Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Wegen Nord LB: Sparkassen-Gewinn fast halbiert

Veröffentlicht von Tarek Abu Ajamieh am 14.05.2019.

Hildesheim - Der Gewinn der Sparkasse Hildesheim Goslar Peine hat sich im vergangenen Jahr fast halbiert. Das Plus betrug nur noch 5,5 Millionen Euro nach 10,6 Millionen im Vorjahr. Als Hauptgrund nannte der Vorstandsvorsitzende Jürgen Twardzik Abschreibungen auf den Anteil an der Landesbank NordLB, die vor allem durch ihre Schiffskredite in die Krise geraten war.

Sparkasse hebt Krawattenpflicht auf -

Mit 31 Millionen Euro stand die Beteiligung an der NordLB bislang in den Sparkassen-Büchern, das Institut korrigierte den Wert auf einen Euro. Das drückte den Gewinn gewaltig, zudem konnte die Sparkasse anders als in den Vorjahren nicht ihre Reserven aufstocken – musste allerdings auch nicht die bestehenden Reserven anknabbern. Auch die gewohnte Gewinnausschüttung an Stadt, Kreis und andere Träger gab es trotzdem.

Jürgen Twardzik (rechts) und seine Vorstandskollegen Dominikus Penners, Dirk Vorderstemann und Michael Senft (von links) sind mäßig begeistert von der Entwicklung bei der NordLB.

In diesem Jahr beteiligt sich die Sparkasse zudem mit 26 Millionen Euro an der Aufstockung des Eigenkapitals der Landesbank – in der Hoffnung, damit irgendwann wieder Geld zu verdienen. Zumal die unverändert niedrigen Zinsen das Institut immer härter treffen. Rund eine Millionen Euro jährlich gibt die Sparkasse inzwischen dafür aus, dass sie ihr Geld zu negativen Zinsen bei der Europäischen Zentralbank parkt – Tendenz steigend.

Tendenz steigend – das gilt zur Erleichterung der Sparkassen-Verantwortlichen auch für das Kreditvolumen (jetzt 5,3 Milliarden Euro, erstmals mehr eine Milliarde neuer Kredite in einem Jahr). Und auch für die Kundeneinlagen, die inzwischen 5,7 Milliarden Euro betragen (plus 300 Millionen).

Mitarbeiterzahl gesunken

Die Sparkasse Hildesheim hatte zum Jahreswechsel 178 Mitarbeiter weniger als zwölf Monate zuvor. Ein Großteil hat sich über das umstrittene Vorruhestands-Modell des Kreditinstituts verabschiedet. Derzeit hat die Sparkasse noch 1488 Mitarbeiter, die umgerechnet 1248 Vollzeit-Stellen besetzen.

Vorteile für Kunden

Jeder dritte Konteninhaber hat sich inzwischen bei der Sparkassen-Vorteilswelt angemeldet. Bei 350 Geschäften im Geschäftsgebiet gibt es Rabatte oder kleine Gutschriften bei Einkäufen. „Wer das konsequent nutzt, kann die Kontoführungsgebühren ausgleichen“, sagt Vorstandsmitglied Dominikus Penners.

Elektronischer Safe

Seit Februar bietet die Sparkasse einen „elektronischen Safe“ an, in dem Kunden Dokumente sicher ablegen können. Bis zu einem Gigabyte Datenvolumen ist das kostenlos, in drei Monaten haben sich bereits 3000 Kunden dafür angemeldet. Wer mehr Dokumente ablegen will, kann das bis fünf Gigabyte tun – allerdings gegen Gebühr.

Virtuelle Filiale

Sechs Mitarbeiter sitzen ganz real in Büros an der Speicherstraße – und erfüllen ein neues Angebot mit Leben: die Beratung per Video oder Chat. „Wie bei einer Beratung in der Filiale, nur vom Computer aus“, erklärt Penners. Für einfache Fragen gibt es zudem jetzt rund um die Uhr „Linda“, eine tatsächlich virtuelle Beraterin, die über die Homepage erreichbar ist. Ihr sind Antworten auf rund 1000 Fragen einprogrammiert.

Spenden

Das soziale Engagement ist von der NordLB-Krise nicht betroffen, betont Vorstandsmitglied Dirk Vorderstemann. Wie in den Vorjahren habe die Sparkasse 3,4 Millionen Euro als Spenden und Sponsoring für 1500 Projekte verteilt.