betreibergesellschaft, die HR-Group aus Osnabrück, auf Anfrage dieser Zeitung bestätigt. Nach der Aufgabe mehrerer Bekleidungs-Geschäfte in den vergangenen Monaten droht der Innenstadt damit ein weiterer Leerstand an markanter Stelle. Renos Haupteingang liegt an der Fußgängerzone direkt neben dem Ende dieses Monats schließenden S. Oliver. Zudem ist der Laden über die Judenstraße zugänglich.

Gründe für die Entscheidung nannte das Unternehmen nicht, auch zur Zukunft der derzeit fünf Mitarbeiterinnen ließ die HR-Group nichts verlauten. Allerdings liegt es nahe, dass eine neue Strategie hinter der Schließung in Hildesheim steckt – die HR-Group hat seit knapp einem Jahr neue Eigentümer und baut ihr Filialnetz um.

Neue Eigentümer

Die HR-Group gehört seit Frühjahr 2016 mehrheitlich dem Berliner Finanzinvestor Capiton (65 Prozent). Weitere Gesellschafter sind die Ziylan Group aus Istanbul (20 Prozent), der größte türkische Schuh-Einzelhändler, sowie mehrere Manager. Sie hatten das Unternehmen von der Familie Hamm sowie den Managern Siegfried Kaske und Matthias Händle erworben.

Die neuen Eigentümer wollen auf Wachstum setzen und Branchenführer Deichmann auf die Pelle rücken. Allerdings hatten sie auch erklärt, das Filialnetz kritisch zu betrachten. Dabei ist Hildesheim ebenso durchs Raster gefallen wie kürzlich Hamm/Westfalen.

Die Innenstadt – einen Einkauf wert?

Eine interaktive Übersicht

Dabei unterhielt Reno in Hildesheim vor einiger Zeit sogar zwei Geschäfte parallel. Von 1987 bis 2007 stand die Filiale im Gewerbegebiet Bavenstedt, ehe der Umzug an den Hohen Weg folgte. Zusätzlich gab es von 1993 bis 2004 eine weitere Niederlassung in den Räumen des heutigen Modeparks Röther am Hauptbahnhof. Da in der Branche Zehn-Jahres-Mietverträge nicht unüblich sind, liegt nahe, dass Reno das Ende seines Mietvertrages zum Abschied aus Hildesheim nutzt.

Rossmann ante portas?

Das Aus von Reno könnte einem anderen Unternehmen gelegen kommen: Rossmann würde seine 500 Quadratmeter große Filiale dem Vernehmen nach gern erweitern. Die Fläche des direkten Nachbarn Reno könnte da willkommen sein. In Sarstedt hatte sich die Drogeriekette ebenfalls durch Zusammenlegen zweier zuvor getrennter Ladenlokale deutlich vergrößert.

Ein Rossmann-Sprecher wiegelte am Donnerstag zwar ab: „Es gibt es andere Märkte, die viel dringender vergrößert werden müssten.“ Gleichwohl sei man immer auf der Suche nach besseren Standorten. Und: „Gern können Sie in zwei oder drei Monaten nochmals nachfragen.“

Die Stadt sieht mit Blick auf die Zunahme an Leerständen Handlungsbedarf, wie Sprecher Helge Miethe betont. Dabei gehe es nicht nur darum, Informationen und Kontakte zu vermitteln, sondern darum „die Qualität des Standortes an sich zu verbessern“. Dazu dürfte auch der geplante Online-Marktplatz zählen.

Vermieter zurückhaltend

Allerdings berichtet Miethe, dass Vermieter von Flächen in sogenannten 1a-Lagen von sich aus „in der Regel keinen Kontakt mit uns aufnehmen“ und auch oft ablehnend auf Gesprächsinitiativen reagierten. Dabei biete die Stadt sowohl Hilfe durch Hinweise an Suchende – die sich laut Miethe auch für 1a-Lagen durchaus im Rathaus melden – als auch durch ihre Gewerbeimmobilien-Börse im Internet an.

Vermieter, die sich an die Wirtschaftsförderung der Stadt wenden, bekämen dort eine Beratung. Ein Thema sind dabei offenbar öfter die Mieten: Wirtschaftsförderer Eckhard Homeister: „Ich sage auch das, was sie nicht hören möchten. Nämlich zum Beispiel, dass die geforderte Miete sehr hoch ist und die Wahrscheinlichkeit einer Vermietung deutlich verringert.“ Gehör finde er nicht immer.