Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Silas kämpft sich zurück ins Leben

Veröffentlicht von Andrea Hempen am 30.10.2016.

Kreis Hildesheim - Als am 16. Oktober 2013 der kleine Silas gesund zur Welt kommt, ist das Glück für die Eltern Nicole Holze-Jordan und Achim Holze perfekt. Ihr Kind entwickelt sich prächtig, ist der schnellste in der Pekip-Gruppe, bekommt mit zwei Monaten die ersten Zähnchen, macht mit neun Monaten erste wackelige Schritte, sagt „Mam-ma“, „Pap-pa“ , „Om-ma“, „Op-pa“ und „Si-las“. Alles ist gut – bis ein Grippevirus sich im Körper des Kindes einnistet, sein Gehirn angreift. Nach beinahe einem Jahr im Krankenhaus sind Silas und seine Eltern wieder daheim in Dingelbe. Doch das Leben der Familie hat sich komplett verändert. Die Ärzte prognostizieren: „Silas wird ein Schwerstpflegefall.“

Das Gelernte ist weg

Silas sitzt auf dem Fußboden in seinem Kinderzimmer. Eine Therapeutin macht Übungen mit ihm, stützt ihn dabei, weil er nicht alleine sitzen kann. „Silas ist ein Kämpfer“, sagt die Mutter und streichelt dem Jungen über den Kopf. Er hat offenbar Spaß an der Frühförderung, juchzt und lacht. Sein Blick driftet immer wieder nach oben ab. Als die Eltern ihm sagen, dass Besuch da ist, ist der Junge nicht mehr zu halten. Er kann den Gast zwar nicht fixieren, aber er hört die Stimme, und greifen kann er auch. Fest umfassen die kleinen Hände die des Gastes. „Wir wissen nicht, was Silas sehen kann. Ob er überhaupt sehen kann“, sagt Nicole Holze-Jordan. Sprechen kann ihr Sohn nicht mehr. Alles, was er bis zum 16. Februar 2015 gelernt hatte, ist weg. Silas muss von vorn beginnen. Doch die Bedingungen sind unglaublich schwer, denn sein Gehirn ist stark geschädigt. Was er lernen wird? „Die Ärzte sagen, dass er ins Laufen kommen wird“, sagt Achim Holze zuversichtlich. Jede koordinierte Bewegung ist ein Erfolg.

Am Esstisch ihrer Wohnung in der Konrad-Adenauer-Straße in Dingelbe erzählen die Eltern vom 16. Februar 2015. An diesem Vormittag schläft der Junge ungewöhnlich viel. Nach dem Aufwachen übergibt er sich. Die Mutter glaubt an einen Infekt, sucht nach zwei Tagen den Kinderarzt auf. Am Nachmittag dann ist Silas wie weggetreten. Die Holzes fahren voller Sorge ins Krankenhaus. „Er kam an einen Tropf“, erinnert sich die Mutter. Am folgenden Morgen, am Freitag, bekommt sie ihr Kind nicht mehr wach.

Keine Schuldfrage

Eine Untersuchung des Nervenwassers ergibt, dass etwas mit dem Gehirn nicht stimmt. Der kleine Patient wird in die Medizinische Hochschule nach Hannover gebracht. „Ihr Kind ist sehr schwer krank“, sagen die Ärzte. Sie sollen sich nicht erschrecken, wenn sie ihr Kind jetzt nach acht Stunden Behandlung sehen, warnen die Mediziner vor. Der kleine Junge liegt im künstlichen Koma, wird beatmet, künstlich ernährt, Infusionsnadeln stecken in seinen Adern. Die Mediziner haben herausgefunden, was für Silas Zustand verantwortlich ist: Influenza A. Obwohl die Ärzte nun wissen, was dem Kind fehlt, können sie ihm nicht helfen. Keines der verabreichten Medikamente schlägt an. Die Eltern werfen den Medizinern das nicht vor. „Wir geben niemandem die Schuld“, sagt der Vater.

Tage voller Angst

Das Ehepaar durchlebt Tage voller Angst. Der Arbeitgeber, die Postbeamtenkrankenkasse, zeigt sich großzügig und stellt die Eltern frei. Als Silas aus dem künstlichen Koma aufgeweckt wird, atmet er nicht mehr selbstständig. Seine Eltern sind bereit, ihn gehen zu lassen. „Der Junge sollte entscheiden, ob er auf der Welt bleiben möchte oder nicht“, sagt Achim Holze. Seine Frau wischt sich mit der Hand über den Mund. „Ich habe Silas dann die Maske abgenommen und ihm zwei Küsschen auf den Mund gegeben. Da öffnete er die Augen“, sagt Nicole Holze-Jordan und lächelt. Von dem Moment an geht es bergauf. In Mini-Schritten. Die Eltern werden in dieser Zeit psychologisch begleitet.

In Kliniken in Kassel und später in Bremen lernen die Holzes Eltern anderer Kinder kennen und freunden sich an. Der Freundeskreis der Holzes hat sich verändert. „Von denen man dachte, die sind immer da, kam nichts. Von anderen dafür jede Menge“, berichtet Achim Holze. Zwei Felsen in der Brandung ihres neuen Lebens sind Silas Großeltern Maria und Gerd Holze. „Ohne die geht gar nichts“, sagt der 43-jährige Sohn.

Erste zwei Jahre sind wichtig

Nicole Holze-Jordan setzt Silas in einen Sessel und füttert ihn mit Brothäppchen. Der Junge lächelt seine Mutter zwischen den Bissen verschmitzt und ein bisschen müde an. Seine Tage sind anstrengend, er besucht den integrativen Kindergarten in Adlum, bekommt Krankengymnastik, Ergo- und Logopädie, geht zur Musiktherapie, zum therapeutischen Reiten, zur tiergestützten Therapie. Der Grund für das volle Wochen-Programm: In den ersten zwei Jahren nach der Erkrankung regeneriert das Gehirn am schnellsten. Die betreuenden Mediziner haben den Holzes aus diesem Grund auch eine Delfin-Therapie für Silas ans Herz gelegt. Die neuen Reize können den Jungen in seiner Entwicklung weiterbringen. Doch die 14 000 Euro, die Therapie und Reise auf die Karibikinsel Curacao kosten, hat die Familie nicht. Am 14. März könnte es losgehen, wie der Verein dolphin aid des Holzes am Freitag mitteilte. Nun startet die Familie einen Aufruf und bittet um Spenden. Damit Silas sich weiter zurück ins Leben kämpfen kann.

Das Spendenkonto: dolphin aid e.V., Stadtsparkasse Düsseldorf, IBAN: DE 52 3005 0110 0020 0024 24, BIC: DUSSDEDDXXX, Verwendungszweck: Silas Holze.