Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Sie wollen nächstes Jahr eine freie Schule eröffnen

Veröffentlicht von Tarek Abu Ajamieh am 12.09.2018.

Eime/Kreis Hildesheim - Eine Lehrerin ist schon gefunden, auch sechs Schüler sind schon angemeldet. Die erste freie Schule durch einen Elternverein im Landkreis Hildesheim nimmt Konturen an. Zum nächsten Schuljahr soll die „Freie Schule Sonnenberg“ in Eime ihren Betrieb aufnehmen – als Alternative für alle, die ihre Kinder nicht auf eine staatliche Grundschule schicken wollen.

Wer steckt dahinter?

Initiatorin ist die 27-jährige Lara Fischer aus Segeste (Gemeinde Sibbesse). Ihre Zwillingssöhne kommen im nächsten Sommer in die Schule. Unterstützt wird Fischer von einem Trägerverein, dessen Vorsitzende sie ist. Besonders viel Hilfe kommt von ihrer Mutter Birgit Assel aus Betheln.

Was heißt „frei“?

Die Schule ist nicht an den Lehrplan gebunden, die Kinder sollen eigenverantwortlich Unterrichtsangebote wahrnehmen. „Erfahrungsgemäß funktioniert das durch die kindliche Neugier auch sehr gut“, sagt Lara Fischer.

Warum Eime?

In Eime waren nach der Aufgabe der Grundschule am Sonnenberg durch die Samtgemeinde Schulräume frei. Der Flecken Eime als Eigentümer der Immobilie ist begeistert von den Schulplänen, wie Bürgermeister Volker Senftleben (SPD) bestätigt: „Wir freuen uns drauf!“

Wer kann hingehen?

Die Initiative will mit Kindern starten, die im nächsten Jahr zur Schule kommen oder jetzt bereits eine erste und zweite Klasse besuchen. Sie sollen in altersübergreifenden Gruppen lernen. Eine örtliche Beschränkung gibt es nicht, allerdings müssen die Schüler natürlich nach Eime gelangen können.

Was fehlt noch für den Start?

Damit die Landesschulbehörde das Vorhaben genehmigt, müssen ein pädagogisches Konzept und ein Finanzierungsplan vorliegen, zudem muss die Initiative zwei Lehrer mit zweitem Staatsexamen nachweisen – davon einen, der Schulleiter-Befähigung hat – und mindestens zwölf Schüler. Eine Lehrerin, die auch Schulleiterin sein könnte, gibt es bereits, ebenso sechs Schüler, unter anderem aus Eime, Alfeld und auch aus Hildesheim. Das Konzept soll Ende Oktober stehen, über die Finanzierung wird derzeit verhandelt. Gesucht werden auch noch Mitarbeiter mit pädagogischer Vorbildung zur Betreuung.

Wie soll es nach dem ersten Schuljahr weitergehen?

Lara Fischer und ihre Mitstreiter wollen jedes Jahr einen neuen Jahrgang aufnehmen, die Schule soll so Jahr für Jahr wachsen und mindestens bis zur zehnten Klasse, gern aber auch bis zum Abitur gehen.

Und die Abschlüsse?

„Wir wollen auf alle Abschlüsse vorbereiten, so dass unsere Schüler Realschul-Abschluss oder Abitur dann auch bei uns erwerben können“, betont Lara Fischer.

Was kostet der Schulbesuch?

Das soll sich nach dem Einkommen der Eltern richten. Lara Fischer denkt an rund drei Prozent des Bruttogehalts, bei einem Minimum von 100 und einem Maximum von 270 Euro im Monat. Wer das nicht zahlen kann, aber trotzdem, sein Kind auf die Schule schicken will, soll Hilfe zum Beispiel über Patenschaften bekommen. In den ersten drei Jahren kann die Schule keine staatlichen Zuschüsse in Anspruch nehmen, danach schon.

Wie ist die Betreuungszeit?

Die Erstklässler haben Kernzeit von 8.30 bis 12.30, die älteren Schüler wie an anderen Schulen auch länger. Die Schule will habe mit Hilfe pädagogisch geschulter Mitarbeiter und der beiden Vollzeit-Lehrer eine Betreuung ab 7.45 Uhr anbieten und am Nachmittag in Kooperation mit dem Eimer verein Kids, der im gleichen Gebäude untergebracht ist, bis 17 Uhr. Das kostet dann aber extra.