Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Sie sind das Gedächtnis der Orte

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 29.03.2019.

Henning Grobe und Arne Kiehne sind jetzt Ortsheimatpfleger in Sehlem und Woltershausen / Kreisweit sind 70 Frauen und Männer im Einsatz

Von Michael Vollmer

Lamspringe. In den 202 Orten des Landkreises gibt es etwa 70 Männer und Frauen, die als Ortsheimatpfleger nicht nur die Vergangenheit im Blick haben, sondern sich auch intensiv mit der Gegenwart auseinandersetzen. Sie erstellen Chroniken, sammeln Zeitungsausschnitte mit Themen aus ihren Dörfern oder retten auch schon mal historische Gegenstände vor der Müllkippe. Die Ortsheimatpfleger sind aber auch Ansprechpartner für die Bürger oder beantworten Anfragen von Ämtern oder Experten, die gerade eine Forschungsarbeit erstellen.

Wie vielseitig der Job ist, werden sicherlich auch bald Arne Kiehne und Henning Grobe erfahren, die Lamspringes Bürgermeister An-dt.

„Ortsheimatpfleger haben für die Gemeinde einen hohen Stellenwert. Jedes Dorf braucht ein Gedächtnis“, meint der Bürgermeister. Sie würden nicht nur Daten zusammentragen, sondern leisten auch Öffentlichkeitsarbeit. „Ein Ortsheimatpfleger muss zeitgemäß sein und das Gemeindeleben nach vorn bringen“, stellte der Verwaltungs-chef heraus. Es gebe aber absolut keinen Druck, dass es in den Ortschaften unbedingt einen Heimatpfleger geben muss.

„Für mich ist die Tätigkeit eigentlich nicht neu. Die Leute kamen auch bisher schon, ob zum Beispiel Interesse an bestimmten Sachen besteht“, berichtet der Ortsheimatpfleger für Woltershausen und Hornsen, Arne Kiehne. Nun habe sein bisheriges Wirken einen offiziellen Charakter. Sein Kollege Henning Grobe in Sehlem hat allein schon durch seine eigene Familien- und Hofforschung immer wieder festgestellt, dass es Schnittstellen mit dem Kloster Lamspringe gibt.

„Ich habe einen Artikel über die Arbeit eines Ortsheimatpflegers gelesen und war auch schon im Vorfeld bei einer Tagung dabei“, erläutert der Sehlemer. Dr. Thomas Dahms, der Vorsitzende des Kreisheimatbundes, habe ihn schließlich in einem Gespräch ermutigt, den Posten zu übernehmen.

Der Kreisheimatpflegerin Paloma Klages ist bewusst, dass die Altersstruktur der Ortsheimatpfleger auf einem recht hohen Niveau liegt. Es sind aber durchaus junge Leute dabei. Die hätten allerdings einen anderen Ansatz. Da geht es dann nicht unbedingt um das Erstellen einer Chronik, sondern vielmehr um das Einscannen von Fotos. Es gibt ganz unterschiedliche Formen der Arbeit: Einige möchten nur in ihrem Dorf arbeiten und lehnen eine Zusammenarbeit mit der Kreisheimatpflege ab. „Auch Teamarbeit ist eine Möglichkeit, wo jeder seinen eigenen Schwerpunkt setzen kann“, erzählt Paloma Klages. Der eine habe Interesse an Plattdeutsch, ein anderer will mehr über die Besiedelung des Ortes wissen.

„Es gibt keine festgesetzten Tätigkeiten, manch einer möchte sich auch nur projektbezogen einbringen“, weiß die Kreisheimatpflegerin. Auf die Arbeit mit Arne Kiehne und Henning Grobe freut sich auch die langjährige Lamspringer Heimatpflegerin Gudrun Eichler, die den neuen Mitstreitern jederzeit gerne mit Rat und Tat zur Seite steht.