Hildesheimer Allgemeine Zeitung

So geht es auf der ICE-Strecke voran

Veröffentlicht von Alexander Raths am 10.07.2019.

Barnten - Schotter prasselt auf die Schienen, Staub wabert durch die Luft, ein Portalkran auf dem gelben Arbeitszug zischt alle paar Minuten mit neuen Schwellen heran – immer wieder: Bei Barnten, wo normalerweise die ICE-Züge mit 280 Kilometern pro Stunde vorbeirasen, sind nun Arbeiten im vollen Gange. Die Schnellfahrstrecke wird rundum erneuert. Der Arbeitszug ist schon vielen Menschen aufgefallen, noch bis Mitte September rollt er durch die Region. 200 Meter Gleise schafft das Spezialfahrzeug stündlich.

„Muss ja gemacht werden“

Die Hochspannungsleitung auf der Bahnbrücke bei Barnten ist abgeschaltet. Nun sind hier auf den Schienen die Kranführer und Bauarbeiter am Werk. Kräftige Männer wie Oliver Grothe, die eine Zehn-Stunden-Schicht absolvieren. Der Kranführer steht mit Sonnenbrille auf der Nase lässig auf einem der Wagen des gut 500 Meter langen Zuges. Eine eintönige Arbeit? „Nee, muss ja gemacht werden“, sagt der 40-Jährige aus Schwiesau in Sachsen-Anhalt.

Projektleiter Martin Holtgrewe überwacht derweil als Bauingenieur die Arbeiten. Für den 37-Jährigen eine anspruchsvolle Aufgabe. „Solch ein Bauvorhaben in dieser Dimension hat es noch nicht gegeben“, sagt der Fachmann mit Blick auf das Vorhaben, das rund 175 Millionen Euro verschlingt.

„Vorsicht Quetschgefahr“

Die Bahn lässt Besucher normalerweise nicht auf solch eine Baustelle, auf der strenge Sicherheitsvorkehrungen herrschen – „Vorsicht Quetschgefahr“ steht auf einem Schild an dem Umbauzug.

Am Mittwoch jedoch darf die HAZ auf die Gleise. Schutzhelm und Warnweste sind auch für die Reporter Pflicht. aber: Offenbar hat sich doch jemand nachts auf der Baustelle heimlich zu schaffen gemacht und an einen Wagen mit gelber Kreide ein Liebesherz gemalt – die Aufschrift: „David und Mark.“

Ingenieur Holtgrewe quittiert diesen Anblick mit einem Lächeln. Man könne halt nicht verhindern, dass irgendein Unbefugter auf den Gleisen herumläuft, sagt der 37-Jährige. „Wir kommen auf der Baustelle gut voran. Es gibt keine Probleme.“

243 000 Schwellen werden verlegt

Zwar laufen die Arbeiten laut Bahn bislang planmäßig ab, doch das Team hat noch eine Menge vor sich. Insgesamt 243 000 Beton-Schwellen muss es verlegen. Annähernd 50 000 Schwellen sind schon platziert. Es geht von Hannover-Wülfel bis Göttingen – 90 Kilometer, davon etwa 60 durch die Region Hildesheim.

Bislang haben die Männer auf dem Umbauzug 30 000 Meter Gleise geschafft. Der ist dabei mit maximal Tempo 20 unterwegs. Es geht auf den ersten Blick langsam zu – dafür gründlich. Daran lässt Projektleiter Holtgrewe keinen Zweifel.

Unterdessen ist der Lärm nur auf der Baustelle eine Belastung für die Arbeiter. Die Barntener, die in der Nähe der ICE-Strecke wohnen, bekommen von dem Krach kaum etwas mit. „Nur bei Ostwind hört man was“, sagt der 71-jährige Gerhard Sprotte, der mit dem Rad in die Nähe der Baustelle gefahren ist. In Barnten ist man ja wegen des Nahverkehr-Bahnhofs ja ohnehin die ständige Geräuschkulisse des Schienenverkehrs gewöhnt, erzählt der Rentner.