Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Sie ackern, damit der Wald bei Petze den Stürmen trotzen kann

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 29.03.2019.

Himmelsthürer Grundschüler helfen Waldbesitzer Orne Schoppe, 200 Eichenbäumchen in die Erde zu bringen

Von Michael Vollmer

Petze. Ganz schön hart der Boden. Nur mit Mühe bekommen Laura Fries (10) und Greta Tesche (9) ihren Spaten in das Erdreich. Mit geballter Kraft geht es dann doch Zentimeter für Zentimeter voran. Ihren Kameraden aus der St.-Martinus-Grundschule in Himmelsthür geht es Donnerstagnachmittag nicht anders. Aber die Lust, auf der etwa 1,6 Hektar großen Waldfläche oberhalb von Petze 200 Eichenbäumchen in die Erde zu setzen, ist weitaus größer als das Hadern mit dem hartnäckigen Erdreich.

„Die Schüler sind schon seit langer Zeit Feuer und Flamme“, berichtet Schulleiterin Heike Ber-tram. Für einige der Jungen und Mädchen ist es nicht die erste Pflanzaktion. Sie haben schon einmal ähnliche Erfahrungen mit dem Pflanzen von Bäumen im Rahmen ihrer Ausbildung zum Klimabotschafter gemacht. Doch bevor die Aktion starten kann, bekommt die 21-köpfige Gruppe plus Elternvertreter von Bezirksförster Lorenz Wedekind und Waldbesitzer Orne Schoppe die nötigen Instruktionen mit auf den Weg. Vor dem Eintreffen der Schüler, zu der hauptsächlich Viertklässler gehören, haben die beiden Waldexperten auf dem vom Orkantief Friederike gezeichneten Areal weiße Pfähle gesetzt. Entlang dieser Markierung sollen die Jungen und Mädchen in einer Reihe die jungen Pflänzchen in die Erde bringen.

Die Bezirksförsterei Alfeld, die unter dem Dach der Landwirtschaftskammer angesiedelt ist, umfasst ein Gebiet von rund 2100 Hektar. Dort sind allein 60000 Anpflanzungen vorgesehen. „Das geschieht etappenweise im Frühjahr und Herbst“, berichtet Wedekind. In Barfelde und Eitzum wurde damit bereits begonnen, nun ist Petze an der Reihe. In Orne Schoppes Wald beträgt die Pflanzfläche rund 2,8 Hektar. Sein Urgroßvater, Großvater und Vater haben immer auf Fichten gesetzt – allerdings mit mäßigem Erfolg. Die über 60 Jahre alten Fichten hat es erwischt, weil sie als Flachwurzler den heftigen Stürmen nicht viel entgegenzusetzen haben. „Nun versuche ich es halt mit Eichen“, erklärt Schoppe. Ziel ist es, am Ende der Maßnahmen einen Mischwald zu erhalten.

Der Waldbesitzer freut sich genauso wie die Schule darüber, dass es mit der Pflanzaktion nun geklappt hat. „Es ist gar nicht so einfach, so etwas in den laufenden Forstbetrieb zu integrieren“, sagt er. Den Kontakt zu dem örtlichen Waldbesitzer hatte Julia Ding, die in der St.-Martinus-Schule ein Referendariat absolviert, auf privater Basis hergestellt. Bisher hatte die Schulleitung nur Absagen von anderen Stellen kassiert.

„Die Schüler sind wirklich mit großer Begeisterung dabei. Trotz der nicht ganz einfachen Bedingungen geht es doch ganz gut voran“, erklärt Ding. Das können Wedekind und Schoppe nur bestätigen. Nachdem unter Schwerstarbeit das Pflanzloch gegraben ist und der Baum sicher steht, muss schließlich die aufgeschüttete Erde gut festgetreten werden, damit die Wurzeln auch richtig greifen können. Am Ende kommt eine recyclingfähige Wuchshülle um den Baum, um diesen insbesondere vor Rehen zu schützen. Denn die Tiere sehen Eichen als eine Art Delikatesse an – Fichten stehen ja an allen Ecken.